Der Kontaktabbruch vom Kind zu seinen Eltern. Ein Missverständnis aus meiner Sicht.

Was den Kontaktabbruch zwischen Eltern und Kind, (meinem Eindruck nach meistens mehr zwischen Mutter und Kind), angeht, so liegt für mich ein bedeutendes Missverständnis vor.
Ein Missverständnis, wo ich glaube, dass wir als Kinder das für uns korrigieren sollten.

Meistens, so meine Erfahrung, heißt es von den Eltern und gesellschaftlicher Sicht aus, dass ein Kind, das die Nähe zu seinen Eltern meidet, den Kontakt abgebrochen hat. Selbst die Kinder, die nicht mehr mit ihren Eltern in Kontakt sind, sagen von sich selbst sie haben den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen.
Aber ist das wirklich so?

Nach längerem Hinspüren und Überprüfen dieser generellen Sichtweise bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass der Kontaktabbruch eines Kindes für mich so nicht stimmt. Es ist für mich schlichtweg falsch und macht das Kind zum Täter und die Eltern zu armen Opfern ihres kontaktabbrechenden, gemeinen, bösen, rücksichtslosen und undankbaren Kindes.

Hört oder liest man von Eltern, oder in einem Artikel, dass ein Kind angeblich den Kontakt zu seinen Eltern abgebrochen haben soll, dann können wir aus meiner Sicht immer wieder heraus hören und lesen, dass auf der einen Seite die Eltern die unschuldigen, ahnungslosen, nicht verstehenden, erschütterten, leidenden Opfer sind. Während auf der anderen Seite das Kind so dargestellt wird, als wäre es gegenüber seinen Eltern ungerechtfertigt gemein, undankbar und herzlos. Im Sinne von, wie kann ein Kind nur so schrecklich gemein seinen Eltern gegenüber sein, ihnen so weh tun, ihnen so das Herz brechen, obwohl die Eltern ihrem Kind doch immer alles versucht haben zu geben, immer für es da waren, immer nur das Beste für es wollten,…..

Betrachten wir die Angelegenheit allerdings genauer, kommen wir meiner Meinung nach nicht umher zu erkennen, dass ein Kontaktabbruch zwischen Eltern und Kind immer von den Eltern ausgeht. IMMER. Das mag sehr absolut klingen und das ist es für mich auch.
Warum?
Ganz einfach, Kontaktabbruch beginnt für mich schon in der Kindheit durch elterliche Erziehung, durch elterliches Fehlverhalten, durch elterliche körperliche und seelische Gewalt, durch elterliche Übergriffe, durch elterliche Grenzverletzungen gegenüber ihrem Kind, durch nicht oder falsch verstehen des Kindes, durch narzisstische Störungen der Eltern und durch Missbrauch ihrer elterlichen Macht. Nur um einige für mich wichtige Ursachen für den elterlichen Kontaktabbruch zu nennen.
Demnach sorgt für mich das negative, destruktive Verhalten der Eltern alleine zu dem Bruch in der Eltern Kind Beziehung bzw. im Kontakt zwischen Eltern und Kind.
So kann ich aus meiner Sicht sagen, dass ein Kind noch nie den Kontakt zu seinen Eltern abgebrochen hat. Lediglich spiegelt es den Eltern mit seinem Gehen wieder, dass sie entweder erst gar nicht mit ihm wirklich in Kontakt waren, oder zumindest nicht auf gute, schöne, nährende Weise mit ihm in Kontakt waren.
Über das Gehen versucht das Kind klar zu machen, mit dem Kind, mit dem ihr glaubt in Kontakt zu sein, das bin nicht ich und das gibt es in Wirklichkeit auch nicht.
Da sehe ich neben dem elterlichen destruktiven Verhalten auch das Problem. Denn Eltern sind aus meiner Sicht oft nur mit einem Bild von ihrem Kind in Kontakt, das mit dem realen Wesen ihres Kindes kaum oder nichts zu tun hat. Der Kontakt zu ihrem Kind und wie es ihrer Meinung angeblich ist, ist oft nur eine selbstgebastelte Eigenkreation und Wunschvorstellung vom Ego der Eltern, mehr nicht. Genau genommen hat es vielleicht nie einen wirklichen Kontakt von den Eltern zu ihrem Kind gegeben.

Der Glaube der Eltern, dass für ihr Kind früher alles doch in bester Ordnung gewesen ist, das Kind glücklich und zufrieden gewesen ist und keine Anzeichen gemacht hat, dass es den Kontakt zu seinen Eltern unerträglich findet, entstammt alleine aus ihrer Verdrängung heraus, wirklich sehen zu wollen was war und was ist. Viel mehr lassen Kinder über ihre ganze Kindheit hinweg und darüber hinaus Eltern wissen, dass sie sich nicht wohl, nicht glücklich, nicht verstanden, nicht gesehen und nicht geliebt bei ihnen fühlen.
Aber Eltern, die sich in ihrem Elternsein idealisieren und ihre Familie in einem heilen Weltbild festhalten, sind nicht in der Lage und nicht offen dafür zu sehen, wie das Kind versucht ihnen mitzuteilen, dass es unter ihnen, unter ihrem Missbrauch etc. leidet. Dabei versucht das Kind ständig seinen Eltern über Worte, Verhaltensweisen, Gesten und Taten mitzuteilen, hallo Mama, hallo Papa, ich leide unter euch und das was ihr macht und wie ihr mich behandelt verletzt mich, schränkt mich ein und lässt mich nicht ich selbst sein.
Im Laufe der Zeit, stellt das Kind allerdings immer mehr fest, dass es tun und sagen kann was es will, die Eltern behalten ihren lebensfeindlichen, destruktiven und zerstörenden Kurs bedauerlicher Weise bei.
Das Kind fängt dadurch an, sich in seine eigene geheime Welt zurück zu ziehen, während es vielleicht um den Scheinfrieden zu wahren, gleichzeitig das Spiel der Eltern, alles ist zwischen uns gut, mitspielt. Das Mitspielen des Kindes geht dann solange, bis das Kind endlich die Möglichkeit und die Kraft hat zu gehen. Einige Kinder machen diesen Schritt vor ihrer Volljährigkeit, andere mit ihrer Volljährigkeit und andere erst im Alter von 30, 50, 70 Jahren.
Vermutlich wäre das Kind schon mit drei, vier Jahren gegangen, hätte es diese Entscheidungsmöglichkeit als Option gehabt. Aber wie wir wissen, hat es diese Option nicht, höchstens es würden schwere offensichtliche Misshandlungen, Missbrauch und Vernachlässigungen vorliegen, wo dann bestenfalls das Jugendamt dem Kind zu Hilfe kommen würde.
Und so warten Kinder bis sie sich ihnen die Chance ergibt, gehen zu können und konfrontieren die Eltern mit ihrem Gehen scheinbar aus dem Nichts heraus und das nicht selten mit einem kalten Schweigen.
Verlassene Eltern trifft dieses (wortlose) Gehen ihres Kindes sehr und sie sind schockiert, überrascht, verletzt, empört, fühlen sich vor den Kopf gestoßen, ausgenutzt, beschämt, zu unrecht behandelt und sind überzeugt, sie sind das Opfer und unschuldig. Selbst wenn Eltern sich Fehlverhalten ihrerseits eingestehen, finde sie aus ihrer Sicht ihr Fehlverhalten selten so gravierend, dass das für ihr Kind ein Grund gewesen sein kann, sie zu „verlassen“.
Händeringend versuchen Eltern sich dann als armes Opfer in ihrer Familie, bei ihren Freunden, in der Gesellschaft zu verkaufen, was in vielen Fällen sensationell gut gelingt. Diese Eltern ernten dann immer wieder ein immenses Mitgefühl, Empathie und Verständnis in ihrer Familie, von ihrem nahen Umfeld und selbst von ihrem „Therapeuten“.
Das Kind wird dagegen gerne mit Unverständnis und kopfschüttelnd als Täter betrachtet oder als jemand, der auf die schiefe Bahn gekommen sein muss. Ursachen für das Gehen des Kindes sind von Eltern und Gesellschaft aus gesehen vielfältig und sind natürlich meistens ausserhalb des Verantwortungsbereich der Eltern zu finden.
Für diejenigen, die das Elternspiel durchschauen ist klar, dass in Wahrheit die Eltern noch nicht bereit sind, sich der Verantwortung stellen zu wollen, dass sie selbst den Kontaktabbruch zu ihrem Kind inszeniert und verursacht haben.

Genauso ist für diejenigen, die das ganze Spiel durchschauen ersichtlich, dass auch die Familienmitglieder, das Umfeld, der Therapeut, die Therapeutin letztendlich durch ihr Verhalten deutlich machen, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit sind, erkennen zu wollen was wirklich los ist.
Zu verletzt sind alle Mitspielenden in sich und zu sehr bedrohlich sind die lang verdrängten, auftauchenden, schmerzhaften alten eigenen Kindheitswunden.
Und so sucht sich das Ego unserer Eltern Menschen und Leidensgenossen, wo sie sich ihre Welt, mag sie noch so irreal, kaputt und destruktiv sein, bestärken und bestätigen lassen können. Denn wir Menschen sind durchaus in der Lage uns allein und mit Gleichgesinnten das Falsche so lange zu drehen, bis das Falsche für uns Richtig ist. Auf einmal ist das Päckchen Zigarette gar nicht mehr gesundheitsschädlich sondern hilft uns sogar loszulassen und zu entspannen. Ja, jede Zigarette hilft uns sogar, schneller zu Gott zu kommen. Ist das nicht toll?

Was ich denke, was bei all den gehenden Kinder von uns beachtet werden muss ist, dass sich meiner Meinung nach jedes Kind die Nähe zu seinen Eltern wünscht und total ungern diesen Schritt, von den Eltern wegzugehen, macht.
Ich sehe den Akt des Gehens vom Kind als Selbstschutz, als eine überlebenswichtige Maßnahme, um nicht im sinkenden Eltern und Familienboot mit unterzugehen und um seines eigenen Lebensglücks willens. Dabei wollen Kinder, so denke ich, gerne Zeit mit ihren Eltern verbringen, für sie da sein, mit ihnen zusammen sein, mit ihnen die Feste feiern, mit ihnen reden und es schmerzt sie sehr, dass das nicht auf schöne, nährende, gute Weise möglich ist.

Letztendlich gehen aus meiner Sicht Kinder (und kommen nicht wieder), weil sie die Chance haben wollen, IHR ganz eigenes Leben, mit all ihren Träumen, Wünschen und Vorstellungen leben zu können, frei von elterlichen Beschränkungen, frei von elterlichen Begrenzungen, frei von elterlichem Missbrauch, frei von elterlichen Vorgaben, frei von elterlichen Erwartungen, frei von elterlichen Wunschvorstellungen, frei von elterlichen Traumatisierungen, frei von elterlicher Knechtschaft und frei von Eltern, die sie für ihre narzisstischen Bedürfnisse benutzen und ausnutzen wollen.

Ich bin mir sicher es wird eine Zeit kommen, wo Eltern in sich so heil, gesund, reif und verantwortungsvoll sind, dass zu ihren Kindern ein solches Band an Liebe, an Vertrauen, an Verständnis, an Wärme, an Herzlichkeit, an Respekt und Güte existiert, dass Kinder sich in ihrer Nähe einfach unendlich wohl, genährt, geborgen, sicher und frei fühlen.
Haben Eltern eine solche wunderbare Atmosphäre in ihrer Eltern-Kind Beziehung geschaffen, ist die natürliche Folge für mich, dass jedes Kind dieser Welt ganz natürlich und sehr, sehr, sehr gerne bei seinen Eltern ist.

Und was lernen wir daraus. Ich denke die Erkenntnis, dass Eltern es selbst in der Hand haben.
Also einfach als Eltern Verantwortung übernehmen, selbst für ihr Heilsein sorgen, ihre Kinder gut behandeln, ihnen geben, was sie wirklich brauchen, eine gesunde familiäre Bindung schaffen und alles läuft rund und wunderbar.

Im Grunde voll easy. Besonders wenn man selbst keine Kinder hat. 😉

P.S. Als jemand, der die Dinge auch von einem spirituellen Standpunkt aus betrachtet, gibt es für mich zum Thema Eltern, Kind, Familie eine weitere, für mich eine ergänzende Sichtweise. Diese in diesem Beitrag zu erwähnen hätte für mich allerdings die positive Kraft dieses Artikels zerstört. Der Grund dafür ist für mich, weil ich finde, dass der tief verletzte und schuldbeladene (innere Kind) Teil in uns endlich und erst mal da sein darf, tief verstanden wird und tiefes heilsames Verständnis erfährt. Genauso, dass wir uns erst mal erlauben uns als Kind in unserem Schmerz zu sehen und mitfühlend von anderen gesehen zu werden, wie wehrlos, schutzlos, hilflos und ohnmächtig wir dem destruktiven Handeln unserer Eltern ausgeliefert waren und wie vieles wir über uns haben ergehen lassen müssen.
Hinzu kommt für mich, dass nicht jeder an einer spirituellen Sichtweise interessiert ist bzw. der Artikel für mich zu lang geworden wäre. Deshalb werde ich zu gegebener Zeit vermutlich noch einen separaten Artikel dazu verfassen.

 

 

45 Gedanken zu “Der Kontaktabbruch vom Kind zu seinen Eltern. Ein Missverständnis aus meiner Sicht.

  1. Ich finde, bei einem Kontaktabbruch kann man nicht von Schuld sprechen, weder von den Eltern, noch von den Kindern. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, die auf die Kindheiten generationsübergreifend aller Beteiligten zurückführen. Zwischen ihren Zeilen lese ich immer wieder, wie sehr sie wohl verletzt worden sind, lieber Norbert. Und ich habe Mitgefühl.
    Alles Gute
    Johanna

  2. Ich höre immer wieder wie sehr Kinder unter ihren Eltern auf unterschiedlicher Weise litten, und finde es mutig dieses Thema offen anzusprechen ,
    LG Petra

  3. Genau getroffen!
    Meine Tochter nahm sich mit 21 Jahren das Leben.
    Genau wie meine Schwester, achtzehn Jahre zuvor.
    Mein Sohn brach den Kontakt vor neun Jahren zu mir ab und war auch nicht bereit ihn wieder aufzunehmen.
    Ich wohne 700 km von meinen Eltern entfernt.
    Wir pflegen einen netten telefonischen Kontakt.
    Ich bin meinen Eltern von Herzen dankbar.
    Danke, dass ihr mir das Leben geschenkt habt! Danke dass ich euch wählen durfte.
    Danke mein Sohn, danke meine Tochter, dass ich eure Mutter sein durfte!
    Es war eine herausragende Erfahrung und ich danke euch, dass ihr mich und euren Vater gewählt habt!
    Wahrscheinlich wahr es nicht mein Seelenplan, Mutter auf Dauer zu sein – und Großmutter.

  4. Muss ja eine sehr schlimme Kindheit gewesen sein ,wenn man solche Worte zu Papier bringt.
    Böse Eltern lieblos u.s.w.
    Naja Hauptsache Sie sind jetzt glücklich ohne Kontakt zu Ihren Eltern
    Die Eltern tun mir trotzdem sehr leid vielleicht wussten sie es nicht anders oder konnten nicht anders und werden jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt und können Nix tun ,um es wieder zu einer Bindung kommen zu lassen
    lassen
    Und ich spreche aus Erfahrung

    • Aus welcher Erfahrung sprechen Sie denn? Der des Verlassenen? Wurden Sie vor vollendete Tatsachen gestellt?
      Das denkt meine Mutter wahrscheinlich ebenfalls, und immer noch, und kann sich gar nicht erklären was sie denn falsch gemacht hat.
      „Die Eltern“ können Ihnen wahrlich leid tun, denn in den meisten Fällen des Kontaktabbruchs sind sie leere menschliche Hüllen, nicht fähig zu Emotionen, nicht fähig ihren Kindern die bedingungslose Liebe zu geben die sie brauchen, um zu emotional gesunden, selbstbewussten Erwachsenen heranzureifen.
      Die Kinder leiden darunter, selbst wenn sie nicht körperlich missbraucht wurden, ihr Leben lang.
      Niemand bricht einfach so den Kontakt zu seinen Eltern ab. Da muss eine ganze Menge passieren. Und glücklich ist man damit sicher noch lange nicht.
      Und wenn man dann meint es wäre zu entschuldigen mit „vielleicht wussten sie es nicht anders“, dann macht man es sich wirklich zu leicht. Jeder Mensch hat jederzeit die Wahl sein Verhalten zu ändern. Wenn er etwas nicht weiss, kann er es lernen. Dazu ist aber eine Fähigkeit zur Reflexion nötig, und die scheint den meisten verlassenen Eltern zu fehlen.
      Sollen sie sich doch bitte einmal an die eigene Nase fassen.
      Zum Beispiel, wenn man den Kontakt als Elternteil wieder aufnehmen will, und den Versuch gleich mal mit Vorwürfen startet, muss man sich da wundern?
      Ihre Bemerkung, die Eltern „können Nix tun, um es wieder zu einer Bindung kommen zu lassen“, ist für mich der Beweis dass Sie es nicht verstanden haben. Es gab nie eine Bindung, und genau DAS ist die Schuld der Eltern.

    • Was sind denn das für Aussagen???? Es gibt bei weitem genug Anzeichen und Reaktionen eines Kindes, wenn irgendetwas nicht stimmt, da muss man als Eltern entweder hochgradig ignorant oder feige sein, um diese Anzeichen angeblich nicht zu ’sehen‘.
      Vor vollendete Tatsachen werden sie mit Sicherheit nicht gestellt…sie wissen ganz genau was der Anlass ist. Und ich spreche auch aus Erfahrung!

  5. Vielen Dank für das in Worte fassen was ich mich niemals getraut hätte zu sagen. Ich fühle mich erleichtert, da ich mich von Geburt an für alles verantwortlich gemacht habe. Doch alle Mühe war umsonst. Sie konnte mich einfach nicht lieben und das ist ok. Dafür bin ich jetzt dabei mich selbst lieben zu lernen, seit ich mich von der Vergebungsfalle befreit habe, dh ich musste mein eigener Coach und Therapeut werden, denn nur Betroffene können nachvollziehen welche Folgen das haben kann was ich erlebt habe. Und ich werde diese Wunden heilen, egal wie lange es dauern mag. Seit ich freiwillig es aufgegeben habe zu hoffen, dass zwischen uns alles besser wird und somit auch aufhörte mich selbst zu verlassen, trat ich eine lange Trauerphase an. Darüber dass ich nie eine liebende Mutter hatte, dass ich wegen ihr meinen leiblichen Vater nie sehen durfte, dass sie mich grausam körperlich, seelisch und emotional misshandelte, mich isolierte vor anderen Menschen, da sie alles bestimmen wollte uvm. Meine Tür steht offen für ein Gespräch auf Augenhöhe. Meine Therapeuten, die mir schon Jahre vorher rieten die Hoffnung auf Besserung aufzugeben würden jetzt den Kopf schütteln. Doch es ist die Frau, die mich zur Welt brachte, der ich dankbar bin, dass ich da bin (Depressionen und Selbstmordgedanken habe ich kaum noch) und einfach alles bereit wäre zu verzeihen, wenn von ihr nur Einsicht über sich selbst und ihr Verhalten mir gegenüber (Selbstreflexion), auch das zukünftige, statt Urteile kämen wie schlecht und undankbar ich doch gewesen wäre, weil ich es ihr nie recht machen konnte, ihre Bedingungen mich lieben zu können nie erfüllen konnte. Die Fähigkeit zu lieben, fehlte ihr leider, denn Liebe ist bedingungslos, was ich gerade bei meiner Reise zu mir selbst, wer ich überhaupt bin, etc praktisch erfahre. Durch Urteile anderen und mir selbst ggü. trenne ich mich von der Quelle, von mir selbst, dem Leben. Durch Wohlwollen, Wertschätzung, Nachsicht, Achtung, Anerkennung, Akzeptanz dessen was ist (was alles Liebe ist, was zusammenführt, statt trennt) bin ich mir selbst und anderen nahe, sind wir auf Augenhöhe. Tue ich anderen oder mir selbst weh (Verurteilung, mich vergleichen mit anderen, herabsetzen etc), spüre ich das an der Reaktion sofort und da es mir selbst weh tut, bringe ich es schnell wieder in Ordnung. Es ist frustrierend nicht ernst genommen zu werden, wenn man darüber spricht was einen schmerzt (mit denen die es angeht, in meinem Fall die Mutter) und es ist sowas von mutig darüber einen öffentlichen Artikel zu schreiben. Wäre es meiner, wäre er als Einladung zum Gespräch auf Augenhöhe zu verstehen. Mein letzter Versuch sie zu erreichen, da alles andere bisher nicht fruchtete. Ja ich wurde für meine Hilfeschreie in Form von Briefen an sie noch mehr runtergemacht, weil ich als Kind dringend Liebe, Schutz, Geborgenheit etc gebraucht hätte. Leider verstand sie es immer als Vorwurf, wenn ich sie um Liebe anflehte, ihr sagte wie ich mich fühle. Sie wollte nur lesen was ihr gefiel, Lob, Dankbarkeit für die Schläge, die ihr ja auch nie geschadet hätten, wie sie mir sagte (wie traurig), Dankbarkeit für einfach alles was mich zum Therapiefall machte (freiwillig suchte ich mir Hilfe um nicht ihr Erbe an meine Kinder weiterzugeben und meine Wunden zu heilen). Wirkliche Hilfe und Antworten fand ich aber nur in mir selber durch Aussortieren der Impulse, die von außen kamen, wobei die, die mit „du musst xy tun“ oder „du darfst xy nicht tun“ zu befolgen mir nicht dienten. „Was fühlt sich stimmig an?“ – Meine Intuition war leider von Selbstzweifeln gelähmt, ich sei doch eh nur zu faul, dumm, gemein, egoistisch, frech, etc und diese Gehirnwäsche saß tief. Ich bin so froh, dass ich Licht am Ende des Tunnels sehe, mich befreien werde von diesem Erbe mich für alles schuldig zu fühlen (sogar für meine Geburt, die ihre Karriere versaute, weil sie mich nicht abtrieb, obwohl ich ein Unfall war, wie sie mir sagte). Ich freue mich auch darauf eines Tages vielleicht Mutter sein zu dürfen und dieser Verantwortung, frei von Depressionen und zerstörerischen Gedanken, gewachsen sein zu können. Es ist sehr schade, dass ich nie eine soziale liebende Mutter hatte (nur biologisch) und sie ihre Enkel, wenn es welche gibt, nie sehen wird, wenn kein Wunder geschieht.

    • Kann ich die Handy Tippfehler irgendwie noch korrigieren?
      Zb: „anflehte“ anstatt „anfechten“
      „doch gewesen wäre“ anstatt „dich“

      • Hallo Nicole, ja lässt sich korrigieren. Ich kann das die Tage machen, wenn das für sie passt. Meinen Respekt, dass sie das alles mit dem Handy geschrieben haben und an dieser Stelle sage ich danke, dass sie sich mit ihrem Erleben so zeigen. Finde ich auch mutig. Ich kann mir gut vorstellen, dass andere sich in ihrem Schreiben auch wieder finden.

  6. Was für ein wundervoll wahrhaftig geschriebener Artikel, dem ich voll und ganz zustimmen kann.
    Das aus Sicht als Mutter…
    Ja, es liegt auch in meinen Augen und vor allem in meiner Erfahrung in der Verhaltensweise der Eltern, in meinem Fall mir – der Mutter. (Von Schuld kann ich nicht sprechen, da es sich um einen Dominoeffekt handelt, der sich über Generationen in unterschiedlichen Ausprägungen – bis zur Erkenntnis – ausbreitet).
    Mein Verhalten gegenüber meinen Kindern war auf Vermeidung von vermeindlich väterlichen Fehlern gestützt, übermäßige Kontrolle und Unterdrückung nicht weiterzugeben. Damit war ich fixiert darauf, ein `freieres´ Familienleben zu gestalten und übersah dabei nahm ich zu oft die eigentlichen Bedürnisse der Kinder nicht wahr.
    Alleinerziehend ohnehin schon nicht leicht, versuchte ich, alles so gut wie möglich zu machen und auch Teile des fehlenden Vaters zu kompensieren…
    Der Spagat zwischen Freiheit und erzieherischen Grenzen in meinem eigenen Familienbild
    zu vereinbaren, war praktisch nicht wahrhaft möglich…
    Bei meinen Kindern war das als Gleichgültigkeit und auch Lieblosigkeit angekommen.

    Meine Kinder sind heute erwachsen und stehen in guten Positionen in Beruf und Öffentlichkeit. Sie haben ihr eigenes Leben – so wie ich es mir für sie gewünscht habe – in freier Selbstbestimmung…
    Doch erkennen durfte ich, dass ich unbewusst viel zu viel Augenmerk auf die Verwirklichung meines Familienbildes legte, als mich voll und ganz darauf einzulassen, was meine Kinder brauchen und fühlen…
    Ich haben nicht häufig Kontakt mit meinen Kinder, weil ich aufgrund der Kontrolle meines Vaters (Gott habe ihn seelig) vermeiden wollte und will, das Gefühl aufkommen zu lassen, dass ich mich einmische oder kontrolliere und so hatte ich unbewusst von mir aus keine tiefe Bindung zu meinen KIndern `zugelassen´ – und das ist der eigentliche und springende Grund dafür, dass sowohl meine Kinder als auch ich keinen `verbindlichen´ Kontakt halten konnten…
    Mit dieser Erkenntnis musste mir eingestehen, dass ich selbst meine Kinder schon sehr früh `verlassen´ hatte und somit die Kontaktarmut entstand…

    Wir haben inzwischen so manches `Missverständnisse´aufgeklärt und sind im Frieden mit unserem Kontakt. Jeder lebt und gestaltet sein eigenes Leben nach seinen eigenen Bedürfnissen und kann auch das der anderen schätzen …
    Auch wir Eltern haben schließlich das Bedürfnis – nachdem die Kinder erwachsen sind – das eigene Leben wieder frei und ungezwungen und gewissermaßen ungebunden zu gestalten…

    Vielen Dank lieber Norbert, für deine klaren Worte zu diesem Thema.
    Herzlichst Monika Anasha

  7. Schuld? was ist das? Versagen? was ist das?
    Eine von Liebe und Hingabe, Verantwortung und Achtung geprägte Erziehung!, was ist daran falsch?
    Wo sind da Fehler zu erkennen…Ich denke nicht daran zu sagen, das hast du von deiner Mutter, das hast du von deinem Vater geerbt….nein, das stimmt nicht so, denn jeder wird durch seine eigenen Gene geprägt und nur von der sogenannten „Außenwelt“ mutwillig geformt, das starke EGO verhindert eine Übernahme von Eigenschaften der Eltern oder Geschwister, es ist eher das Wunschdenken- so möchte ich sein, ach wäre das super, warum nicht ich, warum nur die anderen?
    Als Eltern versuchen wir dem heranwachsendem Kind alles zu geben, zu ermöglichen, zu gestalten. Sicher geschehen dabei Fehleinschätzungen und Führungen, doch ein selbstbewusster Charakter steuert selbst die Korrekturen….es sei denn….es erfolgt eine erneute „Fremdbeeinflussung“….so glauben die Kinder, sich von den „Alten“ abnabeln zu müssen, oft auch gänzlich und verbal emotional und hart, was beiden Seiten nie gut tuen kann, über den eigenen Schatten springen zu wollen und zu können fällt schwerer, als einen „Schlussstrich zu ziehen“!
    Für alle Beteiligten ein unfassbarer Zustand, man würde ja an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn man den ersten Schritt aufeinander-zu tun würde, wie schlimm….unverständlich, herzlos…
    Von Beiden!, es sei denn…..der Bruch geschieht tatsächlich nur von einer Seite und wird alles getan, die andere nicht zu Wort kommen zu lassen, alle Versuche der Annäherung zu ignorieren!
    Also, lieber Norbert oder auch Monika…ich teile eure Ansicht nicht und widerspreche gern, weil es einfach nur weh tut, Schuldzuweisungen zu erteilen und keinen Schritt in die richtige Richtung zu tun….und wenn dann noch Enkel vorenthalten werden….unerträgliche Situation, schmerzhaft!
    unverständlich, unverzeihlich……
    Ich lese sehr viel Eigenverletzung heraus, selbst erfahrenen Schmerz, Schuld, Versagen!
    Aber vielen Dank für den Anstoß
    herzlichst Frieder M.

    • Bei allem Respekt lieber Friedericus,
      diese Eigenverletzung, den selbst erfahrenen Schmerz, die Schuld und das Versagen das du hier herausliest, spricht (über deinen Kommentar klar) aus dir selbst heraus – auch wenn du es gerne auf den Verfasser oder mich projezieren möchtest …
      Solange die Eltern sich scheuen, den Schmerz zu fühlen – wirklich zu fühlen!! – wird sich das Verständnis über die verborgenen emotionalen Geschehnisse nicht zeigen können. Und Du schreibst ja eben, dass es unerträglich und schmerzhaft ist…

      Jaa, es ist seehr schmerzhaft, deshalb wehren wir uns ja auch mit vielen Verdrängungsmechanismen dagegen, den Schmerz endlich wahrhaft zu durchfühlen!
      Und auch weil wir natürlich nicht `schuldig´ sein wollen… Wir wollen nicht `wahr´ haben, dass unsere Entscheidungen … (in unserem besten Sinn) zu solch einem Ergebnis geführt haben… Damit verwehren wir uns aber selbst den Weg zu einem liebevollen neuen Kontakt…

      Es geht hierbei nicht um Schuld oder Fehler !!!
      Es geht einfach nur darum, zu erkennen, was sich aus unseren Überzeugungen und unserem daraus resultierenden Verhalten ergeben hat.
      Nichts sonst! Es geht darum die Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen… nicht die Schuld bei sich selbst zu suchen – oder bei den Kindern…
      Was ich geschrieben habe war keine `Ansicht´, es ist meine persönliche ERFAHRUNG…
      Das ist ein Unterschied … Ich bin durch den Schmerz gegangen und habe ihn gefühlt – immer und immer wieder – bis er mir das Verständnis `gewährt´ hat – die Erkenntnis der Zusammenhänge und Hintergründe. Auf dieser Ebene konnte ich meinen Kindern frei und ungezwungen begegnen. Ja, auch ich durfte mir Vorwürfe anhören – aber ich habe der Wut, dem Ärger meiner Kinder dieses Ventil geben können, allein aus dem Verständnis heraus. Das kannst du erst, wenn du deinen eigenen Schmerz gefühlt hast und durch die kommunizierten `Gefühlsausbrüche´ der Kinder nicht mehr getiggert wirst.
      Solange ich in den Schmerz falle und mich verletzt fühle beim Austausch mit meinen Kindern, reagiere ich selbst wie ein verletztes Kind mit Ärger, Unverständnis, Enttäuschung …
      Jede bestehende Situation ist ein Ergebnis aus vergangenen Entscheidungen. Bewusst oder unbewusst. Das hat nichts mit Fehlern zu tun!
      Nachzuvollziehen, welche Entscheidungen, Verhaltensweisen oder Glaubenssätze zum `heute erlebten Ergebnis´ geführt haben, ist essentiell um zu verstehen und auch sich selbst und dem Kind zu vergeben, wie man selbst und das Kind letztendlich gehandelt hat…
      Vielleicht lässt du dich einfach mal wahrhaft auf deinen Schmerz ein, auf all deine Gefühle dabei …
      Es ist (d)eine Entscheidung – FÜHLEN ist angesagt, nicht erklären, was warum nicht passt oder funktoniert 😉
      Alles Liebe dir
      Monika

      • Monika, für mich bist du eine wahre Heilige!

        Wie gern hätte ich dich als Mutter – deine Kinder können froh sein, bei dir geboren worden zu sein, auch wenn du Fehler gemacht hast, weil an dir welche begangen wurden!! Das ist gar nicht schlimm! Wir sind alle (fehlerhafte) Menschen.

        Meine Mutter liebe ich zwar, sonst würde mir die Situation mit dem Kontaktabbruch nicht nach über 30 Jahren noch so weh tun. Ich denke Tag und Nacht an sie, was total ungesund und geradezu obsessiv ist. Sie lässt mich einfach nicht frei, was sehr traurig ist.

        Da sie nicht bereit ist, sich zu reflektieren, können wir nicht wieder in Kontakt kommen, bzw. überhaupt in Kontakt kommen.
        Mein Bruder führt immer noch sein Doppelleben, zwischen dem Sohn, den sie sich ausdenkt und dem Menschen, der er wirklich ist. Er tut mir sehr leid! Und seine Tochter, meine Nichte, tut mir auch leid!

        Wenn meine Mutter doch nur bereit wäre, zumindest einen klitzekleinen ihrer Fehler einzugestehen, wäre ich bereit zu verzeihen.

        Du bist ein echtes Vorbild für „verlassene“ Eltern! Ich danke dir für deine Existenz! Und noch viel wichtiger erscheint mir, dass du ein Hoffnungsträger für viele „Kinder“ bist, dass sich irgendwann doch noch was ändern kann.
        Denn kein Kind trennt sich gern von seinen Eltern – in diesem Punkt stimme ich zu 100% mit dem Verfasser dieses Blogbeitrags überein!!

        • Liebe Hanna,
          deine Worte ehren mich sehr – Danke .
          Ich tue `nur´ mein Bestes – heute, aber auch damals als junge Mutter.
          Der Unterschied ist, dass ich heute eine völlig andere Sicht auf die Beziehung/Verbindung von Eltern/Mutter und Kind habe und weiß, dass das Beste aus meiner Sicht nichts damit zu tun hat, was das wahrhaft Beste für das Kind ist, um sich selbst ungezwungen und `behütet´ zu entfalten und um sich geborgen und geliebt zu fühlen …
          Ich bin immernoch mit meinen Kindern auf dem `Klärungs- und Annäherungsweg´ und der wir auch noch ein Stück gehen, aber wir sind endlich gemeinsam darauf `eingebogen´.
          Und begonnen hat dieser erst wirklich, als meine Tochter es nicht mehr ausgehalten hat, ihre wahren Emotionen zu verstecken. Dafür bin ich ihr unendlich Dankbar – ich hatte schon sehr lange den Wunsch dazu und hatte in manchen Gesprächen gelegentlich `Hinweise´ gegeben, doch sie kamen nicht an. Tiefe Scham ob der `Schuld´ an der Verbindungslosigkeit, Scham über das Versagen, nicht bemerkt zu haben ect. haben mich keinen `direkten´ Anfang und auch den Mut nicht finden lassen…
          Über Umwege platzte meine Tochter heraus und es war für uns beide eine zwar schmerzhafte aber sehr befreiende `Auseinandersetzung´ die zu einem Zusammensetzen mit tiefem und klarem Gespräch führte… In diesem erstmals wahrhaft offenen Gespräch über die vorhandenen Gefühle in entsprechenden Situationen konnten Missverständnisse aufgedeckt ! werden, von denen wir jeweils noch nicht einmal wussten, dass es diese gab…
          Das, denke ich ist ein Schlüsselaspekt, der uns – Eltern als auch Kinder – daran hindert, aufeinander zuzugehen…
          Mindest eine Seite – meist aber beide – denkt, dass der andere mutwillig gehandelt hat.
          Meine Tochter zb. dachte das immer. Bei unserem Gespräch stellte sie (selbstredend) ernüchtert fest, dass sie sich damit geirrt hat. Es entstand ein tiefes Verständnis und Mitgefühl, das ihr vorher völlig fehlte, durch ihre irrtümliche Überzeugung…
          Was mir auch klar wurde: Unsere Kinder scheuen sich oft, die klärende Aussprache von sich aus herbeizuführen, weil sie selbst noch zu verletzt sind, aber oft auch, um die Eltern nicht zu verletzen. Ebenso denken viele Kinder – wie auch meine Tochter – dass es ihnen nicht zustände, die Eltern damit zu konfrontieren und dass die Eltern den ersten Schritt tun müssten…

          Hier möchte ich sagen – Ich bin unendlich froh, dass meine Tochter mich mit ihrem Emotionen konfrontiert hat und so die Tür geöffnet hat. Was natürlich nur dann so ankommt, wenn auf der `Gegenseite´ offen und bereit ist.

          Aber auch wenn dabei wütend viele Vorwürfe gemacht werden, ist es m.E. wichtig, dass sowohl Eltern, als auch Kinder ihre Empfindungen klar und deutlich kommunizieren… Sonst bleiben etwaige Missverständnisse und damit die Verbindungs- oder Kontaktlosigkeit weiter aufrecht… Auch die sehr stark vorhandene Verständnislosigkeit wird nicht weniger sondern wächst, und damit leider auch der oft unterdrückte Ärger darüber…

          Ich kann nur sagen, findet jeder den Mut – zuerst einmal für sich selbst – seine Gefühle zu fühlen und dann klar zu kommunizieren, was auch immer dabei herauskommt – es ist besser, als die Verdrängung oder die Angst vor dem was es ergibt …
          Nur ehrliche, aufrichtige Kommunikation führt dazu, Missverständnisse auszuräumen, Verständis zu fördern und Vertrauen wieder aufzubauen 🙂

          Von Herzen für alle 🙂

  8. Als Betroffene kann ich sagen ist das Schlimmste an dieser Situation, dass die Eltern keine Verantwortung übernehmen wollen oder auch können. Das lässt einen sehr hilflos zurück. Als Mutter ist es meine Pflicht, mich mit meiner eigenen Historie und Tätetanteilen auseinanderzusetzen, als erwachsener Mensch Verantwortung zu übernehmen und meinen Kindern ein sicheres Aufwachsen zu ermöglichen, in dem ich mich nicht zum Opfer meiner Kinder und Gegebenheiten mache sondern aktiv meinen Heilungsprozess steuere. Ich bin verantwortlich für mein Wohlergehen und das meiner Kinder. Ich liebe meine Kinder ihrer selbst willen und höre ihnen zu, anstatt durch sie nur meinen eigenen Narzissmus zu befriedigen. Und damit mache ich einen Unterschied und durchbrechen die Kette der ICH- bezogenen Eltern, die nicht weiter ala bis zur eigenen Nasenspitze fühlen und verstehen können.

  9. Hallöchen und einen schönen guten Morgen

    als Erstes sage ich allen Betroffenen und die sich in diesem Artikel als erwachsenes Kind und oder als Vater/Mutter zeigen herzlichen Dank für Ihre Rückmeldungen und ihr offenes sich Mitteilen. Auch wenn ich auf jeden einzelnen Kommentar gerne eingehen möchte, fehlt mir die Zeit dazu. Dennoch will ich sie wissen lassen, dass ich jeden Kommentar lese, dass ich mich sehr darüber freue und ich berührt bin, gerührt bin und mitfühle. DANKE.

    Eine andere Sache sind die Kommentare von sich Mitteilenden, denen mein Text, meine Texte nicht gefallen und wo ich besorgt bin, dass das hier aus dem Ruder läuft. Dazu will ich erwähnen, dass ich meinen Blog für Menschen gedacht habe, damit sie daraus vielleicht etwas schönes, positives, heilsames, sich verstanden und gesehen fühlendes mitnehmen können. Siehe auch bitte „Über mich“ und „Meine Vision“.
    Das scheint für sie, denen dieser Artikel nicht gefällt, meinem Eindruck nach nicht der Fall zu sein. Generell bin ich sehr offen und aufgeschlossen für sachliches, respektvolles kritisches Hinterfragen und in Frage stellen meiner Texte. Das kann ich allerdings bei ihren Kommentaren für mich nicht erkennen, noch erlebe ich in ihren Zeilen Mitgefühl, Verständnis, Empathie für ihre eigenen Kinder oder andere betroffene Kinder wie z.b. die betroffenen Kinder, die sich hier mit ihren Verletzungen mitteilen.
    Aber genau darum geht es mir in diesem Text, nämlich dass sich hier verletzte Kinder verstanden und gesehen fühlen, die oft nicht verstanden und gesehen werden, schon gar nicht von ihren Eltern.
    Es geht für mich hier nicht darum, mit verlassenen Eltern, die ihre verletzten Kinder nicht verstehen wollen einen Austausch führen zu wollen, noch bin ich an ihren Kommentaren interessiert.
    Meine Artikel laden zum Erkennen und Verstehen ein und ich will nicht, dass hier Eltern schreiben, die nicht bereit sind, die Verantwortung für das, was sie bei ihrem Kind gesät haben und die Ernte, die sie heute von ihrem erwachsenen Kind erhalten, übernehmen wollen. Genauso will ich hier nicht, dass Eltern das tun, was sie aus meiner Sicht oft gerne tun, Kindern suggerieren zu wollen, ihr Verhalten als Kind ist das Problem. Eltern sind herzlichst dazu eingeladen, das zu tun was, hier eine Mutter für mich erfreulicher Weise macht, Einsicht zu zeigen, für ihr verletztes Kind Verständnis zu zeigen,… . Davon brauchen wir finde ich mehr. Eltern sind für mich nicht Opfer ihrer Kinder, sondern Opfer ihrer eigenen unverarbeiteten Kindheit und Opfer von sich selbst und ihrem nicht Verantwortung übernehmen wollen.

    Daher bitte ich sie und die anderen Eltern, die bei sich keine Verantwortung für das gehen ihres Kindes sehen wollen, oder jene, die Eltern verteidigen und in Schutz nehmen wollen, keine Kommentare hier zu verfassen. Vielen Dank.

    Zum Schluss will ich noch sagen, dass ich mich frage und ihnen die Frage weiter geben möchte, warum sie sich die Zeit nehmen und sich die Mühe machen in einem Blog einen Text zu lesen, von einem Menschen, den sie nicht kennen, deren Text ihnen missfällt, dort einen Kommentar verfassen, zwischen den Zeilen lesen, dass der Fremde verletzt sein muss, ihm das mitteilen, teils ihm ihr Mitgefühl ausdrücken, während sie sich genauso Zeit dafür nehmen können, sich mit ihrem Kind zu beschäftigen, dort zwischen den Zeilen lesen, dass ihr Kind verletzt ist, es ihrem Kind voller Empathie sagen und ihm ihr tiefstes Mitgefühl und Verständnis ausdrücken?

  10. ich habe selber den kontakt zu meinen eltern abgebrochen. wenn ich ihren text als wahrheit annähme, müsste ich daraus folgern, daß ich bis zu dem moment, an dem ich meine eltern verlassen habe, passiv und fremdbestimmt gewesen bin. das würde ich niemals so stehen lassen.
    ich finde, sie beschreiben in ihrem artikel einen archetyp einer gescheiterten beziehung zwischen eltern und kind. aber eben nur einen. das fehlen jeglicher verweise auf andere möglichkeiten suggeriert, daß nur diese deutung eines kontaktabbruches erlaubt ist. durch ihren stil stellen sie es so dar, punktum. sie verstärken das noch, indem sie sich auf die koryphäe alice miller berufen, die ihnen gewiß ihren artikel um die ohren klatschte. ich finde, sie sollten die finger von so einem heißen thema lassen, wenn sie sich nur darauf beschränken wollen, ein polares szenario darzustellen und diesem quasi allgemeingültigkeit zu verleihen.
    um mal meine vorkommentatorin zu zitieren: ich bin sprachlos. das ist meines erachtens eine ganz schlechte arbeit.

  11. Hallo Roland! Ihrem Kommentar kann und werde ich voll und ganz zustimmen, da läuft bei dem Verfasser etwas gehörig aus dem Ruder, und wenn dann noch von „Unterlassung“ weiterer Kommentare von betroffenen die ernste Rede ist, finde ich keine Worte mehr.
    Aber eben das gibt es auch, dass jemand Mitleid sucht und bekommt für falsche unvollständige Darstellungen, schade, dass dies so ist…..nein kein Stich ins Wespennest, eher ins eigene Fleisch!
    Sehr bedauerlich, wenn keine ehrliche und aufrichtige Konversation möglich ist, Danke an alle diejenigen, die der Darstellung Fragen stellen und ggf. dem widersprechen, finde ich super!
    Nein ich bin nicht sprachlos! eher zum Widerspruch geboren!
    LG
    Friedericus

  12. Ups… Ich entschuldige mich vielmals, dass ich die hater auf diese Seite aufmerksam gemacht habe. Ich fand den Artikel so wunderbar, dass ich ihn mit den verstoßenen müttern geteilt hatte, auf das er nur Einer die Augen öffne. Stattdessen haben sie wohl die verstoßenen Vater um Hilfe gerufen, die hier so aggressiv rumpöbeln. Sorry. Das war nicht meine Absicht. Ich finde den Blog super.

  13. Da es leider einigen nicht gelingen mag, Kommentare in reifer Eigenverantwortung sachlich und mit Respekt seinem Nächsten gegenüber zu verfassen ,erlaube ich mir, diese Kommentare in Zukunft zu löschen.

  14. Ein sehr guter Artikel! Lassen Sie sich nicht verunsichern, lieber Norbert Rogsch! Betroffenen wie mir sprechen Sie aus der Seele. Danke!

  15. Ich finde den Artikel hervorragend, er hat mich sehr berührt und das ausgesprochen, was tief unter der Problematik liegt: die Bindung, die nie wirklich da war oder das natürliche Bindungsstreben des kindes, welches von den Eltern nie beantwortet und angenommen wurde. Trauma zerstört häufig die bindungsfähigkeit und das zieht sich natürlich über Generationen. Ein Mensch kann nichts geben, was er nicht kennt weil er es nie bekommen hat. Ja er kann nicht einmal verstehen, was ein kind von ihm will oder braucht, wenn dieser Mensch da einen weißen Fleck auf seiner inneren landkarte hat. Hier geht es nicht um Schuld, sondern darum, die Wahrheit und das Ausmaß der verheerenden Auswirkungen anzuerkennen und die Hoffnung aufzugeben, dass da noch etwas kommen könnte..also dieses ewige „in der traumastarre verharren“ weil vielleicht doch ein Signal von den Eltern kommt, was man natürlich auf keinen Fall verpassen möchte…denn nur dann kann ja endlich alles gut sein….ein Mensch, der es schafft, sich von dieser inneren Haltung endlich loszulösen, muss zwangsläufig den sowieso noch nie vorhandenen Kontakt abbrechen indem er seine Energie nun endlich in sich selbst investiert anstatt in die Illusion, dass die Eltern es doch noch irgendwann kapieren….und dann beginnt wahre Heilung…und dann ist es vielleicht sogar möglich in einen anderen, ganz neuen Dialog mit den Eltern zu treten…vielleicht…und wenn nicht, dann ist es auch gut. Manchmal ist das einzige, was wir von unseren Eltern bekommen tatsächlich das physische Leben.

  16. Ich bin selber eine verlassene Mutter und habe mich lange als Opfer gesehen. heute weiß ich, das meine Tochter das Opfer ist. Habe mich sehr bemüht, eine gute Mutter zu sein, doch das ist mir nicht immer gelungen, aber nicht, weil ich ein böser Mensch bin, sondern weil ich es wahrscheinlich nicht besser konnte. Frage mich sehr oft, wie es soweit kommen konnte. Habe mich auch lange schuldig gefühlt , doch bei wem will man mit der Schuldfrage anfangen? Bei meiner Mutter, die sich das Leben nahm ,oder dessen Mutter, oder meiner Stiefmutter , wo ich nie Liebe fühlte? Fragen über Fragen. Selber bin ich psychisch krank, vielleicht hätte ich lieber keine Kinder bekommen sollen ? Ich weiß es nicht. ich bin innerlich so zerrissen und versuche immer wieder Kontakt zu meiner Tochter zu bekommen. Möchte doch nur mit ihr reden , ob es was bringen würde, weiß ich nicht,aber ich wünsche es mir so sehr . Ich liebe meine Tochter , habe viele Fehler gemacht, doch hat nicht jeder Mensch eine Chance verdient? Ich weiß, ich muss sie loslassen, doch das fällt ,mir so unsagbar schwer. Vielleicht ist sie ohne mich wirklich glücklicher . Ich hoffe es jedenfalls, das sie glücklich ist, auch wenn ich es nicht bin.

  17. Liebe Mirjam,
    ich wollte es mir einfach von der Seele schreiben, in der Hoffnung, es geht mir dann besser. Habe nicht damit gerechnet, das jemand meinen Text wunderbar findet. Danke

  18. Ich finde den Artikel sehr gelungen. Auch ich habe vor einem halben Jahr den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich diverse Male klar ausgesprochen habe, was mich am Verhalten meiner Mutter stört. Nach einem heftigen Streit hat sie zwar Fehler eingestanden und sich entschuldigt. Nur hat sich kaum etwas geändert. Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass sie nun mal nicht anders kann. Sie wird immer voller Liebe für meinen Bruder sein und im Gegenzug mich als die Tochter ihres ungeliebten Mannes ansehen. Ich weiss, dass sie es schwer hatte und immer noch hat. Aber ich bin nicht länger bereit, unter ihren Entscheidungen zu leiden. Sie wurde schliesslich von niemandem gezwungen, einen Mann zu heiraten, den sie nie liebte. Mir gehts seit dem Kontaktabbruch besser. Ich vermisse nichts, denn da war ja nie viel. Der Autor hat recht: Einen echten Kontakt hat es nie gegeben. Das hat meine Mutter mit ihrer emotionalen Kälte und dem Liebesentzug als bevorzugte Strafe verhindert, und mein Vater hat nichts kompensiert. Vielleicht hat meine Mutter selber zu wenig Liebe bekommen. Meinem Bruder konnte sie jedoch jede Menge Liebe geben. Wie auch immer. Ich mache mir heute kaum mehr Gedanken darüber. Was man nicht ändern kann, sollte man loslassen.

  19. Lieber Norbert,
    Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag. Ich habe sehr viel zu dem Thema gelesen aber kaum jemand hat es so auf den Punkt gebracht wie Du!
    Man merkt dass Du wirklich alles durchlebt und durchfühlt hast.
    Für mich ist dein Beitrag so berührend und so voll Verständnis. Nochmals einen tief empfundenen Dank dafür!

  20. Hallo Norbert,

    Vielen Dank für diesen ausführlichen beschriebenen Artikel. Du hast es auf den Punkt gebracht.

    Auch ich wurde als Kind körperlich und seelisch von meinen uneinigen Eltern (die waren sich in der Erziehung nicht einig) misshandelt worden. Meine Eltern sind viel mehr mit sich selber beschäftig das ich Ihnrn seid der Geburt nur im Weg gestanden habe. Dazu kam das meine Mutter Schizephonie hat und narzisstische Züge an sich hat. Sie hat mir im Leben nie was gegönnt. Warum auch immer. Ich kann mir mir heute nicht sagen warum sie mich als Tochter so hasst. Liebe und Geborgenheit ist ein Fremdwort bei meinen Eltern. Wer seine Kinder Misshandelt hat kein gesundes Selbstbewusstsein.

    Uch habe auch zwei Selbstmordversuche hinter mir und lag im KH und meine Mutter stand am Bett und heulte. Ich konnte sie nicht ernst nehmen, weil sie mir was vor gemacht hat. Es war ein Hilferuf von mir an meine Eltern nach den Selbstmordversuchen. Leider hat es nichts gebracht und sie haben mich bis heute im Erwachsenen Alter seelisch Misshandelt. Sie sehen Ihre Fehler nicht ein und das kann ich nicht ändern und bin machtlos. Was ich nur machen konnte ist den Kontakt abzubrechen und um zusehen wie wichtig ich wirklich bin.

    Leider musste ich in mein bisheriges Leben von meinen Eltern stetig Vorwürfe anhören und wenn ich Hilfe brauchte musste ich mich Rechtfertigen. Meine Mutter ist auch sehr gut darin Lügen über mich zu verbreiten und das traurige ist, dass keiner von den Verwandten sich ein Bild machen über das was erzählt wird.

    Heute habe ich versucht mit meinem sturen Vater Kontakt auf zunehmen (seid Dezember 17 Funkstille) und da schrieb er meinen großen Sohn, dass ich es lassen soll Kontakt aufzunehmen ansonsten schaltet er einen Anwalt ein.

    Es war nur kurz eine freundliche Sprachnotiz über Whatsapp und bekomme so eine Drohung. Ich muss dazu sagen, das ich meinen Vater in Dezember meine Meinung geschrieben hatte und mit Kontaktabbruch gedroht habe. Ich kann mir nicht mehr die Vorwürfe und Kontrolle anhören und Unterstellungen. Ich bin eine Erwachsene Frau und lebe mein Leben. Ich möchte mit meiner kleinen Familie glücklich Leben. Immer wenn ich Kontakt hatte zu meinen Eltern bin ich in eine Depression verfallen mit Angst und Panikattaken sowie Stress. Und sobald längere Zeit Ruhe war, bin ich aufgeblüht und habe Lebensfreude. Und das merken meine Kinder und Freunde.

    Wenn man solche herzlosen Eltern hat können Probleme im Erwachsenen Alter auftreten. Man wird gemobbt oder von anderen Menschen schnell ausgenutzt, weil man nach Aufmerksamkeit schreit.

    Aber das gehört nicht mehr zu mir. Ich gehe meinen Weg und bin glücklich. Soll mein Vater doch einen Anwalt einschalten und nur weil ich gefragt habe wie es ihm geht und der Anwalt lacht sich doch einen. Damit kommt er nicht durch. Meine Eltern da fehlt soviel an Selbstbewusstsein das ich keinen Kontakt mehr möchte.

  21. Haben Sie ein wenig Zeit? Denn kürzer kann und will ich mich mit meiner Geschichte nicht fassen. Aber durch diesen Artikel inspiriert, möchte ich sie gerne teilen. Aus Sicht eines Kindes. Aus Sicht einer Mutter.
    Ich bin auf diesen Artikel gestoßen, nachdem mein Vater am Telefon einen Tag zuvor verkündete, mir meine Entscheidung abnehmen zu wollen und von nun an den Kontakt zu mir abbricht. Er sei es leid, dass ich und mein zunehmender Rückzug immerzu Thema zwischen meiner Mutter und ihm seien und mir ständig hinterher zu telefonieren. Mein Mann und unsere Kinder seien bei ihm jederzeit weiterhin Willkommen, mir sage er nun „Leb wohl“.
    Zu der Vorgeschichte: Meine Mutter erhielt mit 24 Jahren erst im 5. Monat (ich bin Jahrgang 81) die Nachricht mit mir schwanger zu sein. Da sie es bereits seit Längerem versuchten, erzählte ihr ein Arzt (wohl beabsichtigt) sie könne keine Kinder bekommen. Als sie dann von mir erfuhr (nach einem Urlaub, in dem ein anderer Arzt mich für einen Tumor hielt), war die Freude wohl grenzenlos. Meine Mutter hatte selbst eine sehr gewaltsame und lieblose Kindheit. Ihre Mutter (starb bereits mit Anfang 50 an Krebs) prägte sie mit Schlägen und Liebesentzug, teilte ihr zudem ständig mit, dass sie nie gewollt war. Mit dieser Biographie also schwor sich meiner Mutter wiederum, niemals die gleichen Fehler wie die ihre zu machen.
    Die ersten 3 Jahre überschüttete sie mich mit Liebe. Ich durfte alles machen, Erziehung war kein Thema. Sie schenkte mir ihre ganze Aufmerksamkeit, mein Vater durfte kaum an mich ran, nur meine Omi (väterlicherseits) war noch eine weitere Bezugsperson, da sie meiner Mutter immer näher war, als ihre eigene. Nach knapp 3 Jahren kam meine kleine Schwester zur Welt. Ich habe tatsächlich ein sehr gutes Gedächtnis, weshalb ich mich sogar erinnern kann, wie ich sie das erste Mal gesehen habe. Eifersucht kam nie auf, da meine Mutter sich sehr bemühte, uns beiden gerecht zu werden und ich zudem sofort verliebt und wahnsinnig stolz auf meine Schwester war. Und mein Vater wurde nun auch mehr mit einbezogen.
    Der Bruch begann dann wohl ein paar Monate später. Meine Eltern wollten unbedingt ein Eigenheim, 10 km weiter in einem Dorf. Zuvor lebten wir in einer gut vernetzten Kleinstadt, in der auch meine Großeltern (väterlicherseits) wohnten. Das Haus war groß und es musste viel Arbeit darin investiert werden. Also zogen wir auf eine halbe Baustelle, was ich jedoch als sehr abenteuerlich empfand. Dann wurde meine Mutter mittendrin ungeplant schwanger mit meinem Bruder. Meine Schwester war gerade ein halbes Jahr alt. Meine Eltern (sie Erzieherin ohne Arbeit, er Polizeibeamter) bewegten sich finanziell bereits am Limit. Die Mutter meiner Mutter riet ihr zur Abtreibung, was für sie nicht in Frage kam. Volle Unterstützung erhielt sie dagegen von meinen Großeltern. Auch mein Vater versicherte ihr, dass sie das schon schaffen würden.
    Als mein Bruder zur Welt kam, hatten meine Schwester und ich Keuchhusten, so dass meine Mutter die erste Zeit von uns getrennt mit meinem Bruder im Obergeschoss verbrachte. Ich konnte vermutlich deshalb meinen Bruder von Beginn an nicht leiden, meine Schwester liebte ihn sehr. Und nun begann ein Kreisauf aus Überforderung, Fehlern, Entschuldigungen, noch mehr Fehlern…:

    Ich war laut Aussage meiner Eltern ein sehr „schwieriges“ Kind. Wurde ich die ersten beinahe 4 Lebensjahre eher antiautoritär mit vielen Freiheiten großgezogen, so folgte nun also die Quittung. Ich schrie und „bockte“ viel, war wohl oft „unartig“. Und da begannen die ersten Schläge. Meistens waren es Ohrfeigen, mal wurde ich ganz klassisch „übers Knie gelegt“ und mir der entblößte Po versohlt. Auch ein Holzkochlöffel kam dort mal zum Einsatz. Alles durch meine Mutter, die sich manchmal hinterher weinend entschuldigte, weil sie doch nicht so werden wollte. Wobei weder sie noch mein Vater andererseits Zweifel daran ließen, dass ich ebenso Schuld an den Schlägen und auch den Tränen meiner Mutter trug.
    Mein Vater liebt meine Mutter sehr. Er war viel arbeiten und in seiner Freizeit tüftelte er an Haus, Garten und im Keller oder an den Autos. Er war trotzdem ein sehr liebevoller und aufmerksamer Papa, der immer wieder die drakonischen Strafen meiner Mutter unterbrach (kein Abendessen, wochenlang Zimmerarrest, tagelanges Ignorieren, Liebesentzug, drohen mit Rausschmiss oder Heim, anschreien und Schläge). Leider unterstützte er diese jedoch auch immer wieder, wenn er den Eindruck hatte, meine Mutter würde wieder unter uns und unserem Verhalten (mein Bruder und ich stritten ständig) leiden. Zudem griff er immer wieder auf meine Mutter zurück, wenn er sich mit unserer Erziehung überfordert sah.
    Meine Schwester war immer die „Vermittlerin“ aller Parteien. Sie war als Sandwichkind diejenige, die zwischen den beiden „schwierigen“ Kindern (mein Bruder lernte spät sprechen, musste viel gefördert werden, war sehr lebendig und stellte immer irgendwas an, kaum Freunde und immer Schulprobleme) stand. Sie war sehr lieb, fleißig und hatte viele Freunde. Meine Mutter sagte mal, sie hätte gerne 5 von ihrer Sorte gehabt. Trotzdem kassierte auch sie immer wieder mal eine der Strafen. Überhaupt hatten wir alle viel Angst vor unsere Mutter. Richtig schlimm wurde es, als sie Anfang der 90er wieder zu arbeiten begann:
    Bei den Hausaufgaben flogen uns auch mal die Hefte um die Ohren, wenn wir etwas nicht wussten. Mit einer schlechten Note traute ich mich gar nicht erst nach Hause. Oft log ich wegen Klausuren und Tests, wenn diese Lügen aufflogen hieß es tagelang Hölle auf Erden… Meistens schlief sie sehr lange. Bis 12/13 Uhr manchmal, vor allem an den Wochenenden (ihre Arbeit ging von 16 bis 23 Uhr). Sie hatte kaum Freundinnen, die meisten aus befreundeten Partnern mit meinem Vater. Sie rauchte viel, trank regelmäßig Alkohol und machte immer wieder Crashdiäten. Sie war oft gereizt, müde und genervt. Wir waren ihren Launen ungeschützt ausgeliefert. Es war ein ständiges Auf und Ab ohne wirkliche Beständigkeit oder Stabilität. Ging es ihr gut, hatten wir dafür zu sorgen, dass es so bleibt. Wenn wir jedoch nicht so waren, wie sie uns gerade brauchte, trugen wir Schuld an ihrem Unglück. Für ihr Glück konnten wir nur sorgen, wenn wir alle so funktionierten, wie sie es eben erwartete und benötigte. Und das war unmöglich festzustellen. Deshalb war ich ein sehr schüchterndes und verschlossenes Kind in Schule und Freizeit, hatte nur wenig Freunde und konnte mich nie zur Wehr setzen. Rebellierte dennoch immer wieder gegen Ungerechtigkeiten in der Familie.
    In dieser Zeit (Kindergarten, Grundschule, Gymnasium bis ca. 12. Lebensjahr) war meine Omi der absolute Rettungsanker! Sie liebte alle Enkelkinder, aber als ihr erstes hatten wir eine ganz besondere Bindung. Dort dürfte ich immer Ich sein, niemand sagte mir, änder dies und das, sei anders, ich hatte immer das Gefühl RICHTIG, ERWÜNSCHT und bedingungslos GELIEBT zu sein. Und nicht nur zu irgendwelchen Bedingungen… Wenn ich dann nach wundervollen Tagen wieder von meinen Eltern dort (meinem wahren Zuhause) abgeholt wurde, musste ich natürlich weinen. Und dafür gab es dann richtig Sanktionen, da meine Mutter sich gekränkt fühlte und mein Vater in mir wieder die Schuld für ihr Leiden sah…
    Die Schläge hörten nach meinem 13. Geburtstag auf. Die sonstigen Bestrafungen wurden beibehalten. Vor allem Liebesentzug wurde als probates Mittel eingesetzt („Ich muss dich nicht immer lieben, nur weil ich deine Mutter bin… Meine Liebe ist nicht grenzenlos/unendlich!“ – O-Ton.). In der Pubertät begann ich vieles in Frage zu stellen, was dann als Undankbarkeit und bewusste Verletzung ihrer Gefühle ausgelegt wurde. Es wurde oft gestritten und geschrien. Ich zog mich immer mehr zurück und verbrachte viel Zeit bei Musik und meiner Fantasiewelt im Zimmer. Ich hatte einen kleinen, aber tollen Freundeskreis, die Schule fand ich schlichtweg überflüssig und -pardon- zum Kotzen. Ich distanzierte mich in dieser Zeit immer mehr von den Methoden meiner Mutter, nicht jedoch von ihr selbst.
    * Kurzer Break: Außer meiner Omi gab es auch durch meine Mutter viele schöne Erlebnisse: Geburtstage, Weihnachten, Urlaube, zärtliche Gesten und Liebesbekundungen, lange und tolle Gespräche… aber diese Augenblicke als Gegengewicht zu allem anderen zu nehmen, habe ich bewusst aufgegeben. Vielmehr betrachte ich diese Momente voller Liebe und Geborgenheit separat für sich und erfreue mich daran. Weniger essentiell, aber natürlich auch wichtig war, dass das Haus ausreichend sauber, wir immer gut genährt und gekleidet waren und unsere Eltern uns viel Materielles boten und dabei selber viel zurücksteckten.*
    Mit 18 verpasste sie mir nach einer vermeintlichen „Frechheit“ (ich stellte die schlechte Stimmung beim Abendessen mit einer flapsigen Bemerkung fest) die letzte Ohrfeige und drohte mir mal wieder mit Rausschmiss. Nur war ich nicht mehr 7 Jahre, als sie mir das erste Mal die Koffer packte und mich barfuß im Nachthemd vor die Tür stellte – ich war 18 und konnte selbst die Koffer packen. Und das tat ich. Sie war vollkommen schockiert und bat mich, nicht zu gehen. Aber es folgte die beste Entscheidung meines Lebens. Ich ging. Zuerst ein paar Tage zu einer Freundin, ein paar Monate später zog ich ganz aus. Die Schule hatte ich mit einem Ausbildungsvertrag endlich geschmissen und wollte Krankenschwester werden. Die Zeit im Wohnheim war mit die beste! In den kommenden Jahren genoss ich meine neue Unabhängigkeit und obwohl meine Eltern von sich nie zu Besuch kamen, besuchte ich sie regelmäßig und hielt engen Kontakt.
    Bis zu meinem 26. Lebensjahr zog ich häufig um und führte Beziehungen mit sehr fragwürdigen Männern. Labile, gebrochene, teils gewaltbereite Persönlichkeiten. Merken Sie was? 😉 Ich arbeitete wahnsinnig viel und liebte meinen Beruf, immer an den Grenzen der Belastbarkeit. Ständig kämpfte ich mit mir selbst, ja manchmal hasste ich mich regelrecht, verzweifelte an mir, stellte alles in Frage und wurde angetrieben von diesem Gefühl niemals gut genug zu sein, egal wie sehr ich mich anstrengte. Weder beruflich noch privat.
    Mein Bruder und ich hatten zwischendurch sogar einen liebevollen Kontakt aufgebaut, meine Schwester war nach wie vor meine große Liebe. Er wurde Elektroinstallateur und sie Lehrerin.
    Die wohl größte und damit großartigste Wende in meinem Leben kam 2008, vor fast genau 10 Jahren. Ich hatte mich von einem sehr kranken Mann mit Hang zum Alkohol und Gewalt getrennt. Diese Beziehung hatte mich unendlich viel Kraft gekostet, die Trennung kam gerade zum richtigen Zeitpunkt bevor es endgültig eskalierte (er wurde mir gegenüber handgreiflich). Viele Pläne wurden geschmiedet:
    Ich wollte gerade wieder einmal umziehen. Im Krankenhaus war ich für eine Leitungsposition geplant, für die alles in die Wege geleitet wurde. Ich hatte eine schöne neue Wohnung. Ich wollte keinen neuen Mann, Kinder sowieso niemals nie nicht. Weil wenn nur eines davon so „schwierig“ werden würde, wie ich es wohl war… Nein, Kinder wirklich nicht. Es ging also bergauf. Da lernte ich, als ich nach Umzugskartons fragen wollte, meinen Noch-Nachbarn kennen. Er half mir nicht nur mit Kartons aus, sondern auch beim Umzug. Und Sie ahnen vielleicht, worauf das alles hinaus laufen sollte…
    Mein neuer Vermieter erwies sich als totaler Soziopath, was mich nur wenige Monate später zu einem erneuten Umzug zwang. Mein Ex-Nachbar und Neu-Freund schlug vor, nach gerade mal 5 Monaten Beziehung zusammen zu ziehen. Unvernünftig? Egal. Ich war entschlossen. Und plötzlich schwanger o_O
    Damit hatte ich nicht gerechnet. Im Krankenhaus machte man mir schnell deutlich, dass dies das Ende meiner Karriere bedeutet. Meine Mutter freute sich sehr, als ich jedoch (aufgrund von Schock und Millionen Fragezeichen) weinte, warf sie mir vor, damit meinem ungeborenen Kind zu schaden (einer zu dem Zeitpunkt befruchteten Eizelle…mit weinen…ist klar). Bis heute bereue ich, es ihr vor meinem Partner erzählt zu haben. Dieser reagierte erstaunlich gelassen und meinte: „Wieso, wir stehen beide im Leben, wollten eh zusammenziehen, lieben uns – also worauf warten?“ Damit hatte er die ganze Last von mir genommen…
    Die Monate während Schwangerschaft kamen so unendlich viele vergrabene Emotionen hoch, die ich nicht einsortieren konnte. Mir wurde klar, dass ich mich mit diesen Gefühlen und Erinnerungen offen, reflektiert und effektiv auseinander setzen muss, damit ich Mutter werden konnte. Also begann ich, während der Aufarbeitung meinem damaligen Freund, heute Ehemann alles zu erzählen. Dieser war vollkommen schockiert, hatte er meine Mutter doch anders kennengelernt. Wobei auch ihm immer wieder auffiel, welch massiven Druck sie auf mich ausübte und wie angespannt ich vor Besuchen war. Vor allem Familienfeste setzten eine Dynamik frei, während der alte Rollenmodelle wieder besetzt wurden. Mein Vater als Patriarch, der alle kritischen Themen vom Tisch hielt, weil er „Harmonie“ verlangt, meine Mutter die keinen Zweifel daran ließ, dass unsere Geschichten zwar ok, ihre jedoch Vorrang hatten und deshalb auch kein aufrichtiges Interesse zeigte. Und die 3 (eigentlich) erwachsenen Kinder, die alle lieber woanders wären, aber dennoch verzweifelt in Konkurrenz zueinander um die Aufmerksamkeit der Eltern kämpften. Und diese das wirklich als „schönes“ Beisammensein empfanden.
    Die Geburt unseres ersten Sohnes 2009 stellte alles auf den Kopf. Er war das Schönste, was ich jemals gesehen habe! Bis heute fasziniert er mich, so viel Freude, Fantasie, Lachen und Licht ist seitdem bei uns eingezogen. Er ist ein kleines Bißschen Wir – und noch viel mehr er selbst. So vernünftig, fleißig und beliebt, so selbstbewusst und mit hohem Gerechtigkeitsempfinden. Erziehung? Habe ich nach 2 Jahren komplett aufgegeben. Liebe, Respekt, Wertschätzung, Sicherheit und logische Konsequenzen (also für das Kind nachvollziehbare) sowie eine liebevolle Begleitung und ausgeglichene Eltern. Ein sehr langer und verdammt schwerer Weg, aber ich wollte ihn gehen. Für dieses Zauberwesen…♡
    Vollkommen überwältigt von dieser bedingungs- sowie grenzenlosen Liebe begann ich bereits bald nach der Geburt noch mehr Fragen zu stellen. Der Kontakt zu meinem Bruder brach zwischenzeitlich ab, da dieser das Bild der großen bösen Schwester von mir nicht loswerden konnte und nicht in Einklang mit dem tatsächlichen einer liebenden Mutter brachte. Zudem ist er meinen Eltern bedingungslos und loyal ergeben.

    Mein Mann sah die Verzweiflung und Hilflosigkeit bei mir während des Prozesses der aktiven Aufarbeitung und wusste manchmal auch nicht weiter. In der Zeit distanzierte ich mich immer mehr von meiner Mutter. Ich wollte endlich heilen. Sie hielt sich zwar zurück, ich suchte dennoch den ersten Dialog. Und musste feststellen, dass sie absolut nicht bereit war, sich damit auseinander zu setzen. Schnell gab sie den Umständen (Finanzen, fehlende Unterstützung, Überforderung) oder auch mir die Schuld. Auf der einen Seite sagte sie, wie grausam es sei, Kindern vor allem ins Gesicht zu schlagen (sie nannte es sogar „Zentrum des Empfindens“!). Ohne jedoch sich selbst eine Schuld einzugestehen. Im nächsten Moment sagte sie dann doch tatsächlich, dass ich meine Kinder sicher auch irgendwann schlagen würde. Ich war fassungslos über die gravierende Ambivalenz ihrer Aussagen.

    Meine Eltern erwarteten einerseits die Servierung ihrer Enkelkinder auf dem Silbertablett. Schnell zeigten sie jedoch, dass es auch nicht „zu viel“ sein muss. Mehrfach betonten sie, schließlich 3 Kinder groß gezogen zu haben und auch immer noch arbeiten zu müssen. Auch der Eintritt in die Pension meines Vaters änderte daran nicht viel. Zog ich mich zurück wurde mir jedoch schnell vorgeworfen, das Kind/die Kinder vorzuenthalten.
    Dabei hielt ich IMMER die Türen offen. Signalisierte stets, dass wenn sie an unserem Leben teilhaben möchten die JEDERZEIT tun dürfen. Doch das mangelnde Interesse war es nicht allein. Beide hatten und haben dieses Bild von mir, dass es nie gab und nach wie vor nicht gibt oder geben wird. Und pressen mich notfalls mit Druck dort hinein. Ich ertrug das immer weniger. Erfand Ausreden für Feiern und Geburtstage, wollte meine eigenen Werte und Traditionen.
    2013 starb meine geliebte Omi. Sie durfte sehr würdevoll gehen und ich konnte ihr vorher noch alles sagen. Wie sehr ich sie liebe. Und dass ich auch dank ihr meine Kinder niemals schlagen werde. Sie selbst als Mutter der 50er Jahre hat keines ihrer 3 Kinder je geschlagen. Sie hat sich aufgrund ihrer eigenen Geschichte bewusst dagegen entschieden. Und das zu einer Zeit, wo es die Prügelstrafe an den Schulen gab und eine „ordentliche Tracht Prügel“ der eigenen Kinder zum guten Ton gehörte. Sie ist bis heute für mich das Sinnbild für den sigifikanten Unterschied zwischen Härte und Stärke: Sie war eine starke Frau. Sie fehlt mir jeden Tag und ich bin voller Dankbarkeit.
    Im selben Jahr, wenige Wochen später, wurde unser zweiter Sohn geboren. Und wie auch sein Bruder zuvor brachte er wieder einen großartigen Perspektivwechsel: Wie wir vor 2 Jahren erfuhren, lebt dieses kleine Zauberwesen im Autismusspektrum. Er ist das lustigste, fröhlichste, im besten Sinne verrückteste Kind der Welt! Hier ist nie Ruhe, ein buntes Chaos in meine zwanghafte Ordnung mit 1000 sprudelnden Ideen. Wir lachen, wir weinen, wir leben dank ihm noch intensiver. Natürlich bedeutet Leben in diesem Spektrum auch mal Seitenhiebe auszuhalten. Jedoch nur von Fremden, Unwissenden, Ignoranten. Das ist aber wirklich sehr selten und ich kann dem stark und selbstbewusst begegnen.
    Sein großer Bruder liebt und beschützt ihn, voller Geduld und Verständnis. Die beiden sind eine Einheit. Mein Mann ist der beste Papa, so viel Ruhe, Zeit und Liebe, die er investiert in seine Jungs. Ich liebe ihn sehr! Wir haben einen großen Freundeskreis, gemischt wie Haribo Colorado. Wir lernen immer neue spannende Leute kennen und sind viel unterwegs. Ich laufe seit fast 3 Jahren zum Ausgleich und achte auf meine Gesundheit. Mein neuer Job in einem kleinen ambulanten Pflegeteam macht mir viel Spaß. Vor Kurzem erhielt ich mein Zertifikat zur Pallitive Care und mache bald noch eines zur Pain Nurse (Fachschwester für Palliative Medizin sowie Bereich Schmerztherapie). Ich lache viel und freue mich auf jeden Tag. Kurzum: Ich lebe einen Traum, den ich nie hatte und doch immer wollte ohne es zu wissen…

    Während all dieser Jahre der Aufarbeitung und schmerzhaften Erkenntnisse brauchte ich zunehmend Abstand, vor allem zu meiner Mutter. Sie strafte mich dafür mit Desinteresse, Liebesnentzug und Vorwürfen. Mein Vater stellte sich weiter schützend vor sie. Wobei ich auch seine Zerissenheit erkannte. Er wollte schon ein aktiver Opa sein. Doch „seine Frau“, wie er meine Mutter mir gegenüber gerne nett, hatte immer Vorrang. Einmal tatsächlich gelang es mir, zu beiden durchzudringen. Dachte ich. Ich erzählte nach einem Streit offen von meinen Erlebnissen und Erinnerungen, beide signalisierten mir, wir könnten es zusammen aufarbeiten
    Doch tatsächlich erwarteten beide stattdessen, ich solle das Ganze endlich abschließen, einfach einen „Strich“ darunter setzen und endlich verzeihen. Verzeihen konnte ich beiden wirklich. Allerdings nur ihre Gefühle für mich. Ich glaube, sie können mich einfach nicht mehr lieben, als sie es nunmal tun. Aufgrund ihrer eigenen unverarbeiteten Biographie. Und ich glaube auch, dass sie mir die besten Eltern waren, die sie mir sein konnten. Ihre Art mich zu lieben, bzw. diese Liebe zu zeigen entspricht nunmal nicht meinen eigenen erlebten Muttergefühlen und Vorstellungen des Elternseins. Damit habe ich abgeschlossen. Jedoch niemals verzeihen kann ich ihre Handlungen, vor allem die meiner Mutter. Denn im Gegensatz zu mir, war die zu allen Zeitpunkten eine erwachsene, in meinen Kinder- und Jugendjahren mir physisch sowie psychisch überlegende Frau, der ich größtenteils schutzlos ausgeliefert war. Sie hatte, auch wenn sie das anders sieht, immer die Wahl. Ich nicht.

    Vor ein paar Tagen also eskalierte die Situation. Meine Distanzierung stieß zunehmend auf Unverständnis, der Druck wurde seitens meiner Eltern erhöht. Der Ball läge auf meiner Seite, ich solle die Situation auflösen, da meine Mutter so sehr darunter leidet. Als ich ihr jedoch aus jüngerer Vergangenheit ein mich verletztendes Beispiel gab, drehte sie mir wieder alles im Mund um und warf mir gleichzeitig vor, eben genau dies bei ihr ständig zu tun. Sie sei verzweifelt, sich keiner Schuld bewusst und wolle doch so gerne mehr Kontakt, vor allem zu den Enkeln. Für die sie nebenbei bemerkt trotz vieler Angebote unsererseits nie viel Aufmerksamkeit aufbringen konnte. Da begriff ich endgültig, dass wir so niemals zueinander finden. Ohne Augenhöhe, ohne Selbstreflektion, jedoch mit ständigen Vorwürfen und Missverstehen. Mit diesem so falschen Bild von mir. Und vor allem ohne sich wach und bewusst mit dem Erlebten (schmerzhaft) auseinander setzen zu wollen – oder zu können. Also fiel (es war eines unserer ergebnislosen Telefonate) von meiner Seite der Begriff „Kontaktabbruch“. Nur wollte ich damit nicht aussagen, dass ich mit allen Konsequenzen über einen solchen drastischen Schritt gerade entschied. Vielmehr wollte ich verdeutlichen, einen Abstand zu benötigen, um zu gesunden. Meine Mutter hielt sich jedoch an dieser von mir geäußerten Begrifflichkeit fest und ließ keinerlei weitere Erklärung zu. Auch war es ihr immens und spürbar wichtig, das Gespräch von sich aus zu beenden. Alte Rollen. Kontrolle. Druck. Macht.
    Ich überließ ihr das. Ohne ihr dabei Macht über mich zu geben. Am nächsten Tag also das eingangs geschilderte Telefonat mit meinem Vater. Der ohne mein Wissen das Telefonat mit meiner Mutter mitgehört hatte und somit keine Missverständnisse gelten lassen wollte. Schließlich habe er alles gehört. Ja. Nur leider genau wie meine Mutter nicht Zugehört.
    Zu meinem Bruder hatte ich zwischenzeitlich wieder versucht Kontakt herzustellen. Nachdem dieser jedoch wie ein losgelassener Pitbull nach den jüngsten Ereignissen um sich biss (in Form einer 17! minütigen Sprachnachricht, die ich jedoch ohne sie abzuhören direkt löschte und ihm dies auch mitteilte) ist dies wohl endgültig hin. Zu sehr ist er emotional in den alten Strukturen gefangen, auch durch die permante räumliche Nähe zu beiden.
    Auch versuchte er, meine Schwester und ihren Mann „ins Boot zu holen“, zu denen wir mit ihren beiden Kindern ein sehr inniges und enges Verhältnis pflegen. Das tat mir sehr leid, halte ich meine Schwester doch bereits seit Jahren ganz bewusst aus allem raus, was Eltern und Bruder betrifft. Um sie nicht in ihre alte Rolle der unfreiwilligen Vermittlerin zu pressen. Sie versicherte mir jedoch, dass das alles zwischen uns nichts ändern wird. Ich hoffe um ihretwillen, sie schafft es auch sich zu befreien.
    Natürlich habe ich viel getrauert. Und geredet, mit Mann und Freunden. Aber ehrlich gesagt bereite ich mich seit Jahren auf diese Eskalation vor. Es war dennoch ein kurzer Schock. Mit diesem Beitrag jedoch beende ich dieses Kapitel. Ich bin aufgeregt und erleichtert zugleich. Dabei bleibt meine Tür weiterhin einen Spalt weit offen. Auch wenn der Schritt von Seiten eines, in dem Fall meines Vaters natürlich vollkommen überzogen und unverhältnismäßig ist. Wohl aus der Verzweiflung geboren. Er hebt mich auf eine nicht vorhandene Ebene, nämlich die eines Kindes, das etwas so Grausames getan hat, was den Vater zu so einem drastischen Schritt zwingt. Fällt Ihnen etwas ein, was Ihr Kind tun könnte, damit Sie so handeln? Nein? Mir auch nicht. Aber das ist seine Wahrnehmung, ohne tatsächliche Rechtfertigung, sondern als letztes Mittel zum Druck ausüben. Damit ich mich so verhalte, wie „seine Frau“ und damit auch er es brauchen. Doch damit ist Schluss.

    Liebsten Dank allen, die sich die Zeit genommen haben. Und liebsten Dank auch für diesen Artikel, der mich Wort für Wort sehr bewegt hat. Unter anderem den Mut, die Kraft und die Zeit aufzubringen, meine Geschichte aufzuschreiben und zu teilen. Vielleicht ist dies eine Inspiration für weitere Ruhelose. Ich komme nun zur Ruhe. Und bin frei. Egal, was noch kommt. Danke.

    • Liebe Kardia,
      wow, was für eine Geschichte, was für eine wundervolle `Ent-wicklung´ aus diesen alten Strukturen und so viel Kraft und Liebe…
      Schön dass du deine Lebensgeschichte – für mich eine wahre Erfolgsgeschichte – mitgeteilt hast.
      Danke <3 und weiter alles Liebe …

  22. Lieber Herr Rogsch!

    Bitte entschuldigen Sie die Rechtschreibfehler und fehlenden Absätze… Ich habe alles über Stunden auf dem Smartphone geschrieben und nun schiele ich 😉 Hoffentlich kommen Sie trotzdem gut durch den Text. Vielleicht möchten Sie Fehler, dir Ihnen auffallen noch berichtigen, z.B. sigifikant=signifikant. Ist aber auch nicht nötig, ich glaub man versteht mich auch so. Oder auch nicht:-)

    Liebste Grüße

  23. Es sind wieder einige Kommentare dazu gekommen und für diese bedanke ich mich herzlichst bei jedem Einzelnen. Ob eine Rückmeldung und ein Dankeschön für meinen Artikel und/oder das sich zeigen mit einem Teil ihrer Geschichte, ihres Erlebens, ob eine Antwort auf eine Kommentar, über alles freue ich mich sehr.

    Ich wünsche jedem eine heilsame, gute, gesunde und lustvolle Zeit, befreit von Eltern, die es nicht schaffen, sich ihnen gegenüber wohlgesinnt, herzlichst, respektvoll und liebevoll zu verhalten.

    Liebe Grüße
    Norbert

  24. Ganz toller Artikel!
    Ich habe mit 17 den Kontakt abgebrochen zu meinen Eltern und es ist genau so gekommen, wie in dem Artikel geschrieben!
    9 Jahre später und durch zusätzliche familiäre Umstände, fanden wir wieder zueinander und haben ein besseres Verhältnis, offener und liebevoller!
    Der Schritt war damals hart für mich, aber verstanden haben sie es glaube ich nie, weil sie sich als Opfer fühlten und ich das böse Kind!
    Ich bereue nix!
    Es gibt viele Menschen, die das Thema nicht verstehen, die sind genauso ignorant.

  25. Ein Artikel, der mir aus der Seele spricht. Vielen Dank für diesen Blog, lieber Norbert! Auch ich habe den Kontakt zu meinen Eltern vor einigen Jahren abgebrochen. Ich hatte schon immer ein schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter, für die ein Kind einzig dazu da ist, es nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu formen. Außerdem sollte ich laut Aussage meiner Oma nur die kaputte Ehe retten. Ich habe eine 15 Jahre ältere Schwester, die ein „Unfall“ und ungewollt war. Mein Vater wollte keine weiteren Kinder und hat mir auch immer wieder gesagt, dass ich von seiner Seite ungewünscht war und meine Mutter ihm mich „aufgedrückt“ hatte. Zu meinem Vater hatte ich als Kind trotzdem ein enges Verhältnis. Aber wie mir heute klar ist, nur bis zu dem Zeitpunkt, als ich aufhörte, ihn unhinterfragt anzuhimmeln. Auch er wurde von meiner Mutter bevormundet, respektlos behandelt und beklagte sich bei mir seit meiner frühesten Kindheit immer wieder darüber – mit dem Nachsatz, es aber ja nicht meiner Mutter zu erzählen. Wenn sie das Gespräch belauscht hatte und ihn beschimpfte, war für ihn klar, dass ich natürlich was erzählt haben musste…. Es war eine schreckliche Situation und wie mir eine Psychologin erklärte, lag hier ein emotionaler Missbrauch vor. Trotzdem hänge ich immer noch an meinem Vater, der als Kind im 2. Weltkrieg seinen Vater verlor, fortan für Mutter und Schwester sorgen musste und dadurch selbst ein Trauma davon trug. (siehe auch aktuelle Kriegskinder / Kriegsenkel Debatte) Wegen ihm bin ich immer wieder zu (Tages-) Besuchen zu meinen Eltern gefahren, obwohl es mir damit immer schlechter ging, ohne dass ich gewusst habe, warum. Zum Kontaktabbruch kam es durch meinen Kardiologen, der keine organische Ursachen für meine immer schwerwiegenderen Herzprobleme und den hohen Blutdruck (bin sehr schlank, jogge regelmäßig…) finden konnte. Ein Hauptrolle spielt hier auch meine ältere Schwester, die wider besseres Wissen mit in das Haus meiner Eltern gezogen ist, erwartertermaßen von meinen Eltern terrorisiert wird und mich regelmäßig per Telefon beschimpfte, dass sie die „bösartigen Alten auf dem Hals hätte“, während ich die „feine Dame“ spiele. Auch sie klagte sich immer wieder aus mit der Ansage, „dass ich es aber ja nicht der Mutter erzählen soll“….ein schrecklicher Kreislauf. Solche Elternbesuche und Schwesterntelefonate endeten irgendwann immer häufiger mit schlimmen Herzproblemen bei meinem Kardiologen. Als deswegen eine OP im Raum stand und ich vor lauter Panik völlig neben mir, sagte mir der Arzt, dass er nichts anderes mehr wüsste, als den Kontaktabbruch. Ich solle mir klar machen, dass ich die Verantwortung für eine kleine Tochter habe, die mich braucht und die ich ja wohl nicht zur Halbwaise machen wolle, nur um die „heile Familienfassade der Eltern, die mich krank gemacht haben“ aufrecht zu erhalten. Die hinzugezogenen Psychologen diagnostizierten eine Traumafolgestörung, wegen der ich mit Panikattacken auf bestimmte Situationen reagiere. Ich sehe heute, dass der Abbruch richtig war. Die gesundheitlichen Probleme sind gravierend besser geworden. Aber trotzdem komme ich mit der Situation bis heute nicht klar. Die Aussicht, dass mein Vater, der sehr alt ist, bald sterben könnte und ich ihn nie wieder sehe, ist schrecklich. Aber sobald ich mich nur auf der Autobahn Richtung Geburtsstadt befinde, bekomme ich im Auto Panikattacken, die sich anfühlen, wie ein Herzinfarkt. Mein Mann und ich haben meinen Vater letztes Jahr im Krankenhaus besucht. Die einzige Chance, ihn alleine zu sehen. Allerdings endete dieser Besuch für mich wieder in der Kardiologie, obwohl vorher lange Zeit alles so gut war (bis auf meine psychische Befindlichkeit)
    Es gibt inzwischen unzählige Gruppen für verlassene Eltern, denen wie Norbert es richtig festgestellt hat, immer „die arme-Opferrolle“ von der Gesellschaft zugestanden wird. Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen – körperlich und/oder emotional (bewusst oder unbewusst) misshandelnde Eltern haben ihre eigene Geschichte, die sie zu den Eltern gemacht hat, die sie geworden sind. Aber das Leiden der verlassenden Kinder und deren Gewissenskonflikte werden nicht gesehen. Ich habe bisher auch noch keine Gruppe entdeckt, wo sich Kinder organisieren, die den Kontakt abgebrochen haben….Ich weiß auch nicht, ob mir eine solche Gruppe helfen würde, oder wie meine Psychologen meinte, das Problem nur verschlimmern. Ich weiß nur, dass ich nie wieder zurück in die Situation will, in der ich vor dem Kontaktabbruch war. Denn würde ich, mal abgesehen von den Panikattacken, die jede Fahrt in die Herkunftsstadt unmöglich machen, wieder Kontakt aufnehmen, würde alles so weiter gehen, wie vor dem Abbruch. Ich bin Norbert sehr dankbar für diesen Blog und die Möglichkeit für den Austausch. Liebe Grüße und vielen Dank!

  26. Daß dieses Thema hier besprochen und diskutiert wird gibt mir Kraft und ich fühle mich nicht mehr so alleine , wie sonst fast immer, wenn ich versuche, mit meinen Mitmenschen über meine Gefühle bzgl. meiner Eltern zu sprechen. Mir wird meist nicht geglaubt, daß „so etwas “ passiert ist, sprich: daß Eltern ihr eigenes Kind psychisch wie den letzten Dreck behandeln. Die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens (jetzt bin ich 53 Jahre alt) hatte ich keinen Kontakt zu meinen Eltern. Zweimal hatte ich es nochmal versucht, mit demselben desillusionierenden Ergebnis und dann 11 Jahre am Stück keinen Kontakt gehabt. Von der Familie moralisch unter Druck gesetzt (Vater so krank etc.), konnte ich mich innerlich nicht gegen meinen eigenen Zensor oder wie ich es nennen soll, wehren und nahm vor 4 Jahren wieder Kontakt auf. Doch ich muß nun sagen, ich hätte es besser gelassen.Es ist zuviel passiert. Im Kontakt zu sein und mit ihren Ansprüchen konfrontiert zu werden verursacht sehr viel Unruhe und Ambivalenzen in mir. Mir ist klargeworden und das fühle ich ganz deutlich, daß eine sehr starke Seite in mir einfach gar nichts mehr hören möchte von dort. Ich möchte mich einfach nur noch um mein eigenes Leben kümmern, das ich mir mühsam und ohne jegliche familiäre Unterstützung aufgebaut habe. Dazu auch zu stehen und entsprechend zu handeln , daran arbeite ich gerade. Vielen Dank für diese Seite!

  27. Hallo Norbert,

    Ich bin das 1. mal auf einen Artikel gestossen, der 100 % mein Erlebtes widergibt! Ich danke Dir dafür….
    Auch ich bin ein Kind, das zu meinen Eltern den Kontakt vor über 4 Jahren abgebrochen hat, aus überwiegend negativen Gründen:
    Vater Narzisst und Alkoholiker, Mutter co-abhängig, depressiv, jetzt schwerst psychisch krank, Schläge, Unterdrückung, Beleidigungen, starkes Mobbing in der Schule, ich war der Sündenbock- -meine Schwester das hochgelobte Kind, selbst von Oma und Onkel zu Geburtstagen IMMER nur eine Kleinigkeit bekommen- Schwester wurde überschüttet!!!
    Bis heute werde „ich“ nicht gesehen : (
    Vor 4 Jahren habe ich mich endlich meiner Vergangenheit gestellt und angefangen zu „verstehen „, denn für alles gab ich immer nur mir selbst die Schuld… aber ein Kind ist IMMER unschuldig…
    Vor kurzem hatten sie mich kontaktiert, da meine Mutter psychisch am Boden war und alle dachten, sie sollte ihre beiden Enkelkinder sehen und dann würde es ihr besser gehen, der Unterschied ist der, dass ich meine Kinder BESCHÜTZE!!! Es ging wie immer nur um diese Egoisten…es ging NIE um mich/meine Familie…danach wieder Vorwürfe 🙁
    Es wird keinen Kontakt mehr geben, das weiss ich heute, ohne weitere Hoffnungen zu haben.
    Ich kann heute sagen, dass ich eine sehr glückliche Ehefrau und Mutter bin, die ihren Kindern zuhört und sie mit viel Liebe grosszieht….
    An alle Betroffenen viel Kraft und Liebe für die Zukunft–alles ist jederzeit möglich !!!!!

  28. Dieser Artikel bringt so einiges auf den Punkt !

    Aktuell haben wir genau diese Situation zwischen meinem Mann und seinen Eltern.
    Vor einiger Zeit hatte ich diese Sitauion zwischen meiner Mutter und mir.

    Ich habe all das also bereits hinter mir, wo mein Mann aktuell durch geht.

    Meine Mutter konnte nie wirklich Liebe und Nähe zulassen geschweige denn geben. Schon im Kleinkindalter fühlte ich Mitleid und Verantwortung für sie.
    Nach und nach hat sich herausgestellt, dass sie eine sehr betrügerische Ader hat, Menschen belügt, manipuliert, beklaut und betrügt. Auch mich und meine Schwestern.
    Es gab 8 Jahre keinen Kontakt nachdem sie meine Schwester und mich massiv vernachlässigte – da war ich 15 und meine Schwester 18. Ich kam ins Heim für knapp 2 Jahre. Das war meine Rettung!

    Nach 8 Jahren gab es dann einen Kontaktversuch ihrerseits, ich ging darauf ein. Ich hatte Hoffnung, dass wir ein einigermaßen „normales“ Mutter-Tochter-Verhältnis aufbauen können. Stattdessen war ich sofort wieder in der Rolle der Mutter. Versuchte sie aufzubauen, sie in die richtigen Bahnen zu lenken, lieh Geld usw. Es war Jahre lang ein on-off das sehr Kräfte zehrend war.
    Schließlich konnte ich ihre betrügerische und berechnende Art nicht mehr ertragen und wollte schon gar nicht mehr davon betroffen sein.

    Nie hat sie einen Job verloren, weil sie kein Durchhaltevermögen hat. Nein! Es war immer der Arbeitgeber schuld!
    Wenn das Geld knapp wurde, präsentierte sie plötzlich einen neuen Partner nach dem anderen. Bis endlich einer zustimmte, dass sie sich bei ihm einnisten und sich von ihm aushalten lassen konnte.
    Und wenn diese Beziehung wie durch ein Wunder nicht klappte, dann wurde versucht so viel wie möglich aus dem Hausstand des Mannes zu Geld zu machen. Oder man ging einfach doch wieder zurück, weil das Amt nicht sofort eine Wohnung und den Lebensunterhalt auf dem goldenen Tablett servierte.

    Sie manipulierte mich bis aufs Letzte. Hielt mich warm für Situationen, in denen ihre Mitmenschen sie nicht mehr ertragen konnten oder wollten. Oder sich selbst einfach nicht mehr verarschen lassen wollten.

    Aufgrund einer Krankheit an der Bandscheibe schlug sie Alarm, evtl würde sie zum Pflegefall! Und dann wäre ja ganz klar, dass sie dann in unsere Nähe zieht, damit wir sie pflegen!

    Ich hatte irgendwann in jeder Sekunde das Gefühl, dass es gleich bei uns Zuhause klingelt und sie mit einem Koffer vor der Tür steht und sagt:“Hier bin ich! Ihr müsst mich jetzt aufnehmen!“
    Klar, ich hätte definitiv NEIN gesagt!
    Aber ich wollte es gar nicht erst soweit kommen lassen.

    Und wenn man so sehr an der „Beziehung“ zu einem Menschen verzweifelt, dass man sich irgendwann einfach nur wünscht, dass diese Person tot ist, dann sollte man aller spätestens die Reißleine ziehen!

    Ich bin quasi froh, dass ich das alles bereits durchlebt habe und nun aktuell meinem Mann dadurch helfen kann. Alles ist ja irgendwann für etwas gut.

    Und außerdem ist meine Mutter (mal abgesehen von meinen Schwiegereltern) das absolute Negativbeispiel! Ich weiß, dass ich es bei meinen eigenen Kindern besser machen werde!!!
    Und ich weiß auch, dass ich sowie mein Mann, zum Zeitpunkt der Familiengründung all diese Dinge verarbeitet und zu uns selbst gefunden haben werden.

  29. Hallo Norbert, hallo liebe Mitleser!
    Vor einem Monat war es soweit, ich habe den Kontakt zu meinem Vater, meine Mutter lebt nicht mehr, abgebrochen. Dies war ein Schritt, den ich vorher nie für möglich gehalten habe. Ich bin aufgewachsen mit der Gewissheit, meinen Eltern gegenüber eine Verpflichtung erfüllen zu müssen.
    Es gab eine letzte Eskalation, nachdem mein Vater mich auf meiner Arbeitsstelle bereits zum zweiten Mal in Verlegenheit brachte, so dass ich mich vor unseren Kunden, meinen Kollegen und letztlich auch vor meinem Arbeitgeber schämen musste. Meine Arbeitsstelle ist ein kleines Unternehmen mit Kundenverkehr, das meinem Vater früher einmal gehörte, dann aber an meinen jetzigen Arbeitgeber verkauft wurde. Da ich die leidvolle Erfahrung gemacht habe, dass ein falsch formulierter Satz zu einem Drama führt, entschied ich mich, eine vorsichtige Bitte zu formulieren, er möge dies doch künftig unterlassen, da ich meine Arbeit behalten möchte. Aber es hat nichts gebracht, die Situation endete wieder in einem Desaster. Er fühlte sich angegriffen und kritisiert und wollte nicht verstehen, was er angerichtet hat. Es ging schließlich so weit, dass mein Vater mich bei zwei folgenden Familientreffen wie Luft behandelte, so, als wäre ich nicht im Raum. Er wartet sicher darauf, dass ich demütig angekrochen komme, wie es so oft in meinem Leben der Fall war, obwohl es an ihm gewesen wäre, den ersten Schritt zu tun. Ich bin nun seiner Meinung nach in der Bringschuld. Aber um die Gesundheit meiner Seele zu bewahren musste handeln. Vor wenigen Jahren litt ich an Depressionen, mein Vater hat eine sehr große Aktie daran, was auch mein Arzt bestätigte. Das möchte ich nicht noch einmal erleben! Ich stieß schließlich auf diese Seite, erfuhr von Schicksalen, die meinem ähneln, und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich etwas ändern kann. Ich war eine Woche im Urlaub, dachte bei langen Wanderungen viel nach, und plötzlich war alles so klar. Ich muss den Kontakt abbrechen!
    Ich habe seit Jahren jede Woche bei meinem Vater geputzt, ihm immer geholfen, ob es nun auf dem Friedhof, im Garten oder sonst wo war, und ich habe ihm jede Woche Gesellschaft geleistet, manchmal alleine, manchmal mit Familie. Diese Abende waren meist geprägt von Frust, Selbstmitleid, negativer Stimmung. Mein Vater hat zwar eine Herzerkrankung, aber er kann sich bewegen, mit dem Auto fahren, seinen Einkauf erledigen, im Garten arbeiten, den Hund meiner Schwester ausführen, sein Essen zubereiten, im Internet surfen…. Doch statt sich das Leben so schön wie möglich zu machen, jetzt, wo er im Ruhestand ist, sucht er nach Negativem, nach Fehlern, die sein Nachfolger macht, nach dem Haar in der Suppe. Versucht man, etwas Positives zu erzählen, hört er, wenn überhaupt, nur zwei Sätze lang zu, schaltet ab, wechselt das Thema, schaut genervt oder verlässt den Raum.

    Mein Vater hat in all den Jahren nicht ein einziges Mal „Danke!“ gesagt oder mit anderen Worten seine Freude oder ein Minimum an Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht, dass ich für ihn (und früher für meine kranke Mutter) da war. Es war alles immer selbstverständlich, meine „verdammte Pflicht und Schuldigkeit“. Und das ist seit meiner frühesten Kindheit so. Nur wenn ich immer noch mehr Leistung (als andere) brachte, wurde ich überhaupt wahrgenommen. Als Kind, als Mensch wurde ich nie gesehen, meine Bedürfnisse ignoriert. Ich sehe heute noch traurig zu, wenn meine Kollegin Besuch von ihrem Vater bekommt, wie sehr Beide plötzlich strahlen und sich anlächeln.
    Doch von vorne:
    Mein Leben war bestimmt durch die Krankheit meiner Mutter. Sie erkrankte an Multipler Sklerose als ich neun Jahre alt war, meine Schwester war vier und wuchs größtenteils bei den Großeltern väterlicherseits auf, die sie sehr liebten. Für mich hatten sie leider nicht viel übrig. Meine Mutter wurde sehr schnell pflegebedürftig. Schon früh musste ich viel Verantwortung übernehmen, zu viel für ein Kind. Ich habe oft gehört, wie Menschen meinen Vater bewunderten, weil er seine Frau zu Hause pflegt und nicht in ein Heim gegeben hat, und das als selbstständiger Geschäftsmann in eigenem Unternehmen! Das ist zweifellos eine große Leistung, keine Frage. Aber wir Kinder? Danach wurde nie gefragt und unsere Leistung nicht gesehen. Mit 11 Jahren habe ich die meisten Pflichten im Haushalt (Fenster putzen, Wischen, Wäsche waschen und bügeln, Kochen und Backen uvm.) beherrscht und auch ausgeführt, meine Mutter konnte da schon nicht mehr laufen. Später musste ich sie auch heben, auf die Toilette, aus dem Rollstuhl, aus dem Bett… Heute habe ich schwere Skoliose. (Keine Frage, meinen Anteil bei der Pflege meiner Mutter, so schwer sie auch war, habe ich gern geleistet. Da habe ich ein ganz ruhiges Gewissen. Und ich würde es wieder tun. Jedoch möchte ich, dass auch meine Leistung gesehen wird.)

    In der Schule musste auch alles laufen. Selbst wenn ich eine Eins nach Hause brachte (Ich war eine sehr gute Schülerin!), aber nicht die volle Punktzahl erreicht hatte, gab es eine Rüge. Den Satz: „Was hat du denn da wieder falsch gemacht?“ habe ich sehr oft gehört. Es war einfach nie genug, egal was ich tat. Ein Lob habe ich nur ganz ganz selten gehört. Sicher, es gab auch gute Dinge. Ich hatte immer Nahrung und Kleidung. Später hat uns mein Vater beim Hausbau auch finanziell unterstützt (und damit moralisch noch mehr abhängig gemacht), den größten Teil haben wir aber selbst finanziert. Und wo steht das Haus? Natürlich auf dem Nachbargrundstück! Somit waren wir stets verfügbar und unter Beobachtung und Bewertung. Für die Geld- Zuwendungen werde ich immer dankbar sein, weil wir ein schönes Zuhause haben. Daraus aber die Berechtigung abzuleiten, dass man sein Kind von oben herab oder schlecht behandeln darf, dass es stets verfügbar sein muss, wenn es etwas zu tun gibt, ist nicht richtig.

    Meine Schwester und ich wurden als Konkurrenten, Konkurrenten um die Gunst meiner Eltern, nicht als Geschwister, erzogen. Der einen wurde immer mitgeteilt, was die jeweils andere gerade besser gemacht hat. Das hat das Verhältnis zu meiner Schwester nachhaltig zerstört. Trotzdem ist sie bis heute die Lieblingstochter. Mein Vater gab ihr stets den Vorzug. Früher hat mich das sehr verletzt. Heute ist es mir egal.
    Ich könnte hier noch so viel berichten, dass es kaum zu glauben ist. Von Schlägen, von Demütigungen, von seelischer und moralischer Abhängigkeit. Ich hatte keine schöne Kindheit! Punkt! Sie war vorbei, als meine geliebte Oma (mütterlicherseits) sich wegen eines Mannes das Leben nahm, als ich zehn Jahre alt war und ein Jahr später meine Uroma starb, die den Tod ihrer Tochter nicht verkraftete. Als beide noch lebten, das war die einzige Zeit meiner Kindheit, in der ich mich geliebt und erwünscht gefühlt habe, nicht nur als funktionierende Arbeitskraft.
    Ich habe mich immer nach einem liebenden Menschen gesehnt, wurde zu früh schwanger von einem Mann, der mich nicht liebte. Ich war damals Student, das erste Mal von zu Hause weg. Da haben mich meine Eltern vor die Tür gesetzt, in einer Situation, wo man eigentlich jede Hilfe und ihre Liebe braucht. Erst als das Gerede der Leute zu groß wurde, holten sie mich zurück, mit der klaren Ansage, dass ich zu machen habe, was mir gesagt wird. Meinen Sohn hat sich mein Vater zum ersten Mal angesehen, als ich mit ihm schon fast zwei Wochen zu Hause war.
    Zum Glück traf ich meinen lieben Mann, als mein Sohn 2 ½ Jahre alt war. Mit ihm bin ich schon seit über 27 Jahren sehr glücklich verheiratet, meinen Sohn hat er akzeptiert wie sein eigenes Kind. Er hat in all den Jahren alles mit ertragen. Er hat mich nie gedrängt, eine Entscheidung gegen meine Eltern/ meinen Vater zu treffen, auch wenn er es sich insgeheim vielleicht gewünscht hat, da er auch wusste, wie hörig ich war und dass es mein Gewissen nie erlaubt hätte. Und doch haben wir uns auch gestritten, gerade wegen des Verhaltens meines Vaters.

    Ein großer Fehler meinerseits folgte, als ich, nachdem ich mein Lehrer- Studium abgeschlossen hatte, keine Anstellung in der Schule fand. Es war in der Zeit der Wende und Lehrer hatten Einstellungs- Stopp. Ich probierte Alternativen, die mir aber kein Glück brachten. Und dann machte ich eine weitere Fachschul- Ausbildung, um dann, ja, ihr ahnt es, im Geschäft meines Vaters zu arbeiten. Hier wurde mir von ihm auch gesagt, wie dankbar ich sein könne, dass ich aufgenommen wurde. Dabei war mein Vater ebenso Nutznießer dieser Situation, weil ich nicht nur meinen Job gut machte, von den Kunden und Kollegen gemocht wurde (und werde), sondern auch unliebsame Aufgaben übernahm, die eigentlich seine gewesen wären. Auch hier wurde meine Leistung nie anerkannt. Und ich war den Launen und Demütigungen erneut ausgeliefert, hatte dankbar zu sein. Mein Selbstbewusstsein tendierte gen Null. Berufliche Anerkennung erfuhr ich erst vom Nachbesitzer, der mir mehrfach zu verstehen gab, wie sehr er mich und meine Arbeit schätzt. Das war eine völlig neue Erfahrung!

    Ein letzter Gedanke noch: Mir wurde, größtenteils von Verwandten, erzählt, dass mein Vater so geworden sei, weil er eine lieblose und harte Kindheit hatte. Das stimmt auch und ist sehr traurig. Doch als Entschuldigung kann und will ich das nicht gelten lassen. Jeder erwachsene Mensch kann sich ändern, es besser machen und anders leben. Schließlich habe ich selbst auch entschieden, es bei meinem Kind besser zu machen, eine gute Mutter zu sein, es zu lieben und zu schützen, und vor allem, es als eigenständige Persönlichkeit zu respektieren und zu akzeptieren. Wir haben ein sehr schönes und vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Ich liebe meinen Sohn über alles und ich weiß, dass er mich auch liebt. Und das ist das Schönste, was ich mir zwischen Eltern und Kindern vorstellen kann.

    Ich weiß, dass viele Menschen auf diesen Schritt mit Unverständnis reagieren werden, mir Undankbarkeit und Herzlosigkeit vorwerfen, aber ich kann nicht mehr anders. Und doch haben erstaunlicherweise schon Menschen, denen ich mich anvertraute, gesagt, dass sie sich wundern, dass ich es überhaupt so lange ausgehalten habe.

    Selbstverständlich wäre ich wieder für meinen Vater da, da kann ich nicht aus meiner Haut, wenn er mich wirklich braucht, wie ich immer für alle da war! Aber das kann nur geschehen, wenn es eine Begegnung auf Augenhöhe gibt. Ich würde gerne reden, aber mein Vater kann nicht zuhören. Und er will nicht sehen, nicht wahrhaben, dass auch er nicht frei von Fehlern und Schuld ist. Er ist in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Er kann bewusst Entscheidungen treffen. Ich möchte endlich ein fröhliches und unbeschwertes Leben führen. Es wird Zeit, wenn man bald 52 Jahre alt wird…

    Wie es mir damit geht? Erstaunlich gut! Und ich habe diesmal kein schlechtes Gewissen…..

    Vielen Dank möchte ich noch für diese Seite sagen, die Erklärungen, die Kommentare, die aufmunternden Worte. Dadurch habe ich meinen Weg endlich gefunden!
    Danke Norbert!

  30. Hallo 🙂
    Ich glaube das ist der erste Artikel den ich kommentiere. …aber der Artikel hat meine Situation ziemlich gut beschrieben…
    …allerdings befinde ich mich noch in der ambivalenz – Kontakt ja oder nein?. Der Wunsch nach einer heilen & „perfekten“ Familie ist so groß, dass ich den Kontakt zu meinen Eltern immer wieder suche und mir dementsprechende „emotionale klatschen“ abhole. Unterschwellig kommen immer wieder emotional verletzende Sprüche meiner Eltern. Die dann gerechtfertigt werden mit Sätzen „bei dir muss man aber auch aufpassen“ oder „deine Wahrnehmung ist ne falsche“ oder „ich habe es provoziert“. Ich glaube ich entspreche einfach nicht den Erwartungen meiner Eltern.
    Ach wie gerne würde ich hier alles los werden wollen, aber ich denke das sprengt den Rahmen 😉
    Fazit: ich habe massive Schuldgefühle. Ich gebe mit dir Schuld das das Verhältnis zu meinen Eltern kaputt ist und ich es hätte verhindern können, wenn ich ein gutes Kind gewesen wäre. Seit 3 Jahren versuche ich den Kontakt abzubrechen und spreche das aus was ich denke/fühle – ohne Verständnis von meinen Eltern. Aussagen wie „du wolltest schon immer mit dem Kopf durch die Wand“ oder „wir haben dir als Eltern noch nie gepasst“, „unser Mutter/Kind Verhältnis ist schon lange kaputt“, „bei anderen bist du immer das nette Kind, nur bei uns nicht“ höre ich oft in Diskussionen. Den Anteil den sie zu unserer Situation beitragen sehen sie nicht, sie sagen ganz klar sie sehen keinen – ich bin schwierig!
    Meinen neuen Partner können sie nicht leiden bzw das sagen sie nicht, sie sagen immer „wir kennen ihn nicht“ und geben mir damit das Gefühl ich bin Schuld das sie ihn nicht kennen. Eigentlich haben sie das Gefühl ich distanziere mich wegen ihm, was aber nicht im Ansatz der Wahrheit entspricht. Naja, wie auch immer…meine Mutter sagt ich habe alles kaputt gemacht und sie versteht nicht warum ich das tue, denn sie hat immer alles für mich gemacht, war für mich da und ich bin so gemein. Sie spricht von Scham und Verletztheit.
    Wenn wir Kontakt haben geht er maximal zwei Woche gut, dann ist wieder irgendwas…sie spricht wieder an was alles kaputt gegangen ist in den 3 Jahren usw.
    Ich bin ziemlich verzweifelt!!!

    • Hallo Ina, du MUSST den Kontakt abbrechen sonst gehst du zugrunde. Hört sich lapidar und einfach an, ist der einzige Ausweg. Ich spreche aus Erfahrung, Norbert‘s Artikel bringt es wirklich auf den Punkt. Seit Mai 17 arbeite ich w, 47, Einzelkind , Vater Juli 16 an Krebs gestorben, am Kontaktabruch zu meiner Mutter. Es ist sooo schwer und tut soo weh, wird aber immer besser. Ich möchte die Geschichte hier nicht ganz erzählen, kostet mich zu viel Energie und sprengt auch den Rahmen. Nur so viel : Meine Mutter lässt mich nicht in Ruhe ! Der Wahnsinn , immer versucht sich mich zu kontaktieren, ruft meine Mann in der Firma an , wir haben nach Telefonterror die Nummer geändert, Türschloss gewechselt …. du siehst ne riesen Baustelle, aber ich lebe noch ! So schön und glücklich wie noch nie in meinem Leben! Welch Befreiung! Mache diesen Schritt, wage es du wirst belohnt. Wünsche dir alles gute

  31. Hallo Natalie,
    danke für deine Nachricht. Mit jemanden zu sprechen, der in einer ähnlichen Situation ist, tut gut…die Person kann das halt nochmal anders nachempfinden.
    Spannend, ich bin auch Einzelkind.

    Meine Mutter sucht gar nicht unbedingt den Kontakt zu mir, ich habe das Gefühl sie fühlt sich in ihrer „Opferrolle“ als „verlassene“ Mutter ganz wohl. So erzählt sie es auch immer und bekommt von Arbeitskollegen, Nachbarn usw. Mitleid.
    Ich bekomme immer wieder Schuldgefühle, melde mich und sie drückt mir halt verletzende Sprüche die mich aus der Bahn werfen. Ich habe den Eindruck sie möchte ihre eigene Verletzung und Wut an mir auslassen. Früher hat das halt auch gut geklappt, da habe ich Angst bekommen und bin schnell wieder hingefahren.
    Ich habe meiner Mutter versucht zu erklären was ich fühle und denke und was sie mit manchen Aussagen in mir auslöst…aber wir drehen uns im Kreis. Aussagen wie „es geht immer nur um dich“, „siehst du auch mal wie ich mich als deine Mutter fühle“, „du denkst für mich mit, das war schon immer dein Problem“ lassen mich aufgeben und überfordern mich – Schuldgefühle nach den Telefonaten!!
    Bei meiner Familie mtl. Seits bin ich das schwarze Schaaf…meine Familie steht auf der Seite meiner Mutter, sie sagen man muss alles für seine Familie tun. Meine Muttet meinte zu mir, ich habe ihr gezeigt das mir Familie nichts bedeutet (durch mein Verhalten)…und das stimmt nicht, denn ich wünsche mir nichts mehr als eine Familie 🙁
    Ich bin mir halt immer noch unsicher ob meine Wahrnehmung falsch ist, ich zu sensibel bin und meinen Eltern Unrecht tue…
    Ein Dilemma :/

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