Der Channeling Boom unter meiner Lupe

Wenn wir Botschaften aus erster Hand wollen,
gibt es glaube ich nur einen den wir fragen können, uns selbst.
(Norbert Rogsch)

Wenn ich bei Google Channeling eingebe, werden  ca. 12,9 Millionen Ergebnisse angezeigt. Der Channelingmarkt scheint so sehr zu boomen, dass ich mir überlegt habe, ob ich nicht auch auf diesen Zug aufspringen soll.
Ich hätte sogar schon eine Figur, die ich channeln könnte. Ich weiß nicht, ob ich es verraten soll und ob ihr sie kennt. Ich sage es trotzdem mal, es ist Daniel Düsentrieb. Daniel Düsentrieb ist zwar eine Comicfigur und kein Meister im klassischen Sinne, dennoch ist er ein sehr cleveres und erfinderisches Wesen, das für seine Genialität und seinen Einfallsreichtum bekannt ist.
Als ich ihn in einer medialen Sitzung anrief, fragte ich ihn, ob ich auch channeln sollte. Daniel war begeistert von meinem Vorhaben und sagte, „Hey Norbert, na klar. Wenn nicht jetzt wann dann. Du siehst doch, die Leute stehen drauf. Sehe es mal so Norbert, du sagst den Menschen, dass du all die aufgestiegene Meister inklusive mich Daniel channelst, machst einen auf super wichtig, machst deine Kohle und legst dir ordentlich was zurück, damit wenn die Leute merken, dass du keine Ahnung hast, schön deine Schäfchen im Trockenen hast. So musst du es machen mein Lieber.“
Leider meldete sich meine innere Stimme gleich nach dem geheimen Gespräch mit Daniel (wir sind per du) und sie sagte mir, „Ne du, es gibt schon genug Märchenonkel, die da draußen in der Welt den Menschen einreden, dass sie mit Jesus, Kwan Ying und mit Oil of Olaz reden. Du hörst gefälligst auf mich, deine innere Stimme und lässt das sein.“ Ich musste kurz schlucken und prüfte nochmal, ob nicht vielleicht ein teuflisches Geisteswesen oder sogar ein aufgestiegener Meister mir die Tour versauen wollte, aber nein, es hörte sich wirklich nach meiner eigenen inneren Stimme an, die da sprach.
Daniel versuchte mich sofort wieder auf seine Seite ziehen zu wollen, doch er merkte sehr schnell, dass ich auf meine eigene innere Stimme mehr höre, als auf jemand anderes. So war mein Traum vom großen Channeler geplatzt.
Auch wenn ich zwar aus dem Rennen bin, ist der Hype ums Channeling ungebrochen. Große Säle werden damit gefüllt und es werden immer mehr. Wie in allen Bereichen gibt es unter den Mediums sicherlich Wesen, die wissen was sie tun, die authentisch sind und heilsame Botschaften überbringen, während auf der anderen Seite, der eine oder andere sich selbst nur einredet, dass er ein Medium für die aufgestiegenen Meister ist, um sich endlich mal wichtig fühlen zu können.
Aber was erwarten sich die Menschen generell von so einem Channeling frage ich mich? Wollen sie wissen wann das Mutterschiff kommt? Wollen sie einen Kaffeetratsch mit der verstorbenen Oma, eine Botschaft von Harry Potter, ein neues Bett von Jesus um endlich aufstehen zu können?

So frage ich mich auch, was passiert wohl, wenn vier Channeler zur gleichen Zeit, für eine Person, gleichzeitig einen Meister channeln. Nehmen wir als Beispiel Jesus, der vielleicht gerade seinen Mittagsschlaf hinter sich hat und wieder Online ist. Machen die dann eine Konferenzschaltung mit Jesus oder wie geht das? Oder sagt Jesus, bitte nur einer nach dem anderen? Ok, Jesus ist glaube ja multidimensional unterwegs, also channelt er wahrscheinlich mit allen vieren gleichzeitig.
Nur was tun, wenn auf einmal vier Botschaften heraus kommen? Dem einen sein Jesus sagt vielleicht, heirate den Stefan, der andere sein Jesus sagt, bleib bei deinem Olaf, wiederum der andere sein Jesus sagt, probier es mal mit lesbisch, da kannst du jetzt auch heiraten und der vierte sein Jesus sagt, lebe erstmal als Single und komm mit dir selbst zurecht.
Tja, was tun wir dann? Sagen wir uns dann, dumm gelaufen und müssen dann eh unsere innere Stimme fragen, wessen Jesus denn jetzt Recht hat?

Drum ist es vielleicht gut, wenn wir lieber wieder selbst lernen, mit unserer eigenen inneren Führung, unserer eigenen inneren Stimme in Kontakt zu kommen und von dort aus unser Leben gestalten.
Zu lange sind wir schon von unserer inneren Führung abgeschnitten und sind teilweise dazu gezwungen worden, den Stimmen unserer Eltern, Großeltern, Lehrern, Politikern und anderen Quacksalbern zu folgen. Sie brachten uns dazu, ihnen mehr Glauben zu schenken als dem, was wir in uns spürten und hörten.
Und jetzt machen wir genauso weiter und fragen die großen Channeler wie wir leben sollen und was wir tun sollen, während sie vielleicht in Wahrheit nur die Gedanken weitergeben, die sie selber haben. Channeler, die sich hinter irgendwelchen Wesenheiten verstecken, damit die dann dafür verantwortlich sind, wenn ihre Ratschläge in die Hose gehen. Oder schlimmer noch, dass die Botschaften der geistigen Welt immer richtig sind und wir selbst an der Misere dran Schuld sind. Wir sind ja auch im Grunde selbst daran Schuld, wenn wir unser Leben in andere Hände geben, vielleicht mit der Hoffnung, dass sie uns in die 5. Dimension oder zum heiligen Gral der ewigen Pusteblume heben. Das ist so, als würde ich einem Fremden mein Geld geben in der Hoffnung, dass er es mir dann um ein vielfaches mehr zurück gibt.
Und wieso zum Hänschen gehen, wenn wir gleich mit Hans (mit dem Göttlichen in uns selbst ) sprechen können.
Denn ich glaube, unsere innere Stimme ist direkt mit allem Wissen und allen Informationen im ganzen Universum, ja sogar mit allem Sein zu jederzeit in Verbindung. Unsere innere Weisheit, unser höheres Selbst, unsere Herzensstimme kann uns den Weg weisen wohin wir gehen sollen und zwar mit Infos, die wir direkt und aus erster Hand bekommen können.
Aber wir tun es nicht. Eben weil wir in unserer Kindheit gelernt haben, dass wir unserer inneren Stimme nicht vertrauen können. Vielleicht spürten  wir als Kind dass es unserer Mutter nicht gut geht, doch sie erzählte uns mit schmerzverzerrtem Gesicht, das alles bestens ist. Nachdem wir das ein paar mal so erlebten,  fingen  wir an, an unsere Intuition zu zweifeln und ihr zu misstrauen. Oder es war uns warm und der Vater sagte, es ist kalt setz deine Mütze auf, und wir mussten es tun, weil es angeblich gut für uns ist und weil unser Vater vielleicht sonst wütend geworden wäre und mit Bestrafung drohte. So verloren wir meiner erachten mit der Zeit das Gefühl zu uns selbst und spalteten uns von unseren eigenen Gefühlen und unserer inneren Stimme ab, weil das, was wir in uns spürten, erstens nicht zu stimmen scheint und zweitens die anderen eh besser zu wissen scheinen, was wir brauchen und was gut für uns ist.
Manche erwachsene Kinder rufen immer noch ihre Mutter an, um sie zu fragen was sie bei diesem oder jenen Wetter anziehen sollen. Sie haben kein Gefühl mehr für sich selbst.
Und so gehen wir von Seminar zu Seminar, ob Channeling, Satsang, Motivationseminar und lassen uns sagen, was wir tun sollen.
Ich bin davon überzeugt und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es genug gute, heilsame, hilfreiche und wertvolle Angebote in den verschiedensten Bereichen gibt, die ihr Geld wert sind. Wozu ich anregen will ist zu autonomem Denken, Fühlen und Handeln und dass wir unseren Focus auf Seminarqualität legen anstatt ein Seminarhüpfer zu werden, um dann damit hausieren gehen zu können, à la, ich war gerade bei diesem und jenem Channeling und davor noch bei Eckhardt Tolle, gestern bei Robert Betz, letzte Woche beim Jürgen Höller und da zuvor beim Helene Fischer Konzert.
Ich habe es in meinem Leben erlebt, dass andere davon überzeugt waren, dass dieses oder jenes Seminar eine super Sache für mich ist, selbst dann, wenn ich ihnen sagte, dass dieses Seminar meinem Gefühl nach gerade nichts für mich ist.
Vielleicht war ich nicht offen und es wäre wirklich gut für mich gewesen, dennoch war mein Impuls meiner inneren Weisheit zu folgen stärker. Gut, vielleicht war es ja gar nicht meine innere Weisheit, sondern mein ängstliches Ego? Tja, eine gute Frage.
Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass es in unserem Leben besonders darum geht, den Kontakt zu unserer inneren Führung, inneren Stimme, inneren Weisheit, zu unserem höheren Selbst oder unserer Intuition, wie auch immer wir sie nennen mögen, wieder her zu stellen, bis wir sie wieder ganz klar in uns selbst hören und ihr zutiefst vertrauen können.
Ich denke, das kann uns nicht nur eine Menge Lehrgeld, sondern auch eine Menge Zeit, eine Menge Nerven und eine Menge Probleme ersparen.

 

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11 Gedanken zu “Der Channeling Boom unter meiner Lupe

  1. Danke!
    Das ich genauso fühle und denke hab endlich durch dein schreiben begriffen!
    Alle Antworten sind schon da in uns! Danke dir und mir 😆

  2. Ja, auch von mir ein DANKE. Sehr schön geschrieben. Ich meine, dass gerade in Deutschland die Experten einen überhöhten Status haben. Ja, sie haben hilfreiche Gedanken aus ihrem jeweiligen Expertengebiet. Das bedeutet aber nicht, dass sie alles über andere wissen und man ihnen nur folgen braucht oder manchmal soll und muss. Ich denke an Lehrer, Psychologen, Richter auch Hirnforscher, die in ihren Positionen ja auch immer eine gewisse (Bewertungs-)Macht haben. Ich würde gerne den Beitrag auf http://www.konfliktgewinn.de mit aufnehmen, wenn Du nicht dagegen bist!?

    • Liebe Claudia Riege,

      herzlichen Dank für deinen Beitrag und deine Gedanken dazu. Schön, dass er dir gefällt.

      Lieb und gerne darfst du diesen oder andere Blogbeiträge von mir teilen. Ich freu mich darüber und ist von mir erwünscht :-).

      Alles Liebe Norbert

  3. Gefällt mir sehr gut, der Artikel. Ich war leider bislang zu feige, das genau so klar auszusprechen. Vor allem, weil ich so viele Channels unter meinen Facebookfreunden habe und die Menschen eigentlich mag. Trotzdem gefällt mir nicht, was sie anbieten 🙁 Da ich selbst weiß, wie weh das tut, wenn man sich einer Aufgabe verschreibt und dann von Menschen, die man vielleicht auch mag, mit denen man sich unterhält und Spaß hat, plötzlich gesagt bekommt, ich finde nicht gut, nicht gesund, was Du anbietest …

    Ich habe jetzt Deinen Artikel geteilt und meinen Teil dazu kommentiert. Ein Anfang 😃 Irgendwann kommt es schließlich eh raus, was ich daran weniger gut finde …

    Also vielen und sehr perönlichen Dank für diese Lupenansicht 😉

    Beatrice

    • Liebe Beatrice,

      lieben dank für dein Kommentar und es freut mich, dass dir mein Artikel gefällt.
      Ich verstehe deine Bedenken denke ich gut.
      Ich finde es auch herausfordernd anderen, noch dazu uns nahestehenden Menschen etwas mitzuteilen, was sie vielleicht nicht positiv, sondern als Kritik, Ablehnung ect. empfinden.

      Glückwunsch für deinen Mut, es dennoch zu tun 😉

      Liebe Grüße
      Norbert

  4. Erfrischend gut geschrieben und sehr stimmig.
    Gott sei Dank habe ich den Kontakt zu mir selbst nie wirklich verloren
    und kann meinem Gefühl vertrauen. Somit werde ich auch immer zur richtigen
    Entscheidung geführt. Gerade in der Channeling Szene spielen sich ja haarstreubende Sachen ab……. ich hab mich da schon immer distanziert, weil wer
    weiss mit wem die da in Wirklikeit so kommunizieren 😀
    Der Spiritualität gegenüber bin ich jedoch sehr aufgeschlossen. Ich mags da eher bodenständig schamanisch….

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