Eltern Kinder Verantwortung Schuld

Steht uns unser Leben frei zur Verfügung oder tragen wir Verantwortung gegenüber unseren Eltern?

Im Gegensatz zu meinen anderen Beiträgen, heute mal ein etwas längerer Beitrag, obwohl er in Anbetracht des brisanten Themas für mich auch hätte länger ausfallen können.
Ich wünsche Dir beim Lesen viel Spaß und befreiende Erkenntnisse.

Ich bin der Ansicht, wenn wir bei wirklich reifen, erwachsenen, wachen und bewussten Eltern aufwachsen würden, wäre dieser Beitrag hier hinfällig und zwar aus dem einfachen Grund, weil oben genannten Eltern bewusst wäre, dass ihre Kindern nur Gäste sind, die nach dem Weg fragen.

Sie wüssten, dass ihnen ihre Kinder nicht gehören und dass sie sich als Eltern dazu freudig verpflichtet fühlen, ihren Kindern zu helfen ihren ganz eigenen und einzigartigen Weg zu finden, für den sie in dieses Leben gekommen sind.
Sie wüssten, dass die Kinder-Seele, die bei ihnen ist, in diese Welt gekommen ist, um ihre ganz speziell ausgewählten Erfahrungen in diesem Leben machen zu wollen und das in vollkommener Freiheit, ohne jegliche Verpflichtung und Verantwortung ihnen als Eltern gegenüber.
Sie wüssten, dass sie kein Recht haben sich in das Leben ihres Kindes einzumischen, sie an sich zu binden und dass es stattdessen ihre Aufgabe ist, ihr Kind mit allen Kräften zu unterstützen.
Sie wüssten, dass sie dafür Sorge zu tragen haben, dass sich ihr Kind bei ihnen angst- und sorgenfrei, sicher und beschützt entfalten und entwickeln kann, damit es seinen Weg leicht und unbeschwert gehen kann.
Diese so aufgewachsenen Kinder müssten sich nicht mit dem Gedanken rum plagen, ob sie ihren Eltern etwas schuldig sind oder nicht. Sie müssten nicht unnötig das Gefühl haben, ihren Eltern gegenüber verpflichtet zu sein, für sie verantwortlich zu sein und sie wären nicht damit beladen, sich Sorgen um ihre Eltern machen zu müssen, weil ihre Eltern für ihr Leben die VOLLE Verantwortung übernommen haben und WIRKLICH erwachsen und (spirituell) reif geworden sind.
Diese Kinder müssten sich nicht mit einem tief traurigen und frustrierten Blick einreden, dass es doch selbstverständlich ist, für seine Eltern da zu sein und sie das alles für ihre Eltern gerne tun.
Diese Kinder könnten frei von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen ihren Lebensweg leicht, fröhlich und unbeschwert beschreiten.

Doch für viele Kinder sieht die Welt glaube ich ganz anders aus.
Viele erwachsene Kinder sind verunsichert, meinen, sie müssten für ihre Eltern da sein, weil ihre Eltern auch für sie da waren. Meinen, sie müssten so tun, als ob sie das alles aus Liebe und voller Freude und Dankbarkeit ihren Eltern gegenüber tun.
Viele Kinder glauben, sie haben ihren Eltern gegenüber eine Verpflichtung, besonders dann, wenn ihre Eltern auf Hilfe angewiesen sind bzw. pflegebedürftig geworden sind.
Viele Kinder fühlen sich schlecht wenn sie ihren Eltern die Bedürfnisse und Erwartungen nicht erfüllen und erlauben sich dadurch selbst nicht wirklich glücklich zu sein.
Auch in unserer Gesellschaft wird es glaube ich als ganz natürlich angesehen und erwartet, dass Kinder später für ihre Eltern Papasitting und Mamasitting machen, sie pflegen und für sie da sind, denn schließlich haben ihre Eltern für sie auch alles getan.
Tun Kinder das nicht, kann es schnell passieren, dass sie innerhalb der Familie und von unserer Gesellschaft mächtig Gegenwind bekommen und als kalt, bösartig oder herzlos abgestempelt werden.

Was also tun, wenn auf der einen Seite, in unserem Herzen ein Leben in vollkommener Freiheit brennt und auf der anderen Seite ein, ich muss für meine Eltern da sein Pflichtgefühl, existiert?
Was also tun, wenn unsere innere Stimme uns sagt, dass es in Ordnung ist, unseren eigenen Weg zu gehen, während wir von allen Seiten aufs Schärfste kritisiert werden?
Was also tun, wenn unsere inneren und äußeren Elternstimmen und Familienstimmen sagen, dass es falsch, schlecht und böse ist, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse an erster Stelle setzen und für unsere Eltern nicht so da sind, wie sie es von uns erwarten?
Haben die anderen vielleicht etwa Recht wenn sie sagen, es ist von einem Kind herzlos, für seine Eltern im Alter, in Krankheit und Pflegebedürftigkeit nicht da zu sein?
Ich glaube nein. Ich finde es ist nicht herzlos, denn wir sind nicht dafür verantwortlich, unsere Eltern zu unterhalten, mit ihnen ihre Langeweile zu vertreiben, ihnen in ihr leeres Leben Leben zu bringen, bei ihnen am Bett zu sitzen, sie zu pflegen und bei ihrem Zerfall zuzuschauen, während wir in dieser Zeit LEBEN und wirklich Wesentliches tun könnten.
Ich glaube nein, wir müssen sie nicht besuchen gehen, damit sie ihr belangloses Gerede auf uns abladen können oder uns Vorwürfe machen können, warum wir sie nicht öfters besuchen, oder, oder, oder.
Denn fragen wir uns einmal, wann glauben wir, dass wir endlich uns erlauben dürfen unser Leben zu leben? Wenn unser Eltern tot sind und wir selbst schon 60,70 Jahre oder älter sind?
Wann denkst du darfst du dir erlauben, gegenüber deinen Eltern endlich frei dein Leben leben zu dürfen?
Hier und da höre ich, ja solange meine Mutter (oder mein Vater) noch mit im Haus lebt, die auf meine Hilfe angewiesen ist, solange kann ich dies oder jenes nicht tun. Kann ich nicht wo anders hinziehen. Kann ich nicht das Haus verkaufen. Kann ich nicht, kann ich nicht, kann ich nicht.
Vielleicht bist du aber auch davon überzeugt, dass du dein Leben in vollkommener Freiheit genießt. Ist das wirklich so?

Ich glaube, viele von uns hatten  in ihrer Kindheit gegenüber den Eltern nicht wirklich die Freiheit, selbstbestimmt leben zu können und ich glaube, später als erwachsene Kinder auch nicht so richtig, weil  sich unsere Eltern weiterhin all zu gerne  ganz unscheinbar unschuldig in unser Leben drängen und ihre Macht missbrauchen.
Hier mal schnell die Mutter oder Vater zum Arzt fahren, dort ein Medikament holen, mal schnell mit Muttchen hier zum Friedhof gehen, dort den Einkauf erledigen, zum Sonntagskaffee kommen, Samstag den Rasen mähen, hier mal zum Friseur bringen, mal wieder mit den Enkeln vorbei kommen usw.
So leben wir unmerklich nach den Erwartungen unserer Eltern, richten unser Leben irgendwie nach ihnen aus und erfüllen brav ihre Bedürfnisse.
Dabei übersehen wir, dass was viele Eltern mit ihren Kinder in der Kindheit gemacht haben und heute mir ihren erwachsenen Kinder machen, in meinen Augen schwerer Missbrauch ist.
Doch dieser Missbrauch ist für uns oft nur schwer zu erkennen, weil wir von kleinauf nichts anderes kennen und es dadurch normal für uns ist.
Aber für mich ist es Kindesmissbrauch, wenn ich mir mein Kind für meine Bedürfnisse gefügig und abhängig mache. Wenn ich mein Kind dazu nötige, etwas für mich zu tun, nur weil ich es will. Es ist für mich elterlicher Missbrauch, wenn das Kind die Erwartungen seiner Eltern vor seinen eigenen Wünschen hinten anstellen soll.
Kann es wirklich sein, dass unsere Eltern wichtiger sind, als unser eigenes Lebensglück?
Sind wir hier auf der Erde wegen ihnen oder wegen uns?
Vielleicht hat der eine oder andere nach vielen Jahren des Mühens es endlich geschafft, sich nach seinen Wünschen ein wunderbares Leben aufzubauen und dann wird auf einmal das Glück darin eingeschränkt, weil irgendetwas mit seinen Eltern ist und es für die Mutter oder den Vater da sein soll?
Und was ist mit den eigenen Kindern dem eigenen Partner, die aufgrund der Wichtigkeit der eigenen Eltern unbemerkt vernachlässigt werden?
Ja, wir können für unsere Eltern da sein aber auch nur dann, wenn es wirklich mit unserem Herzen vereinbar ist. Was in meinen Augen NIEMALS ein Muss sein kann und darf.
Erst recht nicht, wenn wir von unseren Eltern vernachlässigt wurden, (emotional) missbraucht wurden, nie wirklich oder zu wenig Liebe, mütterliche/väterliche Zuwendung und echtes Gehör bekommen haben.
Und sind es nicht gerade diese missbrauchenden, vernachlässigenden und ausbeutenden Eltern, die später unter dem Deckname Liebe an ihre Kinder vollkommen unberechtigte und überhöhte Erwartungen stellen?
Reife, emotionale gesunde und selbstverantwortliche erwachsene Eltern würden ihrem Kind aus Liebe niemals solch eine schwere, lebensfeindliche und lebenszerstörende Bürde auferlegen.
Giftige Eltern schon.
Giftige Eltern interessieren sich meistens nur für das eigene Wohl, für die eigenen Bedürfnisse und ihnen ist das Wohlgefühl des eigenen Kindes gleichgültig. Giftige Eltern kennen keine Fairness und arbeiten mit Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen, um das Kind für sich wieder gefügig machen zu wollen.
Viele Kinder knicken an diesem Punkt ein, weil die Eltern und unsere Gesellschaft ihnen das Gefühl geben, dass was sie da tun falsch ist.
Oder weil sie mit Geschwistern, Familienangehörigen oder Freunden darüber reden, die ihnen dann sagen, es sind doch deine Eltern, du bist es ihnen schuldig und man sollte doch selbstverständlich gerne für seine Eltern da sein.
Ja, es sind unsere Eltern. Eltern, die sich erwachsen nennen und die ihr eigenes Leben und ihr eigenes Handeln selbst und ganz alleine zu verantworten haben. Eltern, die keine Kinder dafür in die Welt gesetzt haben sollten, damit sie im Alter jemanden haben, der sie unterhält, sie pflegt und sie in den Schlaf wiegt.
Mitunter gibt es ja ein paar reife Eltern, die ihren Kindern sagen, ich komme allein klar, mach dir wegen mir keine Sorgen, ich trage alleine die Verantwortung für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Krankheit, für meine Einsamkeit und für was auch immer.
Diese Eltern sagen ihrem Kind, lebe Du DEIN Leben und mache was draus.
Sie sagen ihrem Kind, sei nicht so dumm wie ich und verschlafe dein Leben, sondern sieh zu, dass du Träume hast, für die es sich zu leben lohnt und LEBE sie.

Falls du also daran zweifelst, deinen Weg gehen zu dürfen, ohne dass du dich um deine Eltern kümmern musst, ihnen etwas zurückgeben musst, ihnen etwas schuldig bist, dann sage ich dir von meiner Seite und meinen Erkenntnissen heraus, du hast das Recht dazu, so zu leben, wie es deinem Herzen entspricht und wenn deine Eltern darin keine Rolle, oder keine große Rolle spielen, dann ist das OK.
Gute und reife Eltern wissen das und lassen dich mir ihrer Liebe und ihrem Segen hinaus ins pralle Leben.
Giftige Eltern dagegen werden versuchen dir den Spaß an deiner Freiheit nehmen zu wollen und werden dich entweder laut, mit großem Gebrüll und Vorwürfen (das ist meiner Erfahrung nach mehr der Vater) oder leise und unterschwellig (das mehr die Mutter) ihren Zorn, Wut und Enttäuschung spüren lassen. Womit sie dir letztendlich sagen wollen, dass das was du machst, ist ihnen gegenüber falsch, ungerecht, schlecht und herzlos.
Meine Erfahrung ist dabei, dass nur giftige Eltern einem Kind das Frei Sein schwer machen. Manchmal so schwer, dass sich ein Kind für den Freitod entscheidet, weil der elterliche Erwartungsdruck und die Sehnsucht nach einem freien Leben für zu große Spannung sorgt, die scheinbar nur durch den Tod zu entladen ist.
Grund dafür ist die elterliche Gehirnwäsche und Konditionierungen, die dem Kind den Glauben auf eine gute Lösung genommen hat. Es lebt in dem Glauben, entweder, oder. Entweder ich erfülle die Erwartungen meiner Eltern, übergehe meine eigenen Bedürfnisse und sie „lieben“ mich oder ich gehe meinen Lebensweg nach meinen eigenen Wünschen und sie hassen mich.
Auch hier ist klar, bei gesunden Eltern ist alles möglich. Bei gesunden Eltern kann das Kind seinen Lebensweg frei, fröhlich, glücklich und unbeschwert gehen, was nichts an der Liebe zu dem Kind ändert, da diese Liebe an kein Verhalten und an keine Bedingungen geknüpft ist
Bei giftigen Eltern dagegen gibt es diesen Spielraum nicht. Dort gibt es in erster Linie nur Liebe, wenn das Kind die elterlichen Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt.
Auf solche Eltern kann das erwachsene Kind lernen mit der Zeit gut und gerne zu verzichten, mit der Erkenntnis, dass von den Eltern nichts Nährendes und Unterstützendes mehr zu erwarten ist.

Der Lösungsprozess kann beginnen.
Und dieses Sich Lösen von den destruktiven elterlichen und gesellschaftlichen Konditionierungen, die uns eine Verpflichtung gegenüber unsere Eltern aufbürden, ist für mich auf unserem Weg, zu einem freien, unbeschwerten und glücklichen Leben ein sehr tiefgreifender und lebensNOTwendiger Prozess. (Ich finde, es geht bei dem einen oder anderen teilweise wirklich  um Leben und Tod)
Und dieser Prozess braucht von uns sehr viel Mut, Achtsamkeit, viel Verständnis, viel Sensibilität, viel Geduld und ausreichend Zeit um diese tiefe Wunden heilen lassen zu können.
Wir müssen das alles nicht an einem Tag, an einem Wochenende, in einem Jahr schnell loswerden.
Sondern Schritt für Schritt, so wie es gerade kommt und das immer und immer wieder, bis es geheilt ist. Selbst nach zwanzig Jahren kann es sein, dass eine weitere Schicht an die Oberfläche kommt, mit der wir nicht mehr gerechnet haben. Auch das ist in Ordnung.

Wohlmöglich liest sich mein Beitrag sehr Anti-Elternhaft und verbittert an. Vielleicht ist es so und ich gestehe es mir selbst nur nicht ein.

Doch wer sich wirklich auf den Text einlässt, wird vielleicht spüren, dass es mir hier um eine große Wunde in uns geht, um ein großes (kollektives) Missverständnis in Bezug zu unseren Eltern. Ein Missverständnis, eine Wunde, was uns meiner Beobachtung nach viel Schmerz , viel Leiden und einen großen Verlust unserer Freiheit bereitet hat und was endlich Heilung finden will.

Falls ich mich hier irren sollte und jemand stichhaltiges Wissen gegen meine Beobachtungen hat, bin ich gerne bereit mich eines Besseren belehren zu lassen und lerne gerne dazu.

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8 Gedanken zu “Steht uns unser Leben frei zur Verfügung oder tragen wir Verantwortung gegenüber unseren Eltern?

  1. Hallo Norbert Rogsch,
    ich möchte Dir antworten, weil Dein Artikel mich in meinem Schmerz berührt und weil ich spüre, dass Du eine Menge nicht integrierten Leids mit Dir herumträgst.
    Unsere Leben sind nicht frei, wie könnten sie auch? Wer wirklich frei ist, ist erleuchtet. Ich bin es nicht. Verantwortung für meine Eltern, bzw. meinen Vater, weil nur er noch lebt? Nein, ganz selbstverständlich nicht. Mitgefühl, ja – soweit ich ihm im Herzen verziehen habe, ist es mir möglich.
    Es gibt keine wirklich reifen, erwachsenen Mütter und Väter. Mein Vater hat den Jähzorn seines Vaters, meines Großvaters, durch Sadismus gegen seine Kinder ersetzt. Im besten Willen, wirklich. Ich glaube zutiefst daran, dass sich jeder von uns seine Mutter, seinen Vater aussucht und umgekehrt unsere Eltern uns. Da ist etwas zu lösen. Das passt, ob wir das nun toll finden oder nicht. Das Leben schenkt uns die Möglichkeit zu wachsen, zu reifen, erwachsen zu werden. Das ist nicht einfach – aber leicht, wenn wir uns dafür entscheiden (können).
    In meiner Kindheit ging es viel zu oft um Leben oder Sterben. Ich habe überlebt. Das war nicht nur einmal haarscharf. Mein Bruder ist daran gestorben. Und dennoch haben meine Eltern getan, was sie konnten, mir so viel Liebe gegeben, wie sie konnten. Es reichte zum Überleben. Das ist viel oder wenig, je nachdem, ob man ein Glas als halbvoll oder als halbleer bezeichnet.
    Auch Du hast überlebt, wenn alles nur Gift gewesen wäre, was von Deinen Eltern gekommen wäre, hättest Du das nicht.
    Dein Artikel malt mir zu sehr schwarz-weiß. So einfach ist das nicht.
    Möge Dir meine Antwort von Nutzen sein.

    • Hallo Jens,

      herzlichen dank für deine Meinung, für das was du für dich glaubst und dass du dich mit deiner für mich sehr persönlichen und tragischen Kindheitserfahrung zeigst. Danke.

      Deine Antwort nutzt mir insofern, dass ich für mich nachspüren konnte, dass ich mich mit dem, was ich glaube, spüre, erkannt habe, um einiges wohler fühle und stimmiger für mich ist. Besonders wenn du glaubst, dass es unter den ca. 8 Milliarden Menschen keine wirklich reifen erwachsenen Väter und Mütter gibt. Ist das nicht ein frustrierender Glaubenssatz? Oder wenn du schreibst, dass unsere Leben nicht frei sind. Obwohl du selbst sagst, dass es mit Erleuchtung möglich ist. Also glaubst du ja irgendwie doch, dass es möglich ist, oder?
      Und ich glaube, in dem wir durch neue Erkenntnisse immer mehr Licht in unsere Dunkelheit bringen, geschieht für uns ein Stück Erleuchtung, womit wir für uns wieder mehr Befreiung erfahren bzw. Freiheit gewinnen.

      Vielleicht hast du ja Lust, dich einmal (oder mehrmals) für den Gedanken zu öffnen, dass es vielleicht doch möglich sein kann, dass du/wir in vollkommenen inneren Frieden und Freiheit, leicht und unbeschwert am Erdenleben teilnehmen kannst/können und dass es doch irgendwo in dieser Welt den einen oder anderen wirklich reifen und erwachsenen Menschen bzw. Elternteil gibt?

      Alles Liebe für dich
      Norbert

      • Danke Norbert,

        dafür, dass Du mir Deinen Blick auf die Welt zeigst, der immer „richtig“ ist, weil Du „richtig“ bist, so wie Du bist. Immer.

        Wir stimmen darin überein, dass jeder von uns die Fähigkeit hat, durch neue Erkenntnisse immer mehr Licht in unsere Dunkelheit zu bringen. Dies geschieht etwa durch unseren Austausch. In meinem Leben ist das eine zentrale Größe.
        Mein Blick ist, noch, getrübt. Ich werde in diesem Jahr meine Brille überflüssig machen…

        Wo noch Dunkelheit ist, ist keine vollkommene Reife. Das Leben ist so wunderbar, dass es uns stets mit dem versorgt, was wir brauchen, auch um zu reifen (sofern wir es wollen).
        Ein Mann, der glaubt weise zu sein, hat aufgehört weise zu sein. So ist es auch mit dem frei sein. Mich frustriert das nicht, ich sehe es vielmehr als Ansporn jeden Tag etwas freier zu werden. Ich werde von vielen als sehr frei angesehen. Ich kenne die Grenzen meiner Freiheit.
        In vollkommenem Frieden mit dem zu sein, was ist, unbeschwert und leicht, erleichtert den Weg zu mehr Freiheit, zu mehr Licht in der Dunkelheit, ungemein.

        Alles Liebe für Dich. Jens

  2. Lieber Norbert,
    ich finde, du hast ein sehr wichtiges Thema angeschnitten. Es ist tatsächlich noch etwas heikel in unserer Gesellschaft, gerade, wenn es darum geht, dass die Eltern Pflege bräuchten. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Umfeld umso selbstverständlicher darauf reagiert, umso selbstverständlicher man selbst damit umgeht. Wenn du dich für deine Freiheit entscheidest, dabei aber ein schlechtes Gewissen hast, dann werden dich die Leute triggern und deine Entscheidung in Frage stellen. Wenn du aber aus tiefstem Herzen deine Freiheit lebst und damit völlig im Reinen bist, dann wird es auch keine Menschen geben, die das in Frage stellen. Das ist meine Erfahrung.

    Auch ich bin der Meinung, dass wir ein Leben in Freiheit leben können und dürfen. Wir müssen tatsächlich nichts. Der Text von Khalil Gibran, den du am Anfang deines Artikels hast, ist einfach wunderbar und für mich so wahr. Wie du weißt, habe ich mich auch in den letzten Jahren befreit. Ich habe mich oft gefragt, wie ein wirklich geheiltes Verhältnis mit den Eltern aussieht, denn ein solches habe ich angestrebt. Es ist ein Prozess, wie du schon sagst. Was hat sich nicht alles gezeigt, von dem ich noch nicht einmal wusste, dass es in mir wirkt. Und hierin besteht die Herausforderung. So viele Dinge, Programme laufen unterbewusst. Daher dürfen wir uns ganz genau beobachten in den unterschiedlichsten Situationen, immer und immer wieder. Heute habe ich diesen Frieden, den ich immer wollte. Ich habe einen Umgang mit meinen Eltern gefunden, der mir gut tut und umso mehr ich mich geheilt habe, umso mehr hat sich unsere Beziehung verändert, ist entspannter geworden und auch meine Eltern haben ihren Umgang mir gegenüber geändert. Da ist mehr Wertschätzung auf beiden Seiten, mehr Achtung. Und wenn mich doch mal wieder etwas triggert, dann sind es wirklich nur noch Kleinigkeiten und ich schaue sie mir an. Die großen, tiefen Wunden sind verheilt, dafür habe ich gesorgt.
    Wie ich diese Heilung angegangen bin, habe ich ebenfalls in einem Blogartikel aufgeschrieben. Hier der Link: http://anja-reiche.blogspot.de/2015/08/frieden-mit-den-eltern.html

    Ich wünsche einem jedem wahren Frieden in sich und mit den Eltern! Die Wunden können heilen und Freiheit ist möglich!!!

    Herzensgrüße von mir
    Anja

    • Liebe Anja,

      herzlichen dank für Deinen Kommentar und ich finde es schön, wenn du für dich einen guten und gesunden Weg im Umgang mit deinen Eltern gefunden hast und du deinen Frieden gefunden hast.

      Ich sehe das ähnlich wie du und gehe davon aus, dass wenn wir in unserer gelebten Freiheit klar sind, wir immer mehr mit Menschen in Resonanz gehen, die das bejahen.
      Aus meiner Sicht wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch Menschen geben, die trotzdem anderer Meinung sind und uns in Frage stellen, nur es wird uns nicht mehr „triggern“ und wir können entspannt und locker damit umgehen.
      Du schreibst, „dass ich sicherlich weiß das du dich in den letzten Jahren befreit hast.“ Ich weiß es von deinem Erzählen. Ich vermute das meinst du? Ansonsten weiß ich es nicht, dafür kenne ich dich zu wenig.

      Wie du hier schreibst, sehe auch ich es als eine große Herausforderung, all die Dinge, Programme, destruktiven Glaubenssätze an die Oberfläche zu bekommen und sie auszutauschen gegen das, was für uns stimmig ist, was mit unserem Wesen und unserem Leben in Freiheit überein stimmt.

      Dabei finde ich die 8 Punkte bei deinem Artikel, den du hier angelinkt hast „Frieden mit den Eltern“ sehr schön und kann mir gut vorstellen, dass sie für den einen oder anderen Leser hilfreich sein können.

      Letztendlich gehe ich davon aus, je freier wir uns fühlen, je freier wir unser Leben leben und je freier wir von den irdischen und menschlichen Verstrickungen sind, desto mehr werden wir auch wieder die Liebe zu uns selbst, zu unseren Eltern und zur ganzen Welt spüren können.

      Sonnige Grüße aus der Steiermark
      Norbert

      P.S Liebe Anja, ich habe gesehen, dass du mich beim „Liebster Award“ nominiert hast. Ich bin wirklich freudig überrascht und sage ganz lieben Dank, dass du dabei an mich gedacht hast.
      Allerdings gestehe ich zu, dass mir das Fragen beantworten, andere nominieren etc. gerade (und vielleicht auch zu einem späteren Zeitpunkt) zu viel ist. Ich freue mich, wenn du dafür Verständnis hast.

  3. Lieber Norbert,

    Ich finde den Artikel sehr gut geschrieben, und kann mich mit deiner Meinung an meinem heutigen Entwicklungspunkt zu hundert Prozent identifizieren.
    Ich finde was du schreibst sehr reflektiert, und in keiner Form Schwarz-Weiß.

    Zu dieser Erkenntnis gehört natürlich auch, das ein Kind den „Missbrauch“überhaupt wahrnimmt. Ich habe einen Freund, der neben seiner Mutter wohnt (sein Vater ist verstorben), die ihn wirklich für so viel einspannt, das man bei ihm schon ein Burnout feststellen kann, durch diese doppelte Verantwortung, sowohl für seine Mutter, wie auch für sich.
    Er fühlt sich schuldig, ihr gegenüber…er war immer das „schwarze Schaf“ (zu das er in meinen Augen „gemacht“ wurde, und was schon Missbrauch genug ist), und versucht nun durch möglichst viel Unterstützung sein Bild als verkannter Sohn doch noch gerade zu rücken.

    Da nehme ich Bezug auf deinen Artikel, wäre es hier nicht gerechtfertigter, das sich der Sohn anfängt zu lösen, und endlich ein freies Leben anfängt zu leben, ohne die Geißel der Schuld?

    Bei mir ist ebenfalls mein Vater vor einem Jahr verstorben, und ich habe mein Leben lang unter dem narzisstischen Missbrauch beider Elternteile gelitten. Mein Bruder ist daran zerbrochen.
    Ich habe mein Leben damit verbracht Energie aufzubringen, alles „gerade zu biegen“…bis ich begriffen habe, das nur ich mich „verbiege“, und zwar so sehr, das ich mich von mir entfremde, etwas das automatisch stattfindet, wenn man nie gut genug ist.

    Ich habe kurz vor dem Tod meines Vaters angefangen den Kontakt einzuschränken, und bemerke nun das Anspruchsdenken meiner Mutter, für sie da sein zu müssen, aber das sehe ich nicht so.

    Ich sehe es so wie du, ich habe nie richtig angefangen zu leben, und für mich ist ein Ablösungsprozess unumgänglich, um endlich frei zu sein.
    Ich habe Jahre geopfert, und habe gedacht wie Jens sagt: “ Wir suchen uns einander aus, um etwas zu lösen“. Das Problem ist nur, das wenn einer versucht etwas zu erarbeiten, und der Andere nicht, dann ist es kein Lösungsprozess mehr, sondern verschwendete Lebensenergie.
    Genau die Energie, die wir benötigen, um uns selbst zu finden.

    Ich finde die Aussage: Unsere Eltern haben gegeben was sie konnten ziemlich fade. Für mich fängt Verantwortung bereits beim Kinder bekommen an. Und ein Kind bekommen ist nicht schwer, schwer ist, aus ihm einen zufriedenen und glücklichen Menschen zu machen.
    Wenn ich schon kein solcher Mensch bin, wie kann ich dann ein Kind in diese Welt setzen?
    Und wieso muss ein Kind dafür, das Eltern noch menschliche Züge behielten auf ewig dankbar sein?

    Ich habe nicht überlebt, weil meine Eltern irgendwo doch nicht so falsch waren…denn mein Bruder hat es nicht.
    Ich habe überlebt, weil ich mich für das Leben entschieden habe, und dazu gehört auch los zu lassen, was einem nicht gut tut.

    Ich gehe auch zu keinem Menschen, der mich schlägt zurück, oder?

    Ich denke, sobald ein Mensch mir vermittelt, das er bereit ist auch auf mich zu zugehen, und an sich zu arbeiten, dann würde ich mich auf diese Beziehung einlassen, da er mich respektiert.

    Und das bedeutet das Wort Be-ziehung : Verbinden!

    Wenn aber keine Verbindung existiert?

    Diese Gedanken erscheinen evtl. schwarz-weiß, weil sie die Schlussfolgerung einer langen Reise durch verschieden Prozesse sind, in dessen natürlich von Person zu Person und von Eltern zu Eltern ganz andere Wege möglich sein können.
    Aber gerade die gesellschaftlichen Zwänge, verleiten nicht auch diese dazu Kinder bekommen zu müssen? ..und die Kinder sind dann die Altersvorsorge? Ist das nicht schwarz-weiß?
    Ist nicht alles individuell und von „Fall zu Fall“ unterschiedlich?

    Und ist es nicht wie du, Norbert sagst so, das zufriedene Eltern auch zufriedene Kinder großziehen, die ohne das sich diese Frage stellt, auch ihre Eltern im Alter begleiten? Und zwar, weil es eine Bereicherung für sie ist, und keine Bürde?

    Und diese Familien gibt es zur genüge, so eine habe ich mir z.b meine in meiner Illusion oft gebaut, weil ich es mir so gewünscht hätte, und nur so „überleben“ konnte.
    Aber irgendwann muss man mal aufwachen und anfangen zu fühlen, und dazu gehört leider auch, das man Entscheidungen fällen muss, die nicht sehr einfach sind aber wie du auch sagst: „Wir sind auf der Welt um unser selbst willen“!!
    Und was mir sehr wichtig ist, ist der Spruch: “ Du kannst nur für Andere da sein, wenn es dir selber gut geht“!
    Und das stimmt, und deshalb steht das eigene Wohl an erster Stelle, denn somit ist auch das gemeinschaftliche Wohl gesichert.

    Ich denke, das Schwarz-Weiß Denken herrscht so allgemein vor, das es uns emotional nicht gut tut, und deshalb lieber Nobert, finde ich dein Gedankengut überhaupt nicht destruktiv.

    wir sind niemandem auf dieser Welt etwas schuldig, außer uns selber.

    Viele liebe Grüße von Maria

    • Liebe Maria,

      ich sage herzlichen Dank für deinen Beitrag, für deine Offenheit, deine verbalen Blumen und ich bin berührt von deinen Zeilen und deiner persönlichen Geschichte.

      Was deinen Freund angeht, sind meine Gedanken bei dir und aus meiner Sicht finde ich es wichtig, dass er unbedingt und schnellstmöglich nach sich und seinem Leben schauen soll und seine Grenzen der Mutter gegenüber setzt, um so weiteren Missbrauch durch seine Mutter zu verhindern.
      Dazu bräuchte er meiner Meinung nach eben die Erkenntnis über den Missbrauch, von dem du zuvor schreibst.

      Leider kommt es immer wieder vor, dass Kinder an einem kranken Familiensystem mit dementsprechenden Eltern innerlich zerbrechen, so wie dein Bruder. Leider wollen aus meiner Beobachtung heraus nur wenige, besonders Eltern und die Familie nicht verstehen, warum es soweit gekommen ist.
      Somit hat für mich z.b ein Suizid keinen Sinn (er ist generell aus meiner Sicht sinnlos), aus dem einfachen Grund, dass Eltern sich die Sachen dann doch irgendwie schön reden, sie sich der Verantwortung entledigen und somit kein Lerneffekt gegeben ist. Im Gegenteil, Eltern nutzten das glaube ich noch gerne, um sich noch mehr Selbst zu bemitleiden und von anderen bemitleidet zu werden, nach dem Motto, die armen Eltern.
      Dann finde ich es doch besser, am Leben zu bleiben und seine Unzufriedenheit kund zu tun, vielleicht den Kontakt zu reduzieren bzw. abzubrechen bzw. sich nicht mehr für das Familiendrama zur Verfügung zu stellen und zu sagen, ich bin dann mal weg.

      Denn so einige Familiensysteme sehe ich als ein sinkendes Schiff, wo es besser ist, von Bord zu gehen, auch wenn wir vielleicht ein paar Meter schwimmen müssen, bis wir wieder Land sehen.

      Ich denke ich kann gut nachvollziehen und mitfühlen was du hier beschreibst und es liest sich für mich, als ob du dich auf einem guten Weg zu dir selbst befindest. Fein.

      Und dabei wünsche ich dir weiterhin alles Gute, viel Erfolg, so dass du es schaffst das Leben zu leben das deiner Seele, deinem Herzen entspricht, mit all seinen Sehnsüchten, Träumen, seelischen Bedürfnissen und Wünsche.

      Alles Liebe für Dich
      Norbert

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