Elternhaus und Familie, die wahren Kriegsgebiete, die es aufzulösen gilt.

2014 erschien von den Rechtsmedizinern Saskia Guddat und Michael Tsokos das Buch „Deutschland misshandelt seine Kinder“. Ich selbst habe das Buch bisher noch nicht gelesen, aber die Beschreibung des Buches lässt denke ich schon mal tief blicken.
Dort steht.
„Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. Und erschreckend hoch ist die Zahl der Opfer, die später selbst zu Tätern werden.“

Jüngste Zahlen liefert die Doku „Wenn Eltern ausrasten“ vom September 2018 bei 3Sat. Dort heißt es, dass 200 000 Kindesmisshandlungen pro Jahr in Deutschland stattfinden. Laut einer Polizeistatistik sterben drei Kinder jede Woche aufgrund von Kindesmisshandlung und 70 Kinder müssen jede Woche aufgrund massiver Malträtierungen ärztlich behandelt werden. Die Dunkelziffer wird um ein vielfaches höher geschätzt.
Kinder werden in ihrem scheinbar geschützten Zuhause unter anderem mit Metallstangen und Schuhlöffel geschlagen. Sie werden verbrannt (zur Strafe auf eine heiße Herdplatte gesetzt) und verbrüht.
Genauso finden in vielen (meiner Vermutung nach in den meisten) Elternhäusern und Familien täglich psychische Gewalt gegenüber Kindern statt, die übrigens laut neuester Hirnforschung genauso zerstörend, wenn nicht sogar traumatischer für das Kind ist.
Während sich die Studien und die Doku alleine auf Deutschland beziehen, gehe ich davon aus, dass es weltweit nicht viel anders, teilweise vielleicht etwas besser aber teilweise auch extrem schlimmer verhält. Denken wir nur an die Rituale der Genitalverstümmelungen in einigen Ländern und Kulturen oder an die massive Unterdrückung der heranwachsenden Frauen.

Wir brauchen daher meiner Ansicht nach nicht voller Entsetzen unsere Finger auf die Menschen richten, die da draußen in der Welt Gemeinheiten, Verbrechen, Morde und Kriege begehen. Wir brauchen nicht die Finger auf Kriminelle, Lügner, Betrüger, Sexualstraftäter, Serienkiller, Terroristen und Selbstmordattentäter richten, denn all das Grausame findet tagtäglich in unseren eigenen verborgenen vier Wänden statt und zwar dort, wo wir unsere Kinder schlagen, misshandeln, foltern, emotional, körperlich und seelisch missbrauchen, sie ausbeuten, tyrannisieren und vieles mehr. Es sind Eltern, die selbst als Terrorist ihre Kinder terrorisieren. Eltern, die Verbrechen begehen, indem sie ihre Kinder um eine sorglose Kindheit bestehlen. Eltern als Gewalttäter, die ihre Kinder mit purer, gnadenloser Gewalt züchtigen wollen. Eltern als tyrannische Sadisten, die ihre Kinder unter schweren psychischen Druck setzen und sie unterdrücken, entwerten und erniedrigen, bis nichts mehr von ihnen übrig ist.

Die Kriege unserer Welt sind daher für mich das mindere Problem. Die Kriege, die im Elternhaus und in der Familie stattfinden, die Kriege, die in nur wenig einsehbaren Familienburgen mitten drinnen toben, die finde ich um ein vielfaches besorgniserregender.
Wir müssen aus meiner Sicht unsere Welt nicht von den äußeren Kriegen befreien und die Welt retten, sondern wir müssen die Kriege in unserem eigenen Inneren und in unserem eigenen Zuhause beenden. Beenden wir die Kriege in uns und in unseren Familien, verschwinden meines Erachtens auch die Kriege, die Gewalt, das Grausame und das Schreckliche draußen in der Welt. Im Sinne von, wer Liebe, Frieden, Schönheit, Freude bei seinen Kindern und in seiner Familie sät, lässt daraus erwachsene Menschen werden, die all das Gute bekommen, in die Welt hinaus tragen und dort mit anderen teilen.
Im Umkehrschluss heißt das für mich auch, wer weiter Krieg, Gewalt, Lieblosigkeit, Gemeinheiten, Angst und Schrecken bei seinen Kindern und in seiner Familie verbreitet, ob bewusst oder nicht, wird sich nicht wundern müssen, wenn daraus Erwachsene werden, die ihnen als sogenannte Nachahmungstäter Gleiches tun.
Es liegt daher für mich immer die Verantwortung zuallererst bei uns Eltern und Erwachsenen. Übernehmen wir diese Verantwortung und verpflichten wir uns dazu, all dem Grausamen, Lebensfeindlichen, schwarzen pädagogischen Erziehungsverhalten ein Ende zu setzen und lernen wir wirklich mit Liebe uns selbst, unseren Kindern und einander zu begegnen, wird unsere Welt auf natürliche Weise immer mehr Heilung finden. Denn ein geliebtes Kind, das glücklich, geborgen, beschützt und liebevoll begleitend aufgewachsen ist, wird meiner Ansicht nach nicht das Bedürfnis verspüren, anderen Schmerzen und Leiden zufügen zu wollen. Das tun finde ich ausschließlich jene Kinder und später als Erwachsene, die um ihre Kindheit und all das Gute und Schöne beraubt worden sind.
Sind wir in unserer Verantwortung als geistig gereifte und liebevolle Eltern und Erwachsene angekommen und verhalten wir uns dementsprechend gegenüber unseren Kindern und in unserer Familie auch so, brauchen wir uns denke ich auch keine Sorgen darüber machen, ob unser Kind eines Tages vielleicht mit uns nichts mehr zu tun haben will. Denn wahre elterliche Liebe und all das Gute, wage ich mal zu behaupten, ist für jedes Kind einladend. Es ist das elterliche und familiäre Hässliche, Gemeine, Böse, Ungerechte, Zerstörerische, dass das Kind das Weite von den Eltern und seiner Herkunftsfamilie suchen lässt.

Nun, nüchtern betrachtet sehe ich meine Vorstellung von den wirklichen liebevollen, verantwortungsvollen Eltern derzeit noch mehr als Zukunftsmusik (Ob naher oder ferner Zukunft kann ich nicht sagen und wird sich zeigen).
Und so sehen meine derzeitigen Beobachtung so aus, dass sich viele Eltern noch ihrer Verantwortung entziehen und sich als Opfer ihrer Kinder sehen, während sie ihre eigene Täterschaft noch nicht wahr haben wollen.
Somit bleibt meiner Vermutung nach bei vielen Eltern wohl immer noch eine Zeit lang ein wundersames Bild von dem mächtigen, großen, gemeinen, furchteinflößenden und tyrannischen Kriegsverbrecher und Unruhestifter Kleinkind bestehen.
Ja, ja, wenn sich erstmal so ein Kleinkind monstergroß über seine Eltern gebeugt hat und anfängt, mit seinen Eltern Machtkämpfe zu spielen, kann einem als Vater oder Mutter schon Angst und Bange werden.
Da bleibt wohl die Frage, ob Paare, um des Eigen-Selbstschutzes willens, nicht clever sein sollten und es mit dem Kindern haben wollen und Eltern sein wollen nicht besser sein lassen sollten. Denn wer weiß schon, welches brutales Kind einem dann von der Schöpfung zugewiesen wird. Vielleicht solch eines, wo man sich als Eltern in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen kann und wo das Kind einem auf dem Kopf rumtanzt. Und wenn es dann noch drei, vier Kinder sind muss man als Eltern hoffen, dass die kleinen Racker nicht noch die Herrschaft übernehmen und einen nicht aus der eigenen Wohnung, aus dem eigenen Haus schmeißen.
Wobei ich ehrlich zugestehen will, solche Elternhäuser, wo kleine Kinder ihre Eltern aus der Wohnung schmeißen, sind mir noch nicht untergekommen. Umgedreht ist es mir sehr wohl bekannt.
Dennoch und bei aller Ironie meine ich, eine positive Entwicklung zu sehen, wo immer mehr Menschen den Mut aufbringen, das Tabuthema „Kritik an Eltern und Familie“ zu brechen und das beim Namen nennen, was Kinder im Verborgenen wirklich bei ihren Eltern erleben.
Und diesen Mut denke ich brauchen wir alle, genauso wie ausreichend ehrliche Selbstreflektion was unsere eigene Kindheit angeht. Denn solange wir unserem Leiden aus unserer Kindheit aufgrund unserer Verdrängung und Idealisierung nicht bewusst sind und dazu noch glauben, wir hatten eine tolle, schöne, glückliche Kindheit, solange werden wir die dunklen Schattenseiten in unserem Handeln als Eltern gegenüber unseren Kindern nicht sehen und uns nicht eingestehen wollen.
Die Entscheidung, ob wir als Eltern und als Erwachsene die alte Musik der schwarzen Pädagogik laufen lassen und weiter dem Kind seinen Willen und sein Herz brechen wollen, das Kind um seine Kindheit berauben, oder ob wir uns dahingehend entwickeln, wirklich liebevolle, gesunde und authentische Eltern und Erwachsene zu werden, darf jeder für sich alleine treffen.
In beiden Fällen werden wir meinem Glauben nach das ernten, was wir gesät haben.
Das heißt, es wird aus Kartoffelsaat kein Spargel werden, es wird aus Unkrautsaat keine Rose wachsen und es werden aus ungeliebten, geschlagenen, missbrauchten, gepeinigten Kindern keine Kinder werden, die gerne bei ihren Eltern sind. Ganz einfach. Zumindest aus meiner Sicht.

Eine bestimmte Elterngruppe wird diesen Glauben von Saat und Ernte mit mir sicherlich nicht teilen und es scheint, als ob dieses Gesetz in der Beziehung zwischen Eltern und Kind bei ihnen außer Kraft gesetzt worden ist. Denn diese Gruppe von Eltern ernten nämlich ihrer Meinung nach sich distanzierende, gehende, undankbare Kinder, obwohl sie viel Gutes und viel Liebe bei ihren Kindern gesät haben.
Eine Erklärung könnte sein, dass hier das Universum einfach versagt hat, nicht richtig hingesehen hat und diesen gütigen, liebevollen und unschuldigen Eltern fälschlicher Weise fürchterliche Alien-Kinder geschickt hat. Wer weiß, so könnte es vielleicht gewesen sein ;-)?
Das lässt mich gerade noch mal eine andere Überlegung aufschnappen.
Aber das soll es für jetzt gewesen sein.


Ich freue mich über Ihre Wertschätzung und Unterstützung:

DANKE!

3 Gedanken zu “Elternhaus und Familie, die wahren Kriegsgebiete, die es aufzulösen gilt.

  1. Wieder eimmal alles auf den Punkt genau beschrieben lieber Norbert 🖒🖒🖒
    Meine Eltern würden zu der „bestimmten Elterngruppe“ zählen, die natürlich NICHTS falsch gemacht haben😒Aber ich denke an ALLE Kinder dort draussen und ich wünsche all diesen kleinen Menschenwesen die nötige Kraft, die sie brauchen!!!!

    Liebste Grüße
    Katharina

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