Karma vs. einmaliges Leben

Der Lebensweg, den wir in diesem Leben gehen,
ist eine Fortsetzung der Lebenswege,
die wir in vielen Leben zuvor schon gegangen sind.
(Norbert Rogsch)

Menschen, die sich mit dem Thema Spiritualität auseinandersetzen, kommen irgendwann zu einem Gefühl, ein inneres Wissen, dass wir als Menschen nicht nur einmal leben, sondern immer und immer wieder als Menschen geboren werden, bis wir unsere Lektionen als Erdenbürger gelernt haben und vom Rad der Wiedergeburt befreit sind.

Die meisten von uns glauben und gehen allerdings davon aus, dass mit der Geburt alles beginnt und mit dem Tod alles wieder endet. Besonders der, der sich Realist nennt glaubt, wir leben nur einmal und dann ist alles vorbei.

Bloß was für einen Sinn soll so ein einmaliges Leben für uns haben? Selbst wenn wir mit unserem logischen Verstand darüber nachdenken, ob ein einmaliges Leben einen Sinn macht, kann ich keine sinnvolle Idee dahinter erkennen.

Wenn ich mir unsere Welt anschaue, ergibt für mich, ein einmaliges Leben einfach keinen Sinn und ist für mich auch nicht wert, gelebt zu werden.
All das Leiden, Krankheiten, Kriege, Gewalt, Morden, Kindesmissbrauch, Hungersnot, Armut, Machtmissbrauch, Tierquälerei und viele andere unschöne Dinge, die auf unserer Erde passieren.
Wofür soll ein einmalig Leben gut sein, bei all dem Leiden und Schrecklichem in unserer Welt?
Oder ist der Sinn unseres einmaligen Lebens etwa zu leiden, Schmerz zu erfahren und alt, gebrochen und krank zu sterben?
Und was für einen Sinn hätte ein einmaliges Leben für ein Kind, das gerade 5 Minuten auf der Erde angekommen ist und schon wieder sterben muss? Muss das Kind sich nicht verarscht vorkommen? Erst hihi, du darfst beim Erdenspiel mitspielen und bevor es die Augen aufmacht ist schon wieder alles vorbei.

Vielleicht in jungen Jahren mögen wir uns durch Verdrängung einreden können, dass es uns gut geht, dass wir glücklich sind, dass uns unser Leben Spaß macht und dass unser Leben und die Welt in Ordnung ist.
Die Wahrheit allerdings die ich sehe ist, dass viele von uns das Leben nur ertragen und gut finden
– weil wir uns mit ständigem Tun und Aktiv sein ablenken
– der Ruhe und Stille aus dem Weg gehen,
– weil wir uns mit Alkohol, Drogen, Sex, Extremsport und übermäßigem Essen betäuben
– und weil wir uns unsere Leben schön reden und unsere Kindheit idealisieren.

Nur wie sieht für viele ihr wunderbares und einmaliges Leben in unserer bürgerlichen Welt normalerweise aus?
Nehmen wir unsere westliche Welt.
Wir werden oft auf traumatisierende Weise geboren, von unseren Eltern über offene und subtile Gewalt zu braven, gesellschaftsfähigen Bürgern dressiert, um dann im weiteren Verlauf in unseren Schulen mit unnötigem und nutzlosem Wissen vollgestopft zu werden. Wir bekommen von allen Seiten her Gehirnwäsche, wie wir zu funktionieren haben und lernen uns viel von dem abzuschneiden, was unser Leben erfüllen würde. Wir erlernen brav und fremdgesteuert einen Beruf, nicht weil wir ihn lieben, sondern weil wir Geld verdienen sollen/müssen und schleppen uns Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr zu dieser ungeliebten Arbeit, um im Alter eine Rente zu bekommen, die oft nicht mal für Miete und Essen langt. Das Wochenende und die Urlaube nutzen wir dafür, um den frustrierenden Alltag zu vergessen, am besten mit Alkohol. So dreht sich unsere Hamsterrad von einem zum anderen Jahr. Als ob das nicht schon genug wäre, bekommen wir noch zusätzlich Krankheiten wie Rheuma, Krebs, Magengeschwüre,… und uns geschehen Unfälle, die den einen oder anderen „Pechvogel“ manchmal sogar für den Rest seines Lebens an ein Bett oder Rollstuhl fesselt. Wir müssen über unser ganzes Leben hinweg immer wieder Schmerzen, Liebeskummer, Verluste verschiedenster Art ertragen, leiden unter tausend Dingen und scheinen auf die Gunst und Gnade des Schicksals angewiesen zu sein.
Auf anderen Erdteilen dieser Welt sieht es noch um einiges schlimmer aus. Manche von uns Leben in Kriegsgebieten, mit ständiger Todesangst. Andere von uns sind von großer Hungersnot betroffen, wo Kinder und Erwachsene täglich sterben. Wo anders gibt es schwere Umweltkatastrophen, Seuchen und Menschen, die auf Müllhalden leben müssen.

Hört sich das nach einem einmaligen Leben an, das sich für uns lohnt gelebt zu werden und das einen Sinn macht? Nicht wirklich, oder?

Wenn wir wirklich nur einmal leben würden, wäre es dann nicht angemessen, dass dieses einmalige Leben für JEDEN von uns eine wunderschöne, traumhafte, märchenhafte Erfahrung sein sollte? Eine Erfahrung, wo wir bis ins hohe Alter glücklich, gesund, vital, lebenshungrig, abenteuerlustig und vom Leben mit allem bestens versorgt durch dieses eine Leben gehen können, frei von Krankheit, Ängsten, Sorgen und andere Plagen, um dann voller Glückseligkeit und Dankbarkeit den letzten Atemzug genussvoll zu uns zu nehmen?
Oder steckt etwa hinter der Schöpfung ein gemeiner und sadistischer Schöpfer, der es liebt uns Menschen zu quälen? Ein Schöpfer, der uns dieses eine Leben geschenkt hat, um uns zuschauen zu können wie wir leiden, uns gegenseitig das Leben zur Hölle machen, uns gegenseitig umbringen und unglücklich sind?
Ein Schöpfer, der nach einem Zufallsprinzip, aus Liebe oder Hass, den einen mit Reichtum, Glück und Gesundheit beschenkt und den anderen mit Leiden, Sorgen und Problemen überhäuft?

Vielleicht hilft uns der Buddhismus bei der Suche nach Antworten über den Sinn eines Lebens, wenn er vom Rad des Karma spricht. Oder die Weisheitslehrer, wenn sie davon sprechen, dass ein Leben dem anderen folgt, bis wir unser Karma aufgelöst haben.
Karma, was übersetzt die Tat heißt, heißt für mich auch, dass wir über viele Leben hinweg solange in die Welt hineingeboren (inkarnieren) werden, bis wir uns wieder von unserem Karma (von unseren Taten) befreit haben.
Zu unserem Karma gehören nicht nur unsere schlechten, sondern auch unsere guten Taten und erst wenn wir wieder jenseits von Gut und Böse leben bzw. keine Taten mehr im Sinne von Gut oder Böse erzeugen, werden wir den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt verlassen können.
Demnach wandern wir solange von einem Leben zum nächsten Leben, bis wir uns von allen karmischen Bindungen, Taten und Verstrickungen befreit haben, die wir in diesem oder in einem Leben zuvor erschaffen haben. Erst wenn unsere karmische Rechnung null zu null aufgeht, das Pendel des Lebens ruhend in der Mitte angekommen ist, der letzte Heller und Pfennig bezahlt ist, haben wir die Prüfung des Leben bestanden und sind nicht mehr im Kreislauf von Geburt, Leiden, Tod, und Wiedergeburt gefangen.
Wir sind FREI.
Frei, um vielleicht auf einer anderen Ebene, in einer höheren, lichtvolleren Dimension am Spiel der Schöpfung teilnehmen zu können?

Aber bevor wir uns schon als die lichtvollen Engelswesen sehen wollen, denke ich, dass wir doch erst mal lieber hier auf Erden unsere Hausaufgaben machen sollten und dass wir dafür Sorge tragen sollten, dass wir lernen, im höchsten Maße Menschlichkeit zu leben. Denn darum geht es denke ich hier auf Erden und bei unserer Menschseinserfahrung, um tiefe Menschlichkeit und das Gefühl, dass wir alle EINER sind. Oder nicht?

 

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2 Gedanken zu “Karma vs. einmaliges Leben

  1. wenn ich das so lese und mir vorstelle bei der Vergabe zur Neutralisierung meines Karmas immer mit allem einverstanden war,dann ist der Rückblick auf dieses Leben in dem ich nun im 80ten Lebensjahr hier bin, der Wunsch das dies ein einmaliges Dasein gewesen ist

    • Lieber Fritz Werner, danke für Dein Kommentar. Ob dein Wunsch, dass das ein einmaliges Dasein für dich gewesen ist, in Erfüllung geht, bezweifle ich ehrlich gesagt aus meiner Sicht. Höchstens du bist im dem Bewusstseinszustand angekommen, wo weitere Inkarnationen nicht mehr nötig sind. Ansonsten gehe ich davon aus, dass wir ganz klar spüren werden, wann unsere Mission Erdenleben mit seinen menschlichen Lektionen erfüllt ist.

      Alles Gute für dich und liebe Grüße
      Norbert

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