Wenn wir unserem Herzen folgen wollen, müssen wir es erst wieder finden. Teil 1/2

Die Vorstellung, dass wir unserem Herzen einfach nur folgen sollen, finde ich so wunderbar, wie auch eine enorme Herausforderung.
Es ist aus meiner Sicht eine schöne Idee von Menschen, die uns davon erzählen, dass wir auf unser Herz hören sollen.
Was diese Menschen oft selbst nicht zu wissen scheinen und wodurch sie für mich auch nur die halbe Wahrheit weitergeben ist, dass unsere Herzstimme durch das was wir Erziehung nennen, seit frühester Kindheit in die Dunkelheit verbannt wurde und wir oft die Stimme unseres Herzens weder hören noch kennen.
Sind wir mit unserem (mit)fühlenden Herzen gut verbunden, können wir glaube ich sehr gut wahrnehmen, dass viele Herzen von uns zerbrochen sind, traurig sind, einsam sind, unsicher sind sich in dieser Welt nicht wohl und zu Hause fühlen und wir keine Ahnung mehr davon haben, wer oder was unser Herz in Wirklichkeit ist. Bevor wir also unserem Herzen wieder folgen können, braucht es aus meiner Sicht erstmal das Erkennen, dass wir in unserer Kindheit von unserem Herzen abgeschnitten und getrennt worden sind.

Zu sehr haben wir versucht, uns und anderen einzureden, dass wir unsere Herzensstimme kennen und haben dabei nicht gemerkt, dass wir der Stimme unserer Gefühle und der Stimme unseres Verstandes gefolgt sind.
Aus irgendeinem Grund war es uns wichtig zu glauben, dass das, was wir in uns hören, unsere Herzensstimme ist. Der Grund dafür ist für mich der, weil wir noch nicht bereit dazu waren, uns dem Schmerz zu stellen, dass wir von unserem Herzen in unserer Kindheit auf heftigste Weise getrennt und abgeschnitten wurden.
Wir wurden teilweise massivst über körperliche, seelische Gewalt und vielfachen elterlichen Übergriffen von unserem zarten, offenen, verletzlichen, feinen, sensiblen, schönen und leuchtenden Herzen getrennt und fingen an, hohe Mauern um unser Herz zu bauen. So hoch, damit ja niemand mehr in der Lage ist uns zu verletzten.
Diese hohe Mauern sind uns meistens nicht bewusst und wir haben uns Strategien zurecht gelegt, die uns glauben lassen, dass wir aus unserem Herzen heraus handeln und leben.
Besonders in Beziehungen kommt dieser Irrglaube, dass wir mit unserem Herzen verbunden sind, gerne zum Tragen. Da beenden wir eine (jahrelange) Beziehung mit unserem Partner, weil wir uns einreden, dass wir unserem Herzen folgen müssen. Dabei sind wir nicht selten nur auf der Flucht vor den Wunden Punkten, mit der uns unsere bestehende Partnerschaft in Kontakt bringt. Ein anderer reizvoller Mensch, der dann „zufällig“ in unser Leben tritt und der uns wieder so viele schöne Gefühle spüren lässt, ist dann gerne eine gute Gelegenheit, schnell die Koffer zu packen und zu sagen, ich folge nur meinem Herzen.

Wir haben uns von der Kindheit bis heute in unserem erwachsenen Leben sehr viel zurecht gelegt, wo wir uns glauben lassen, das ist die Stimme unseres Herzens. Wir lassen uns z.b. gerne glauben, wie edel, großmütig, einfühlsam, positiv, mitfühlend und toll wir in unserem Herzen sind.
Selbst die dunkelste Gestalt von uns kann in dem Glauben sein, wie edel und gut sein Handeln ist.
Da wird im Namen Gottes Krieg geführt, weil die anderen die bösen Sünder sind und zur Strecke gebracht werden müssen.
Auch diese Menschen sind vermutlich davon überzeugt, dass die Stimme ihres Herzens sie dazu gerufen hat.
Vermutlich war es die Stimme ihres Herzens, aber nicht die Herzensstimme eines geliebten Kindes, sondern des (tief) verletzten, zerbrochenen, enttäuschten, wütenden, verbitterten und hoffnungslosen Kinderherz.
Wer kennt das nicht, wir glauben, wir folgen unserem Herzen und am Ende ist alles nur noch schlimmer. Die einen folgen ihrem Herzen und stehen am Ende ohne Geld da, können ihre Miete nicht bezahlen und müssen Hartz4 beantragen, weil sie scheinbar ihrem Herzen gefolgt sind, das ihnen gesagt hat, lass alles los, du bist versorgt. Nach ein paar Monaten in der Hängematte sind sie dann wirklich alles los und wissen nicht mehr weiter.
Oder voll überzeugt folgen wir unserer Herzensstimme, lassen uns auf eine Beziehung ein, die sich so wunderbar gut und richtig anfühlt, um am Ende nur eine weitere Schmerzerinnerung an eine unserer Kindheitswunden zu erleben und zutiefst verletzt zurückgelassen zu werden.
Voller Unverständnis fragen wir uns dann, warum ziehe ich immer den „falschen“ Partner in mein Leben. Ein Partner der mich ständig betrügt, hintergeht, verletzt, missbraucht, ausnutzt, benutzt,……
Ja warum denn?

Uns darf und muss denke ich klar sein, dass unser Herz wieder zu finden eine wirklich große Sache ist. Eine Sache, die Mut und Stärke von uns braucht und was vielleicht nicht unbedingt so schnell mal zwischen Frühstück und Mittagessen geschieht. Was nicht heißt, dass wir unser Herz durch unsere Offenheit nicht auch auf wundersame Weise urplötzlich wieder finden können. Aus meiner Sicht ist auch das möglich, in dem Wissen alles ist JETZT immer da.

Es gibt genug Menschen die uns glauben lassen wollen, sie leben aus ihrem Herzen heraus und oft vertrauen wir ihnen leichtsinnig und blauäugig mehr als uns selbst. Sie reden von Licht und Liebe, von der schönen positiven Seite des Lebens und wie erfolgreich sie sind.
Die Fassade der Scheinheiligkeit, die gerne dahinter steckt, wollen wir oft nicht wahrhaben. Meistens spüren wir sogar ein Gefühl des Unbehagen, spüren, dass etwas sich nicht stimmig anfühlt, nehmen diese Gefühle aber nicht ernst und nicht wichtig.
Stattdessen lassen wir uns freudig glauben, dass wir endlich jemanden gefunden haben, der uns sagt, wo es lang geht und was wir zu tun haben.
Ein Glaubenssatz der vielleicht dahinter steht, könnte heißen, „ ich kann mir selbst nicht vertrauen, die andere wissen besser was gut für mich ist“ oder „ich habe keine Ahnung vom Leben und die anderen können mir sagen was ich tun muss“.

Wer Lust hat, kann sich einmal für den Gedanken öffnen, dass sein Herz mit großer Wahrscheinlichkeit in frühester Kindheit von seinen Eltern immer wieder sehr verletzt und enttäuscht wurde und dass diese Wunden sich nach Heilung sehnen.
Sollten wir wirklich dazu bereit sein, uns diesen Wunden stellen zu wollen, wird sich auf wundersame Weise auch die Qualität der Therapeuten etc., die wir in unser Leben ziehen ändern.
Auf einmal werden wir die Dampfplauderer hinter uns lassen und ernsthafte Therapeuten, Lebenslehrer, Bücher, Seminare in unser Leben ziehen, die uns mitfühlend spüren lassen, dass sie die Not unseres Herzens verstehen.

Solange wir auf der Flucht vor unserem schweren und beladenden Kinderherzen sind und und uns mit positiven Gedanken, mit Drogen, Alkohol etc. vollpumpen, werden die Wunden unseres Herzens nicht heilen können. Gerade die positiv Denker unter uns sind meiner Beobachtung ständig damit beschäftigt ihre Energie hoch halten zu müssen, um bloß nicht mit der Dunkelheit in ihrer Seele in Berührung kommen zu müssen. Sie haben Angst vor dem Ort, der sie einst hat so viel leiden lassen und sie können sehr schwer negative Gefühle und Energien aushalten. Ich verstehe das, denn wer will schon gerne mit der Hölle seiner Kindheit, mit all seinen düsteren Gefühlen noch einmal in Kontakt kommen. All die Gefühle der Ohnmacht, der Angst, des Schmerzes, der Furcht, der Verzweiflung, des ungeliebt Seins,…

Wollen wir aber unser Herz wirklich von all dem befreien, was uns einst so hat leiden lassen und was uns ja weiterhin leiden lässt, ist unser Bereitschaft hinzuschauen unverzichtbar.
Ich bin mir sicher, bleiben wir lange genug dran, (selbst wenn es 10, 20, 30 Jahre lang dauern sollte), wird immer mehr unser wunderbares, leuchtendes, glückseliges, fantastisches, geniales, lebenslustiges, kreatives, reines und freies Herz zum Vorschein kommen.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil: Die verschütteten Schätze unseres Herzens wieder an die Oberfläche holen und befreien

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9 Gedanken zu “Wenn wir unserem Herzen folgen wollen, müssen wir es erst wieder finden. Teil 1/2

  1. … ja, dieser Weg zurück in die Herzqualität ist wohl als Weg das Ziel selbst und oft, wenn „es“ wahre G´schichten, meine Geschichten mit mir schrieb – als Therapie für mich selbst sozusagen – wunderte ich mich später darüber, daß ICH das bin, die da geschrieben hatte. … denn in der Zwischenzeit war ich genau so oft in dieser Lücke des Verletzseins … und all das was du hier so trefflilch „bewortet“ hast, gelandet. Las ich mich dann aber wieder abermals selbst, brachte mich die geschriebene Geschichte wieder in die Herzenergie.
    … Ja, und so kann ich dieses „mit dem Herzen fühlen“ immer besser und in diesem beschleunigtem Jetzt-Zustand braucht es oft nur noch ein MachtErinnerungswort wie „Freude, Liebe, Lebenslust, Seelenweg, Tiergeschwister, Mutter Erde, Natur, Herzkönig u.v.m.“, um mich ins Herz zu katapultieren.
    … Nun hast du ja schon einmal eine Lücke erfühlend, gefüllt … (mit der Elternverantwortlichkeit – siehe deinen Block) … und nun danke wiederum für das anresonierte … von tierherzuherz Roswitha

  2. danke für die wunderbaren geschenke der adventzeit, eine kerze und in ruhe lesen und dann in kleinen schritten das erkannte umsetzen…. jetzt
    dankbare grüße von mathilde

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