Der Kontaktabbruch vom Kind zu seinen Eltern. Ein Missverständnis aus meiner Sicht.

Was den Kontaktabbruch zwischen Eltern und Kind, (meinem Eindruck nach meistens mehr zwischen Mutter und Kind), angeht, so liegt für mich ein bedeutendes Missverständnis vor.
Ein Missverständnis, wo ich glaube, dass wir als Kinder das für uns korrigieren sollten.

Meistens, so meine Erfahrung, heißt es von den Eltern und gesellschaftlicher Sicht aus, dass ein Kind, das die Nähe zu seinen Eltern meidet, den Kontakt abgebrochen hat. Selbst die Kinder, die nicht mehr mit ihren Eltern in Kontakt sind, sagen von sich selbst sie haben den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen.
Aber ist das wirklich so?

Nach längerem Hinspüren und Überprüfen dieser generellen Sichtweise bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass der Kontaktabbruch eines Kindes für mich so nicht stimmt. Es ist für mich schlichtweg falsch und macht das Kind zum Täter und die Eltern zu armen Opfern ihres kontaktabbrechenden, gemeinen, bösen, rücksichtslosen und undankbaren Kindes.

Hört oder liest man von Eltern, oder in einem Artikel, dass ein Kind angeblich den Kontakt zu seinen Eltern abgebrochen haben soll, dann können wir aus meiner Sicht immer wieder heraus hören und lesen, dass auf der einen Seite die Eltern die unschuldigen, ahnungslosen, nicht verstehenden, erschütterten, leidenden Opfer sind. Während auf der anderen Seite das Kind so dargestellt wird, als wäre es gegenüber seinen Eltern ungerechtfertigt gemein, undankbar und herzlos. Im Sinne von, wie kann ein Kind nur so schrecklich gemein seinen Eltern gegenüber sein, ihnen so weh tun, ihnen so das Herz brechen, obwohl die Eltern ihrem Kind doch immer alles versucht haben zu geben, immer für es da waren, immer nur das Beste für es wollten,…..

Betrachten wir die Angelegenheit allerdings genauer, kommen wir meiner Meinung nach nicht umher zu erkennen, dass ein Kontaktabbruch zwischen Eltern und Kind immer von den Eltern ausgeht. IMMER. Das mag sehr absolut klingen und das ist es für mich auch.
Warum?
Ganz einfach, Kontaktabbruch beginnt für mich schon in der Kindheit durch elterliche Erziehung, durch elterliches Fehlverhalten, durch elterliche körperliche und seelische Gewalt, durch elterliche Übergriffe, durch elterliche Grenzverletzungen gegenüber ihrem Kind, durch nicht oder falsch verstehen des Kindes, durch narzisstische Störungen der Eltern und durch Missbrauch ihrer elterlichen Macht. Nur um einige für mich wichtige Ursachen für den elterlichen Kontaktabbruch zu nennen.
Demnach sorgt für mich das negative, destruktive Verhalten der Eltern alleine zu dem Bruch in der Eltern Kind Beziehung bzw. im Kontakt zwischen Eltern und Kind.
So kann ich aus meiner Sicht sagen, dass ein Kind noch nie den Kontakt zu seinen Eltern abgebrochen hat. Lediglich spiegelt es den Eltern mit seinem Gehen wieder, dass sie entweder erst gar nicht mit ihm wirklich in Kontakt waren, oder zumindest nicht auf gute, schöne, nährende Weise mit ihm in Kontakt waren.
Über das Gehen versucht das Kind klar zu machen, mit dem Kind, mit dem ihr glaubt in Kontakt zu sein, das bin nicht ich und das gibt es in Wirklichkeit auch nicht.
Da sehe ich neben dem elterlichen destruktiven Verhalten auch das Problem. Denn Eltern sind aus meiner Sicht oft nur mit einem Bild von ihrem Kind in Kontakt, das mit dem realen Wesen ihres Kindes kaum oder nichts zu tun hat. Der Kontakt zu ihrem Kind und wie es ihrer Meinung angeblich ist, ist oft nur eine selbstgebastelte Eigenkreation und Wunschvorstellung vom Ego der Eltern, mehr nicht. Genau genommen hat es vielleicht nie einen wirklichen Kontakt von den Eltern zu ihrem Kind gegeben.

Der Glaube der Eltern, dass für ihr Kind früher alles doch in bester Ordnung gewesen ist, das Kind glücklich und zufrieden gewesen ist und keine Anzeichen gemacht hat, dass es den Kontakt zu seinen Eltern unerträglich findet, entstammt alleine aus ihrer Verdrängung heraus, wirklich sehen zu wollen was war und was ist. Viel mehr lassen Kinder über ihre ganze Kindheit hinweg und darüber hinaus Eltern wissen, dass sie sich nicht wohl, nicht glücklich, nicht verstanden, nicht gesehen und nicht geliebt bei ihnen fühlen.
Aber Eltern, die sich in ihrem Elternsein idealisieren und ihre Familie in einem heilen Weltbild festhalten, sind nicht in der Lage und nicht offen dafür zu sehen, wie das Kind versucht ihnen mitzuteilen, dass es unter ihnen, unter ihrem Missbrauch etc. leidet. Dabei versucht das Kind ständig seinen Eltern über Worte, Verhaltensweisen, Gesten und Taten mitzuteilen, hallo Mama, hallo Papa, ich leide unter euch und das was ihr macht und wie ihr mich behandelt verletzt mich, schränkt mich ein und lässt mich nicht ich selbst sein.
Im Laufe der Zeit, stellt das Kind allerdings immer mehr fest, dass es tun und sagen kann was es will, die Eltern behalten ihren lebensfeindlichen, destruktiven und zerstörenden Kurs bedauerlicher Weise bei.
Das Kind fängt dadurch an, sich in seine eigene geheime Welt zurück zu ziehen, während es vielleicht um den Scheinfrieden zu wahren, gleichzeitig das Spiel der Eltern, alles ist zwischen uns gut, mitspielt. Das Mitspielen des Kindes geht dann solange, bis das Kind endlich die Möglichkeit und die Kraft hat zu gehen. Einige Kinder machen diesen Schritt vor ihrer Volljährigkeit, andere mit ihrer Volljährigkeit und andere erst im Alter von 30, 50, 70 Jahren.
Vermutlich wäre das Kind schon mit drei, vier Jahren gegangen, hätte es diese Entscheidungsmöglichkeit als Option gehabt. Aber wie wir wissen, hat es diese Option nicht, höchstens es würden schwere offensichtliche Misshandlungen, Missbrauch und Vernachlässigungen vorliegen, wo dann bestenfalls das Jugendamt dem Kind zu Hilfe kommen würde.
Und so warten Kinder bis sie sich ihnen die Chance ergibt, gehen zu können und konfrontieren die Eltern mit ihrem Gehen scheinbar aus dem Nichts heraus und das nicht selten mit einem kalten Schweigen.
Verlassene Eltern trifft dieses (wortlose) Gehen ihres Kindes sehr und sie sind schockiert, überrascht, verletzt, empört, fühlen sich vor den Kopf gestoßen, ausgenutzt, beschämt, zu unrecht behandelt und sind überzeugt, sie sind das Opfer und unschuldig. Selbst wenn Eltern sich Fehlverhalten ihrerseits eingestehen, finde sie aus ihrer Sicht ihr Fehlverhalten selten so gravierend, dass das für ihr Kind ein Grund gewesen sein kann, sie zu „verlassen“.
Händeringend versuchen Eltern sich dann als armes Opfer in ihrer Familie, bei ihren Freunden, in der Gesellschaft zu verkaufen, was in vielen Fällen sensationell gut gelingt. Diese Eltern ernten dann immer wieder ein immenses Mitgefühl, Empathie und Verständnis in ihrer Familie, von ihrem nahen Umfeld und selbst von ihrem „Therapeuten“.
Das Kind wird dagegen gerne mit Unverständnis und kopfschüttelnd als Täter betrachtet oder als jemand, der auf die schiefe Bahn gekommen sein muss. Ursachen für das Gehen des Kindes sind von Eltern und Gesellschaft aus gesehen vielfältig und sind natürlich meistens ausserhalb des Verantwortungsbereich der Eltern zu finden.
Für diejenigen, die das Elternspiel durchschauen ist klar, dass in Wahrheit die Eltern noch nicht bereit sind, sich der Verantwortung stellen zu wollen, dass sie selbst den Kontaktabbruch zu ihrem Kind inszeniert und verursacht haben.

Genauso ist für diejenigen, die das ganze Spiel durchschauen ersichtlich, dass auch die Familienmitglieder, das Umfeld, der Therapeut, die Therapeutin letztendlich durch ihr Verhalten deutlich machen, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit sind, erkennen zu wollen was wirklich los ist.
Zu verletzt sind alle Mitspielenden in sich und zu sehr bedrohlich sind die lang verdrängten, auftauchenden, schmerzhaften alten eigenen Kindheitswunden.
Und so sucht sich das Ego unserer Eltern Menschen und Leidensgenossen, wo sie sich ihre Welt, mag sie noch so irreal, kaputt und destruktiv sein, bestärken und bestätigen lassen können. Denn wir Menschen sind durchaus in der Lage uns allein und mit Gleichgesinnten das Falsche so lange zu drehen, bis das Falsche für uns Richtig ist. Auf einmal ist das Päckchen Zigarette gar nicht mehr gesundheitsschädlich sondern hilft uns sogar loszulassen und zu entspannen. Ja, jede Zigarette hilft uns sogar, schneller zu Gott zu kommen. Ist das nicht toll?

Was ich denke, was bei all den gehenden Kinder von uns beachtet werden muss ist, dass sich meiner Meinung nach jedes Kind die Nähe zu seinen Eltern wünscht und total ungern diesen Schritt, von den Eltern wegzugehen, macht.
Ich sehe den Akt des Gehens vom Kind als Selbstschutz, als eine überlebenswichtige Maßnahme, um nicht im sinkenden Eltern und Familienboot mit unterzugehen und um seines eigenen Lebensglücks willens. Dabei wollen Kinder, so denke ich, gerne Zeit mit ihren Eltern verbringen, für sie da sein, mit ihnen zusammen sein, mit ihnen die Feste feiern, mit ihnen reden und es schmerzt sie sehr, dass das nicht auf schöne, nährende, gute Weise möglich ist.

Letztendlich gehen aus meiner Sicht Kinder (und kommen nicht wieder), weil sie die Chance haben wollen, IHR ganz eigenes Leben, mit all ihren Träumen, Wünschen und Vorstellungen leben zu können, frei von elterlichen Beschränkungen, frei von elterlichen Begrenzungen, frei von elterlichem Missbrauch, frei von elterlichen Vorgaben, frei von elterlichen Erwartungen, frei von elterlichen Wunschvorstellungen, frei von elterlichen Traumatisierungen, frei von elterlicher Knechtschaft und frei von Eltern, die sie für ihre narzisstischen Bedürfnisse benutzen und ausnutzen wollen.

Ich bin mir sicher es wird eine Zeit kommen, wo Eltern in sich so heil, gesund, reif und verantwortungsvoll sind, dass zu ihren Kindern ein solches Band an Liebe, an Vertrauen, an Verständnis, an Wärme, an Herzlichkeit, an Respekt und Güte existiert, dass Kinder sich in ihrer Nähe einfach unendlich wohl, genährt, geborgen, sicher und frei fühlen.
Haben Eltern eine solche wunderbare Atmosphäre in ihrer Eltern-Kind Beziehung geschaffen, ist die natürliche Folge für mich, dass jedes Kind dieser Welt ganz natürlich und sehr, sehr, sehr gerne bei seinen Eltern ist.

Und was lernen wir daraus. Ich denke die Erkenntnis, dass Eltern es selbst in der Hand haben.
Also einfach als Eltern Verantwortung übernehmen, selbst für ihr Heilsein sorgen, ihre Kinder gut behandeln, ihnen geben, was sie wirklich brauchen, eine gesunde familiäre Bindung schaffen und alles läuft rund und wunderbar.

Im Grunde voll easy. Besonders wenn man selbst keine Kinder hat. 😉

P.S. Als jemand, der die Dinge auch von einem spirituellen Standpunkt aus betrachtet, gibt es für mich zum Thema Eltern, Kind, Familie eine weitere, für mich eine ergänzende Sichtweise. Diese in diesem Beitrag zu erwähnen hätte für mich allerdings die positive Kraft dieses Artikels zerstört. Der Grund dafür ist für mich, weil ich finde, dass der tief verletzte und schuldbeladene (innere Kind) Teil in uns endlich und erst mal da sein darf, tief verstanden wird und tiefes heilsames Verständnis erfährt. Genauso, dass wir uns erst mal erlauben uns als Kind in unserem Schmerz zu sehen und mitfühlend von anderen gesehen zu werden, wie wehrlos, schutzlos, hilflos und ohnmächtig wir dem destruktiven Handeln unserer Eltern ausgeliefert waren und wie vieles wir über uns haben ergehen lassen müssen.
Hinzu kommt für mich, dass nicht jeder an einer spirituellen Sichtweise interessiert ist bzw. der Artikel für mich zu lang geworden wäre. Deshalb werde ich zu gegebener Zeit vermutlich noch einen separaten Artikel dazu verfassen.

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29 Gedanken zu “Der Kontaktabbruch vom Kind zu seinen Eltern. Ein Missverständnis aus meiner Sicht.

  1. Ich finde, bei einem Kontaktabbruch kann man nicht von Schuld sprechen, weder von den Eltern, noch von den Kindern. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, die auf die Kindheiten generationsübergreifend aller Beteiligten zurückführen. Zwischen ihren Zeilen lese ich immer wieder, wie sehr sie wohl verletzt worden sind, lieber Norbert. Und ich habe Mitgefühl.
    Alles Gute
    Johanna

  2. Ich höre immer wieder wie sehr Kinder unter ihren Eltern auf unterschiedlicher Weise litten, und finde es mutig dieses Thema offen anzusprechen ,
    LG Petra

  3. Genau getroffen!
    Meine Tochter nahm sich mit 21 Jahren das Leben.
    Genau wie meine Schwester, achtzehn Jahre zuvor.
    Mein Sohn brach den Kontakt vor neun Jahren zu mir ab und war auch nicht bereit ihn wieder aufzunehmen.
    Ich wohne 700 km von meinen Eltern entfernt.
    Wir pflegen einen netten telefonischen Kontakt.
    Ich bin meinen Eltern von Herzen dankbar.
    Danke, dass ihr mir das Leben geschenkt habt! Danke dass ich euch wählen durfte.
    Danke mein Sohn, danke meine Tochter, dass ich eure Mutter sein durfte!
    Es war eine herausragende Erfahrung und ich danke euch, dass ihr mich und euren Vater gewählt habt!
    Wahrscheinlich wahr es nicht mein Seelenplan, Mutter auf Dauer zu sein – und Großmutter.

  4. Muss ja eine sehr schlimme Kindheit gewesen sein ,wenn man solche Worte zu Papier bringt.
    Böse Eltern lieblos u.s.w.
    Naja Hauptsache Sie sind jetzt glücklich ohne Kontakt zu Ihren Eltern
    Die Eltern tun mir trotzdem sehr leid vielleicht wussten sie es nicht anders oder konnten nicht anders und werden jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt und können Nix tun ,um es wieder zu einer Bindung kommen zu lassen
    lassen
    Und ich spreche aus Erfahrung

    • Aus welcher Erfahrung sprechen Sie denn? Der des Verlassenen? Wurden Sie vor vollendete Tatsachen gestellt?
      Das denkt meine Mutter wahrscheinlich ebenfalls, und immer noch, und kann sich gar nicht erklären was sie denn falsch gemacht hat.
      „Die Eltern“ können Ihnen wahrlich leid tun, denn in den meisten Fällen des Kontaktabbruchs sind sie leere menschliche Hüllen, nicht fähig zu Emotionen, nicht fähig ihren Kindern die bedingungslose Liebe zu geben die sie brauchen, um zu emotional gesunden, selbstbewussten Erwachsenen heranzureifen.
      Die Kinder leiden darunter, selbst wenn sie nicht körperlich missbraucht wurden, ihr Leben lang.
      Niemand bricht einfach so den Kontakt zu seinen Eltern ab. Da muss eine ganze Menge passieren. Und glücklich ist man damit sicher noch lange nicht.
      Und wenn man dann meint es wäre zu entschuldigen mit „vielleicht wussten sie es nicht anders“, dann macht man es sich wirklich zu leicht. Jeder Mensch hat jederzeit die Wahl sein Verhalten zu ändern. Wenn er etwas nicht weiss, kann er es lernen. Dazu ist aber eine Fähigkeit zur Reflexion nötig, und die scheint den meisten verlassenen Eltern zu fehlen.
      Sollen sie sich doch bitte einmal an die eigene Nase fassen.
      Zum Beispiel, wenn man den Kontakt als Elternteil wieder aufnehmen will, und den Versuch gleich mal mit Vorwürfen startet, muss man sich da wundern?
      Ihre Bemerkung, die Eltern „können Nix tun, um es wieder zu einer Bindung kommen zu lassen“, ist für mich der Beweis dass Sie es nicht verstanden haben. Es gab nie eine Bindung, und genau DAS ist die Schuld der Eltern.

    • Was sind denn das für Aussagen???? Es gibt bei weitem genug Anzeichen und Reaktionen eines Kindes, wenn irgendetwas nicht stimmt, da muss man als Eltern entweder hochgradig ignorant oder feige sein, um diese Anzeichen angeblich nicht zu ’sehen‘.
      Vor vollendete Tatsachen werden sie mit Sicherheit nicht gestellt…sie wissen ganz genau was der Anlass ist. Und ich spreche auch aus Erfahrung!

  5. Vielen Dank für das in Worte fassen was ich mich niemals getraut hätte zu sagen. Ich fühle mich erleichtert, da ich mich von Geburt an für alles verantwortlich gemacht habe. Doch alle Mühe war umsonst. Sie konnte mich einfach nicht lieben und das ist ok. Dafür bin ich jetzt dabei mich selbst lieben zu lernen, seit ich mich von der Vergebungsfalle befreit habe, dh ich musste mein eigener Coach und Therapeut werden, denn nur Betroffene können nachvollziehen welche Folgen das haben kann was ich erlebt habe. Und ich werde diese Wunden heilen, egal wie lange es dauern mag. Seit ich freiwillig es aufgegeben habe zu hoffen, dass zwischen uns alles besser wird und somit auch aufhörte mich selbst zu verlassen, trat ich eine lange Trauerphase an. Darüber dass ich nie eine liebende Mutter hatte, dass ich wegen ihr meinen leiblichen Vater nie sehen durfte, dass sie mich grausam körperlich, seelisch und emotional misshandelte, mich isolierte vor anderen Menschen, da sie alles bestimmen wollte uvm. Meine Tür steht offen für ein Gespräch auf Augenhöhe. Meine Therapeuten, die mir schon Jahre vorher rieten die Hoffnung auf Besserung aufzugeben würden jetzt den Kopf schütteln. Doch es ist die Frau, die mich zur Welt brachte, der ich dankbar bin, dass ich da bin (Depressionen und Selbstmordgedanken habe ich kaum noch) und einfach alles bereit wäre zu verzeihen, wenn von ihr nur Einsicht über sich selbst und ihr Verhalten mir gegenüber (Selbstreflexion), auch das zukünftige, statt Urteile kämen wie schlecht und undankbar ich doch gewesen wäre, weil ich es ihr nie recht machen konnte, ihre Bedingungen mich lieben zu können nie erfüllen konnte. Die Fähigkeit zu lieben, fehlte ihr leider, denn Liebe ist bedingungslos, was ich gerade bei meiner Reise zu mir selbst, wer ich überhaupt bin, etc praktisch erfahre. Durch Urteile anderen und mir selbst ggü. trenne ich mich von der Quelle, von mir selbst, dem Leben. Durch Wohlwollen, Wertschätzung, Nachsicht, Achtung, Anerkennung, Akzeptanz dessen was ist (was alles Liebe ist, was zusammenführt, statt trennt) bin ich mir selbst und anderen nahe, sind wir auf Augenhöhe. Tue ich anderen oder mir selbst weh (Verurteilung, mich vergleichen mit anderen, herabsetzen etc), spüre ich das an der Reaktion sofort und da es mir selbst weh tut, bringe ich es schnell wieder in Ordnung. Es ist frustrierend nicht ernst genommen zu werden, wenn man darüber spricht was einen schmerzt (mit denen die es angeht, in meinem Fall die Mutter) und es ist sowas von mutig darüber einen öffentlichen Artikel zu schreiben. Wäre es meiner, wäre er als Einladung zum Gespräch auf Augenhöhe zu verstehen. Mein letzter Versuch sie zu erreichen, da alles andere bisher nicht fruchtete. Ja ich wurde für meine Hilfeschreie in Form von Briefen an sie noch mehr runtergemacht, weil ich als Kind dringend Liebe, Schutz, Geborgenheit etc gebraucht hätte. Leider verstand sie es immer als Vorwurf, wenn ich sie um Liebe anflehte, ihr sagte wie ich mich fühle. Sie wollte nur lesen was ihr gefiel, Lob, Dankbarkeit für die Schläge, die ihr ja auch nie geschadet hätten, wie sie mir sagte (wie traurig), Dankbarkeit für einfach alles was mich zum Therapiefall machte (freiwillig suchte ich mir Hilfe um nicht ihr Erbe an meine Kinder weiterzugeben und meine Wunden zu heilen). Wirkliche Hilfe und Antworten fand ich aber nur in mir selber durch Aussortieren der Impulse, die von außen kamen, wobei die, die mit „du musst xy tun“ oder „du darfst xy nicht tun“ zu befolgen mir nicht dienten. „Was fühlt sich stimmig an?“ – Meine Intuition war leider von Selbstzweifeln gelähmt, ich sei doch eh nur zu faul, dumm, gemein, egoistisch, frech, etc und diese Gehirnwäsche saß tief. Ich bin so froh, dass ich Licht am Ende des Tunnels sehe, mich befreien werde von diesem Erbe mich für alles schuldig zu fühlen (sogar für meine Geburt, die ihre Karriere versaute, weil sie mich nicht abtrieb, obwohl ich ein Unfall war, wie sie mir sagte). Ich freue mich auch darauf eines Tages vielleicht Mutter sein zu dürfen und dieser Verantwortung, frei von Depressionen und zerstörerischen Gedanken, gewachsen sein zu können. Es ist sehr schade, dass ich nie eine soziale liebende Mutter hatte (nur biologisch) und sie ihre Enkel, wenn es welche gibt, nie sehen wird, wenn kein Wunder geschieht.

    • Kann ich die Handy Tippfehler irgendwie noch korrigieren?
      Zb: „anflehte“ anstatt „anfechten“
      „doch gewesen wäre“ anstatt „dich“

      • Hallo Nicole, ja lässt sich korrigieren. Ich kann das die Tage machen, wenn das für sie passt. Meinen Respekt, dass sie das alles mit dem Handy geschrieben haben und an dieser Stelle sage ich danke, dass sie sich mit ihrem Erleben so zeigen. Finde ich auch mutig. Ich kann mir gut vorstellen, dass andere sich in ihrem Schreiben auch wieder finden.

  6. Was für ein wundervoll wahrhaftig geschriebener Artikel, dem ich voll und ganz zustimmen kann.
    Das aus Sicht als Mutter…
    Ja, es liegt auch in meinen Augen und vor allem in meiner Erfahrung in der Verhaltensweise der Eltern, in meinem Fall mir – der Mutter. (Von Schuld kann ich nicht sprechen, da es sich um einen Dominoeffekt handelt, der sich über Generationen in unterschiedlichen Ausprägungen – bis zur Erkenntnis – ausbreitet).
    Mein Verhalten gegenüber meinen Kindern war auf Vermeidung von vermeindlich väterlichen Fehlern gestützt, übermäßige Kontrolle und Unterdrückung nicht weiterzugeben. Damit war ich fixiert darauf, ein `freieres´ Familienleben zu gestalten und übersah dabei nahm ich zu oft die eigentlichen Bedürnisse der Kinder nicht wahr.
    Alleinerziehend ohnehin schon nicht leicht, versuchte ich, alles so gut wie möglich zu machen und auch Teile des fehlenden Vaters zu kompensieren…
    Der Spagat zwischen Freiheit und erzieherischen Grenzen in meinem eigenen Familienbild
    zu vereinbaren, war praktisch nicht wahrhaft möglich…
    Bei meinen Kindern war das als Gleichgültigkeit und auch Lieblosigkeit angekommen.

    Meine Kinder sind heute erwachsen und stehen in guten Positionen in Beruf und Öffentlichkeit. Sie haben ihr eigenes Leben – so wie ich es mir für sie gewünscht habe – in freier Selbstbestimmung…
    Doch erkennen durfte ich, dass ich unbewusst viel zu viel Augenmerk auf die Verwirklichung meines Familienbildes legte, als mich voll und ganz darauf einzulassen, was meine Kinder brauchen und fühlen…
    Ich haben nicht häufig Kontakt mit meinen Kinder, weil ich aufgrund der Kontrolle meines Vaters (Gott habe ihn seelig) vermeiden wollte und will, das Gefühl aufkommen zu lassen, dass ich mich einmische oder kontrolliere und so hatte ich unbewusst von mir aus keine tiefe Bindung zu meinen KIndern `zugelassen´ – und das ist der eigentliche und springende Grund dafür, dass sowohl meine Kinder als auch ich keinen `verbindlichen´ Kontakt halten konnten…
    Mit dieser Erkenntnis musste mir eingestehen, dass ich selbst meine Kinder schon sehr früh `verlassen´ hatte und somit die Kontaktarmut entstand…

    Wir haben inzwischen so manches `Missverständnisse´aufgeklärt und sind im Frieden mit unserem Kontakt. Jeder lebt und gestaltet sein eigenes Leben nach seinen eigenen Bedürfnissen und kann auch das der anderen schätzen …
    Auch wir Eltern haben schließlich das Bedürfnis – nachdem die Kinder erwachsen sind – das eigene Leben wieder frei und ungezwungen und gewissermaßen ungebunden zu gestalten…

    Vielen Dank lieber Norbert, für deine klaren Worte zu diesem Thema.
    Herzlichst Monika Anasha

  7. Schuld? was ist das? Versagen? was ist das?
    Eine von Liebe und Hingabe, Verantwortung und Achtung geprägte Erziehung!, was ist daran falsch?
    Wo sind da Fehler zu erkennen…Ich denke nicht daran zu sagen, das hast du von deiner Mutter, das hast du von deinem Vater geerbt….nein, das stimmt nicht so, denn jeder wird durch seine eigenen Gene geprägt und nur von der sogenannten „Außenwelt“ mutwillig geformt, das starke EGO verhindert eine Übernahme von Eigenschaften der Eltern oder Geschwister, es ist eher das Wunschdenken- so möchte ich sein, ach wäre das super, warum nicht ich, warum nur die anderen?
    Als Eltern versuchen wir dem heranwachsendem Kind alles zu geben, zu ermöglichen, zu gestalten. Sicher geschehen dabei Fehleinschätzungen und Führungen, doch ein selbstbewusster Charakter steuert selbst die Korrekturen….es sei denn….es erfolgt eine erneute „Fremdbeeinflussung“….so glauben die Kinder, sich von den „Alten“ abnabeln zu müssen, oft auch gänzlich und verbal emotional und hart, was beiden Seiten nie gut tuen kann, über den eigenen Schatten springen zu wollen und zu können fällt schwerer, als einen „Schlussstrich zu ziehen“!
    Für alle Beteiligten ein unfassbarer Zustand, man würde ja an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn man den ersten Schritt aufeinander-zu tun würde, wie schlimm….unverständlich, herzlos…
    Von Beiden!, es sei denn…..der Bruch geschieht tatsächlich nur von einer Seite und wird alles getan, die andere nicht zu Wort kommen zu lassen, alle Versuche der Annäherung zu ignorieren!
    Also, lieber Norbert oder auch Monika…ich teile eure Ansicht nicht und widerspreche gern, weil es einfach nur weh tut, Schuldzuweisungen zu erteilen und keinen Schritt in die richtige Richtung zu tun….und wenn dann noch Enkel vorenthalten werden….unerträgliche Situation, schmerzhaft!
    unverständlich, unverzeihlich……
    Ich lese sehr viel Eigenverletzung heraus, selbst erfahrenen Schmerz, Schuld, Versagen!
    Aber vielen Dank für den Anstoß
    herzlichst Frieder M.

    • Bei allem Respekt lieber Friedericus,
      diese Eigenverletzung, den selbst erfahrenen Schmerz, die Schuld und das Versagen das du hier herausliest, spricht (über deinen Kommentar klar) aus dir selbst heraus – auch wenn du es gerne auf den Verfasser oder mich projezieren möchtest …
      Solange die Eltern sich scheuen, den Schmerz zu fühlen – wirklich zu fühlen!! – wird sich das Verständnis über die verborgenen emotionalen Geschehnisse nicht zeigen können. Und Du schreibst ja eben, dass es unerträglich und schmerzhaft ist…

      Jaa, es ist seehr schmerzhaft, deshalb wehren wir uns ja auch mit vielen Verdrängungsmechanismen dagegen, den Schmerz endlich wahrhaft zu durchfühlen!
      Und auch weil wir natürlich nicht `schuldig´ sein wollen… Wir wollen nicht `wahr´ haben, dass unsere Entscheidungen … (in unserem besten Sinn) zu solch einem Ergebnis geführt haben… Damit verwehren wir uns aber selbst den Weg zu einem liebevollen neuen Kontakt…

      Es geht hierbei nicht um Schuld oder Fehler !!!
      Es geht einfach nur darum, zu erkennen, was sich aus unseren Überzeugungen und unserem daraus resultierenden Verhalten ergeben hat.
      Nichts sonst! Es geht darum die Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen… nicht die Schuld bei sich selbst zu suchen – oder bei den Kindern…
      Was ich geschrieben habe war keine `Ansicht´, es ist meine persönliche ERFAHRUNG…
      Das ist ein Unterschied … Ich bin durch den Schmerz gegangen und habe ihn gefühlt – immer und immer wieder – bis er mir das Verständnis `gewährt´ hat – die Erkenntnis der Zusammenhänge und Hintergründe. Auf dieser Ebene konnte ich meinen Kindern frei und ungezwungen begegnen. Ja, auch ich durfte mir Vorwürfe anhören – aber ich habe der Wut, dem Ärger meiner Kinder dieses Ventil geben können, allein aus dem Verständnis heraus. Das kannst du erst, wenn du deinen eigenen Schmerz gefühlt hast und durch die kommunizierten `Gefühlsausbrüche´ der Kinder nicht mehr getiggert wirst.
      Solange ich in den Schmerz falle und mich verletzt fühle beim Austausch mit meinen Kindern, reagiere ich selbst wie ein verletztes Kind mit Ärger, Unverständnis, Enttäuschung …
      Jede bestehende Situation ist ein Ergebnis aus vergangenen Entscheidungen. Bewusst oder unbewusst. Das hat nichts mit Fehlern zu tun!
      Nachzuvollziehen, welche Entscheidungen, Verhaltensweisen oder Glaubenssätze zum `heute erlebten Ergebnis´ geführt haben, ist essentiell um zu verstehen und auch sich selbst und dem Kind zu vergeben, wie man selbst und das Kind letztendlich gehandelt hat…
      Vielleicht lässt du dich einfach mal wahrhaft auf deinen Schmerz ein, auf all deine Gefühle dabei …
      Es ist (d)eine Entscheidung – FÜHLEN ist angesagt, nicht erklären, was warum nicht passt oder funktoniert 😉
      Alles Liebe dir
      Monika

      • Monika, für mich bist du eine wahre Heilige!

        Wie gern hätte ich dich als Mutter – deine Kinder können froh sein, bei dir geboren worden zu sein, auch wenn du Fehler gemacht hast, weil an dir welche begangen wurden!! Das ist gar nicht schlimm! Wir sind alle (fehlerhafte) Menschen.

        Meine Mutter liebe ich zwar, sonst würde mir die Situation mit dem Kontaktabbruch nicht nach über 30 Jahren noch so weh tun. Ich denke Tag und Nacht an sie, was total ungesund und geradezu obsessiv ist. Sie lässt mich einfach nicht frei, was sehr traurig ist.

        Da sie nicht bereit ist, sich zu reflektieren, können wir nicht wieder in Kontakt kommen, bzw. überhaupt in Kontakt kommen.
        Mein Bruder führt immer noch sein Doppelleben, zwischen dem Sohn, den sie sich ausdenkt und dem Menschen, der er wirklich ist. Er tut mir sehr leid! Und seine Tochter, meine Nichte, tut mir auch leid!

        Wenn meine Mutter doch nur bereit wäre, zumindest einen klitzekleinen ihrer Fehler einzugestehen, wäre ich bereit zu verzeihen.

        Du bist ein echtes Vorbild für „verlassene“ Eltern! Ich danke dir für deine Existenz! Und noch viel wichtiger erscheint mir, dass du ein Hoffnungsträger für viele „Kinder“ bist, dass sich irgendwann doch noch was ändern kann.
        Denn kein Kind trennt sich gern von seinen Eltern – in diesem Punkt stimme ich zu 100% mit dem Verfasser dieses Blogbeitrags überein!!

        • Liebe Hanna,
          deine Worte ehren mich sehr – Danke .
          Ich tue `nur´ mein Bestes – heute, aber auch damals als junge Mutter.
          Der Unterschied ist, dass ich heute eine völlig andere Sicht auf die Beziehung/Verbindung von Eltern/Mutter und Kind habe und weiß, dass das Beste aus meiner Sicht nichts damit zu tun hat, was das wahrhaft Beste für das Kind ist, um sich selbst ungezwungen und `behütet´ zu entfalten und um sich geborgen und geliebt zu fühlen …
          Ich bin immernoch mit meinen Kindern auf dem `Klärungs- und Annäherungsweg´ und der wir auch noch ein Stück gehen, aber wir sind endlich gemeinsam darauf `eingebogen´.
          Und begonnen hat dieser erst wirklich, als meine Tochter es nicht mehr ausgehalten hat, ihre wahren Emotionen zu verstecken. Dafür bin ich ihr unendlich Dankbar – ich hatte schon sehr lange den Wunsch dazu und hatte in manchen Gesprächen gelegentlich `Hinweise´ gegeben, doch sie kamen nicht an. Tiefe Scham ob der `Schuld´ an der Verbindungslosigkeit, Scham über das Versagen, nicht bemerkt zu haben ect. haben mich keinen `direkten´ Anfang und auch den Mut nicht finden lassen…
          Über Umwege platzte meine Tochter heraus und es war für uns beide eine zwar schmerzhafte aber sehr befreiende `Auseinandersetzung´ die zu einem Zusammensetzen mit tiefem und klarem Gespräch führte… In diesem erstmals wahrhaft offenen Gespräch über die vorhandenen Gefühle in entsprechenden Situationen konnten Missverständnisse aufgedeckt ! werden, von denen wir jeweils noch nicht einmal wussten, dass es diese gab…
          Das, denke ich ist ein Schlüsselaspekt, der uns – Eltern als auch Kinder – daran hindert, aufeinander zuzugehen…
          Mindest eine Seite – meist aber beide – denkt, dass der andere mutwillig gehandelt hat.
          Meine Tochter zb. dachte das immer. Bei unserem Gespräch stellte sie (selbstredend) ernüchtert fest, dass sie sich damit geirrt hat. Es entstand ein tiefes Verständnis und Mitgefühl, das ihr vorher völlig fehlte, durch ihre irrtümliche Überzeugung…
          Was mir auch klar wurde: Unsere Kinder scheuen sich oft, die klärende Aussprache von sich aus herbeizuführen, weil sie selbst noch zu verletzt sind, aber oft auch, um die Eltern nicht zu verletzen. Ebenso denken viele Kinder – wie auch meine Tochter – dass es ihnen nicht zustände, die Eltern damit zu konfrontieren und dass die Eltern den ersten Schritt tun müssten…

          Hier möchte ich sagen – Ich bin unendlich froh, dass meine Tochter mich mit ihrem Emotionen konfrontiert hat und so die Tür geöffnet hat. Was natürlich nur dann so ankommt, wenn auf der `Gegenseite´ offen und bereit ist.

          Aber auch wenn dabei wütend viele Vorwürfe gemacht werden, ist es m.E. wichtig, dass sowohl Eltern, als auch Kinder ihre Empfindungen klar und deutlich kommunizieren… Sonst bleiben etwaige Missverständnisse und damit die Verbindungs- oder Kontaktlosigkeit weiter aufrecht… Auch die sehr stark vorhandene Verständnislosigkeit wird nicht weniger sondern wächst, und damit leider auch der oft unterdrückte Ärger darüber…

          Ich kann nur sagen, findet jeder den Mut – zuerst einmal für sich selbst – seine Gefühle zu fühlen und dann klar zu kommunizieren, was auch immer dabei herauskommt – es ist besser, als die Verdrängung oder die Angst vor dem was es ergibt …
          Nur ehrliche, aufrichtige Kommunikation führt dazu, Missverständnisse auszuräumen, Verständis zu fördern und Vertrauen wieder aufzubauen 🙂

          Von Herzen für alle 🙂

  8. Als Betroffene kann ich sagen ist das Schlimmste an dieser Situation, dass die Eltern keine Verantwortung übernehmen wollen oder auch können. Das lässt einen sehr hilflos zurück. Als Mutter ist es meine Pflicht, mich mit meiner eigenen Historie und Tätetanteilen auseinanderzusetzen, als erwachsener Mensch Verantwortung zu übernehmen und meinen Kindern ein sicheres Aufwachsen zu ermöglichen, in dem ich mich nicht zum Opfer meiner Kinder und Gegebenheiten mache sondern aktiv meinen Heilungsprozess steuere. Ich bin verantwortlich für mein Wohlergehen und das meiner Kinder. Ich liebe meine Kinder ihrer selbst willen und höre ihnen zu, anstatt durch sie nur meinen eigenen Narzissmus zu befriedigen. Und damit mache ich einen Unterschied und durchbrechen die Kette der ICH- bezogenen Eltern, die nicht weiter ala bis zur eigenen Nasenspitze fühlen und verstehen können.

  9. Hallöchen und einen schönen guten Morgen

    als Erstes sage ich allen Betroffenen und die sich in diesem Artikel als erwachsenes Kind und oder als Vater/Mutter zeigen herzlichen Dank für Ihre Rückmeldungen und ihr offenes sich Mitteilen. Auch wenn ich auf jeden einzelnen Kommentar gerne eingehen möchte, fehlt mir die Zeit dazu. Dennoch will ich sie wissen lassen, dass ich jeden Kommentar lese, dass ich mich sehr darüber freue und ich berührt bin, gerührt bin und mitfühle. DANKE.

    Eine andere Sache sind die Kommentare von sich Mitteilenden, denen mein Text, meine Texte nicht gefallen und wo ich besorgt bin, dass das hier aus dem Ruder läuft. Dazu will ich erwähnen, dass ich meinen Blog für Menschen gedacht habe, damit sie daraus vielleicht etwas schönes, positives, heilsames, sich verstanden und gesehen fühlendes mitnehmen können. Siehe auch bitte „Über mich“ und „Meine Vision“.
    Das scheint für sie, denen dieser Artikel nicht gefällt, meinem Eindruck nach nicht der Fall zu sein. Generell bin ich sehr offen und aufgeschlossen für sachliches, respektvolles kritisches Hinterfragen und in Frage stellen meiner Texte. Das kann ich allerdings bei ihren Kommentaren für mich nicht erkennen, noch erlebe ich in ihren Zeilen Mitgefühl, Verständnis, Empathie für ihre eigenen Kinder oder andere betroffene Kinder wie z.b. die betroffenen Kinder, die sich hier mit ihren Verletzungen mitteilen.
    Aber genau darum geht es mir in diesem Text, nämlich dass sich hier verletzte Kinder verstanden und gesehen fühlen, die oft nicht verstanden und gesehen werden, schon gar nicht von ihren Eltern.
    Es geht für mich hier nicht darum, mit verlassenen Eltern, die ihre verletzten Kinder nicht verstehen wollen einen Austausch führen zu wollen, noch bin ich an ihren Kommentaren interessiert.
    Meine Artikel laden zum Erkennen und Verstehen ein und ich will nicht, dass hier Eltern schreiben, die nicht bereit sind, die Verantwortung für das, was sie bei ihrem Kind gesät haben und die Ernte, die sie heute von ihrem erwachsenen Kind erhalten, übernehmen wollen. Genauso will ich hier nicht, dass Eltern das tun, was sie aus meiner Sicht oft gerne tun, Kindern suggerieren zu wollen, ihr Verhalten als Kind ist das Problem. Eltern sind herzlichst dazu eingeladen, das zu tun was, hier eine Mutter für mich erfreulicher Weise macht, Einsicht zu zeigen, für ihr verletztes Kind Verständnis zu zeigen,… . Davon brauchen wir finde ich mehr. Eltern sind für mich nicht Opfer ihrer Kinder, sondern Opfer ihrer eigenen unverarbeiteten Kindheit und Opfer von sich selbst und ihrem nicht Verantwortung übernehmen wollen.

    Daher bitte ich sie und die anderen Eltern, die bei sich keine Verantwortung für das gehen ihres Kindes sehen wollen, oder jene, die Eltern verteidigen und in Schutz nehmen wollen, keine Kommentare hier zu verfassen. Vielen Dank.

    Zum Schluss will ich noch sagen, dass ich mich frage und ihnen die Frage weiter geben möchte, warum sie sich die Zeit nehmen und sich die Mühe machen in einem Blog einen Text zu lesen, von einem Menschen, den sie nicht kennen, deren Text ihnen missfällt, dort einen Kommentar verfassen, zwischen den Zeilen lesen, dass der Fremde verletzt sein muss, ihm das mitteilen, teils ihm ihr Mitgefühl ausdrücken, während sie sich genauso Zeit dafür nehmen können, sich mit ihrem Kind zu beschäftigen, dort zwischen den Zeilen lesen, dass ihr Kind verletzt ist, es ihrem Kind voller Empathie sagen und ihm ihr tiefstes Mitgefühl und Verständnis ausdrücken?

  10. ich habe selber den kontakt zu meinen eltern abgebrochen. wenn ich ihren text als wahrheit annähme, müsste ich daraus folgern, daß ich bis zu dem moment, an dem ich meine eltern verlassen habe, passiv und fremdbestimmt gewesen bin. das würde ich niemals so stehen lassen.
    ich finde, sie beschreiben in ihrem artikel einen archetyp einer gescheiterten beziehung zwischen eltern und kind. aber eben nur einen. das fehlen jeglicher verweise auf andere möglichkeiten suggeriert, daß nur diese deutung eines kontaktabbruches erlaubt ist. durch ihren stil stellen sie es so dar, punktum. sie verstärken das noch, indem sie sich auf die koryphäe alice miller berufen, die ihnen gewiß ihren artikel um die ohren klatschte. ich finde, sie sollten die finger von so einem heißen thema lassen, wenn sie sich nur darauf beschränken wollen, ein polares szenario darzustellen und diesem quasi allgemeingültigkeit zu verleihen.
    um mal meine vorkommentatorin zu zitieren: ich bin sprachlos. das ist meines erachtens eine ganz schlechte arbeit.

    • Vorweg sage ich ihnen danke, weil sie meinem Eindruck nach trotz ihres inneren Kampfes, sich um Sachlichkeit bemüht haben, was ihnen meiner Meinung nach zumindest teilweise gelungen ist.

      Nun zum Inhalt.

      Aus meiner Sicht liegt es ihnen frei, was sie aus meinem Text folgern wollen.
      Auch verstehe ich meinen Artikel nicht als Suggestion, da ich deutlich schreibe, dass für mich der Kontaktabbruch IMMER von den Eltern aus geht. Warum also auf andere Möglichkeiten verweisen. Wenn wir wegen unserer Unaufmerksamkeit bei Rot über die Ampel fahren und dabei einem Menschen die Beine kaputt fahren, dann denke ich sind wir einer Meinung, trägt derjenige die Verantwortung, der bei Rot über die Ampel gefahren ist. Die Situation ist klar und eindeutig. Höchstens wir sind nicht in der Selbstverantwortung, dann verweise ich darauf, dass die Ampel grün, gelb oder kaputt war oder der andere über Rot gegangen ist.
      Es mag Gründe geben, wo wir für unser über die Rote Ampel fahren Verständnis, vielleicht sogar Mitgefühl von anderen erhalten, z.b. weil ich schnell ins Krankenhaus zu meiner Frau will, sie liegt gerade vielleicht im Sterben. Oder weil ich in Gedanken war, weil mein Chef mir gerade gekündigt hat, oder weil mein Kind schon lange alleine vor der Schule wartet und ich mir Sorgen mache. Die meisten von uns können es dann denke ich ein Stückweit verstehen und mitfühlen. Unsere Verantwortung, vielleicht einen Menschen Rollstuhlreif angefahren zu haben aber bleibt. Zumindest in meinem Denksystem.

      Wie sie zu dem Eindruck kommen und woraus sie in meinem Artikel heraus zu lesen glauben, dass von meiner Seite aus nur mein Textinhalt als Deutung eines Kontaktabbruches erlaubt ist, ist mir ein Rätsel. Gerne können sie neben meiner Deutung, zehn andere daneben stellen. Schließlich gilt für mich und von unserem Rechtsstaat aus Meinungsfreiheit (Deutungsfreiheit). Wie sieht es bei ihnen aus? Haben andere bei ihnen Deutungsfreiheit oder mögen sie lieber Menschen um sich, die ihnen passiv und fremdbestimmt folgen?

      Was ihre Vorstellung angeht, dass Alice Miller gewiß mir den Artikel um die Ohren klatschen würde, denke ich sind wir uns einig, dass ihnen dafür jegliche sachliche Grundlage fehlt. Kann es viel mehr sein, dass sie Alice Miller mehr als Vorwand dafür nehmen, um nicht selbst dafür einstehen zu müssen, dass SIE mir den Artikel in Wahrheit gerne um die Ohren klatschen würden?

      Vielleicht haben sie Recht. Vielleicht sollte ich die Finger davon lassen und vielleicht habe ich mit meinem Artikel wie sie sagen eine ganz schlechte Arbeit geschrieben. (In der alten Schulsprache würde der Lehrer glaube ich sagen. „Rogsch, Sechser und hinsetzen “.)
      Nur wissen sie, wenn ich erlebe, lese, höre wie einst gepeinigte, traumatisierte, geschlagene, missbrauchte, misshandelte, Schuld beladene, eingeschüchterte Kinder die heute als erwachsene Söhne und Töchter unter all dem heute noch leiden und die auch heute als Erwachsene noch unter elterlichem Missbrauch,… leiden , es denjenigen durch meine „schlechte Arbeit“ etwas besser geht, sie etwas Erleichterung verspüren, sie sich weniger falsch, schlecht, schuldig, mies, unwert fühlen, sich etwas weniger in dieser Welt fehl am Platz fühlen, ihre Selbstmordgedanken weniger werden und sie vielleicht für einen kurzen Moment lang die Idee bekommen sie könnten richtig sein, in Ordnung sein, es könnte gut und schön sein, dass sie hier sind und dankbar für diesen Text sind, dann nehme ich mir weiterhin sehr gerne Zeit dafür, um das zu schreiben, was sie schlechte Arbeit nennen.
      Ich denke, so ist es nun mal im Leben, die einen lieben Sushi, die anderen hassen es.

      Zu guter Schluss, was für mich viel wichtiger ist, ist mein Eindruck, dass es bei ihrem Kommentar nicht wirklich um mich, nicht um meinen Artikel und nicht um meine schlechte Arbeit geht. Dafür stecken für mich zu viele Emotionen in ihrem Kommentar drinnen.
      Würde ich in mir jetzt eine Frage stellen und sie hier laut aussprechen, würde diese vermutlich lauten, um wen oder um was geht es bei dem Kommentar für den Herrn und all den Kommentartoren, die so wild darauf sind, meinen Artikel in der Luft zerreissen zu wollen, wirklich? Aber ich behalte die Frage doch lieber für mich 😉

      Und nun hab ich die Idee, dass wir uns nach all dem jetzt vielleicht etwas locker machen und uns entspannen. Wie wäre es mit einer Runde gemeinsamen Schütteln, Tanzen und dann hinlegen? Ist dieses Thema hier, so denke ich, für die meisten von uns, ob als Sohn, ob als Tochter, oder ob als Eltern, doch ein sehr heißes, aufwühlendes und herausforderndes Thema, das auch finde ich seine Pausen braucht.

  11. Hallo Roland! Ihrem Kommentar kann und werde ich voll und ganz zustimmen, da läuft bei dem Verfasser etwas gehörig aus dem Ruder, und wenn dann noch von „Unterlassung“ weiterer Kommentare von betroffenen die ernste Rede ist, finde ich keine Worte mehr.
    Aber eben das gibt es auch, dass jemand Mitleid sucht und bekommt für falsche unvollständige Darstellungen, schade, dass dies so ist…..nein kein Stich ins Wespennest, eher ins eigene Fleisch!
    Sehr bedauerlich, wenn keine ehrliche und aufrichtige Konversation möglich ist, Danke an alle diejenigen, die der Darstellung Fragen stellen und ggf. dem widersprechen, finde ich super!
    Nein ich bin nicht sprachlos! eher zum Widerspruch geboren!
    LG
    Friedericus

  12. Ups… Ich entschuldige mich vielmals, dass ich die hater auf diese Seite aufmerksam gemacht habe. Ich fand den Artikel so wunderbar, dass ich ihn mit den verstoßenen müttern geteilt hatte, auf das er nur Einer die Augen öffne. Stattdessen haben sie wohl die verstoßenen Vater um Hilfe gerufen, die hier so aggressiv rumpöbeln. Sorry. Das war nicht meine Absicht. Ich finde den Blog super.

  13. Da es leider einigen nicht gelingen mag, Kommentare in reifer Eigenverantwortung sachlich und mit Respekt seinem Nächsten gegenüber zu verfassen ,erlaube ich mir, diese Kommentare in Zukunft zu löschen.

  14. Ein sehr guter Artikel! Lassen Sie sich nicht verunsichern, lieber Norbert Rogsch! Betroffenen wie mir sprechen Sie aus der Seele. Danke!

  15. Ich finde den Artikel hervorragend, er hat mich sehr berührt und das ausgesprochen, was tief unter der Problematik liegt: die Bindung, die nie wirklich da war oder das natürliche Bindungsstreben des kindes, welches von den Eltern nie beantwortet und angenommen wurde. Trauma zerstört häufig die bindungsfähigkeit und das zieht sich natürlich über Generationen. Ein Mensch kann nichts geben, was er nicht kennt weil er es nie bekommen hat. Ja er kann nicht einmal verstehen, was ein kind von ihm will oder braucht, wenn dieser Mensch da einen weißen Fleck auf seiner inneren landkarte hat. Hier geht es nicht um Schuld, sondern darum, die Wahrheit und das Ausmaß der verheerenden Auswirkungen anzuerkennen und die Hoffnung aufzugeben, dass da noch etwas kommen könnte..also dieses ewige „in der traumastarre verharren“ weil vielleicht doch ein Signal von den Eltern kommt, was man natürlich auf keinen Fall verpassen möchte…denn nur dann kann ja endlich alles gut sein….ein Mensch, der es schafft, sich von dieser inneren Haltung endlich loszulösen, muss zwangsläufig den sowieso noch nie vorhandenen Kontakt abbrechen indem er seine Energie nun endlich in sich selbst investiert anstatt in die Illusion, dass die Eltern es doch noch irgendwann kapieren….und dann beginnt wahre Heilung…und dann ist es vielleicht sogar möglich in einen anderen, ganz neuen Dialog mit den Eltern zu treten…vielleicht…und wenn nicht, dann ist es auch gut. Manchmal ist das einzige, was wir von unseren Eltern bekommen tatsächlich das physische Leben.

  16. Ich bin selber eine verlassene Mutter und habe mich lange als Opfer gesehen. heute weiß ich, das meine Tochter das Opfer ist. Habe mich sehr bemüht, eine gute Mutter zu sein, doch das ist mir nicht immer gelungen, aber nicht, weil ich ein böser Mensch bin, sondern weil ich es wahrscheinlich nicht besser konnte. Frage mich sehr oft, wie es soweit kommen konnte. Habe mich auch lange schuldig gefühlt , doch bei wem will man mit der Schuldfrage anfangen? Bei meiner Mutter, die sich das Leben nahm ,oder dessen Mutter, oder meiner Stiefmutter , wo ich nie Liebe fühlte? Fragen über Fragen. Selber bin ich psychisch krank, vielleicht hätte ich lieber keine Kinder bekommen sollen ? Ich weiß es nicht. ich bin innerlich so zerrissen und versuche immer wieder Kontakt zu meiner Tochter zu bekommen. Möchte doch nur mit ihr reden , ob es was bringen würde, weiß ich nicht,aber ich wünsche es mir so sehr . Ich liebe meine Tochter , habe viele Fehler gemacht, doch hat nicht jeder Mensch eine Chance verdient? Ich weiß, ich muss sie loslassen, doch das fällt ,mir so unsagbar schwer. Vielleicht ist sie ohne mich wirklich glücklicher . Ich hoffe es jedenfalls, das sie glücklich ist, auch wenn ich es nicht bin.

  17. Liebe Mirjam,
    ich wollte es mir einfach von der Seele schreiben, in der Hoffnung, es geht mir dann besser. Habe nicht damit gerechnet, das jemand meinen Text wunderbar findet. Danke

  18. Ich finde den Artikel sehr gelungen. Auch ich habe vor einem halben Jahr den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich diverse Male klar ausgesprochen habe, was mich am Verhalten meiner Mutter stört. Nach einem heftigen Streit hat sie zwar Fehler eingestanden und sich entschuldigt. Nur hat sich kaum etwas geändert. Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass sie nun mal nicht anders kann. Sie wird immer voller Liebe für meinen Bruder sein und im Gegenzug mich als die Tochter ihres ungeliebten Mannes ansehen. Ich weiss, dass sie es schwer hatte und immer noch hat. Aber ich bin nicht länger bereit, unter ihren Entscheidungen zu leiden. Sie wurde schliesslich von niemandem gezwungen, einen Mann zu heiraten, den sie nie liebte. Mir gehts seit dem Kontaktabbruch besser. Ich vermisse nichts, denn da war ja nie viel. Der Autor hat recht: Einen echten Kontakt hat es nie gegeben. Das hat meine Mutter mit ihrer emotionalen Kälte und dem Liebesentzug als bevorzugte Strafe verhindert, und mein Vater hat nichts kompensiert. Vielleicht hat meine Mutter selber zu wenig Liebe bekommen. Meinem Bruder konnte sie jedoch jede Menge Liebe geben. Wie auch immer. Ich mache mir heute kaum mehr Gedanken darüber. Was man nicht ändern kann, sollte man loslassen.

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