Ehrlichkeit und Kritik, oft eine herzlich unwillkomme Verhaltensweise für unsere Eltern und unsere Herkunftsfamilie

In einem gesunden Familiensystem ist meiner Meinung nach Ehrlichkeit, offene Aussprache gepaart mit gegenseitigem Respekt und Fairness, sowie Kritikfähigkeit eine selbstverständliche Angelegenheit.
Nicht nur Eltern, sondern auch den Kindern ist es in einem solchen Familiensystem möglich und selbstverständlich erlaubt, sich z.B. gegenüber seinen Eltern ganz natürlich und angstfrei, kritisch ihnen gegenüber äußern zu dürfen. So ist es dem Kind möglich den Eltern z.B. zu sagen, dass es sich von ihnen nicht gut behandelt fühlt. Es kann seinen Eltern offen sagen, dass für es etwas nicht stimmt, nicht gefällt, nicht passt, nicht mag, nicht in Ordnung ist, enttäuscht ist, sich verletzt fühlt…..
Jeder, der sich in so einem gesunden Familiensystem befindet hat die gleichen Rechte wenn es darum geht, sich mitzuteilen, seine Meinung zu sagen, seine Gefühle auszudrücken und Kritik zu äußern und jeder, der sich in einem solchen Familiensystem befindet kann sich darin unendlich wohl, sicher, geborgen, richtig, gleichwertig und wertgeschätzt fühlen.
So ist für mich Familie im Grunde gemeint, so glaube ich ist das Zusammenleben in einer Familie vom Leben gemeint und das ist für mich ein Ausdruck von elterlicher Liebe und familiärer positiver Verbundenheit.

Dem gegenüber stehen für mich die „Standardeltern“ und das „Standardfamiliensystem“. Eltern und Familiensysteme, in denen aus meiner Sicht viele von uns selbst aufgewachsen sind.
In dieser Lebensgemeinschaft, wo Eltern, Ältere und Kinder zusammenkommen gibt es eine klare Hierarchie. Dort erlauben sich fast immer die darüber stehenden Generationen, wie in erster Linie Eltern zu ihrem Kind alles tun und sagen zu dürfen, während das Kind so gut wie keine Rechte hat sich frei und ehrlich mitteilen zu können. Ehrlich offene Kritik, mag es sich auch nur ein Hauch wie Kritik für die Eltern anhören, ist dort so gut wie nicht erlaubt. Selbst wenn es einfach nur ehrlich ist und das Gesagte keine Kritik beinhaltet heißt das noch lange nicht, dass es für die Eltern keine Kritik ist.
Ehrlichkeit vom Kind ist in solchen erkrankten Familiensystemen meistens nur ganz am Anfang willkommen, nämlich dann, wenn es noch locker und humorvoll genommen wird, z.B. wenn das Kleinkind das Essen heraus spuckt und Bäh sagt, oder wenn es mit seinen kleinen Händen das Gesicht der Oma mit verzerrter Mimik zurückdrückt, um sagen zu wollen, du bist mir zu nahe, verschwinde.
Hier ist alles noch ein lustiges Erlebnis für die Eltern und für die Familie. Da wird noch lauthals über das eine oder andere natürlich ehrliche Verhalten des Kindes gelacht.
Im Laufe der Zeit ändert sich das schlagartig, das Blatt wendet sich und das Kind erlebt für seine unbeschwerte offene Ehrlichkeit auf einmal Ablehnung, Liebesentzug und Bestrafung. Das Kind, das seine Grenzen setzen will, NEIN sagen will, offen sagen will, dass ihm das Essen heute nicht wirklich schmeckt, ist den Eltern ein Dorn im Auge.
Aber warum? Aus meiner Sicht gesehen, weil sich das innere verletzte Kind der Eltern auf einmal mit seinen Gefühlen z.B. des abgelehnt und kritisiert sein bemerkbar macht und sagt, hier hört der Spaß auf, ich bin heute „erwachsen“ bzw. in einem großen Körper und lasse mir das nicht von diesem kleinen Kind gefallen. Schließlich durfte ich das als Kind auch nicht.
Auf einmal wird diese natürliche unverfrorene Ehrlichkeit des Kindes zu einem Ärgernis und das Erwachsen spielende innere Kind der Eltern macht dem leiblichen Kind klar, du hast kein Recht mich zu kritisieren und mir gegenüber Grenzen zu setzen.

Vielen von uns, die in einem solchen Eltern- und Familiensystem aufgewachsen sind, sind sich dieser Angst vielleicht bewusst, wenn es darum geht, sich seinen Eltern mitzuteilen. Wie oft denken wir dann tausend mal darüber nach, wie wir es ihnen am schonendsten sagen können, wie z.B. eine 15-Jährige, die Schwanger ist, das Kind mit dem Sechser in Mathe, das Kind, das erfahren hat, dass es in der Schule sitzen bleibt, der Mann / die Frau, deren Ehe kaputt ist, der Sohn, der etwas anderes studieren will oder der die Firma nicht weiterführen will, der Junge der einen anderen Jungen liebt, die erwachsene Tochter, die am Geburtstag ihrer Mutter oder an Weihnachten in den Urlaub fliegen will. Wie viele von uns dachten und denken viele Tage und Nächte darüber nach, die Eltern ja nicht mit dem Gesagten aufzuregen, um ja nicht den schlafenden Bären in ihnen zu wecken, da wir wissen wie sensibel und aufgebracht sie reagieren können. (Dabei ist hier noch nicht mal Kritik vom Kind ausgegangen, sondern nur das, was beim (erwachsenen) Kind gerade ist,….) Wie viele einstige Jungens und Mädchen wissen z.B. um ihre (Scheiß) Angst vor dem unberechenbaren Wutausbruch des Vaters, wenn er sich kritisiert fühlt, ihm widersprochen wird oder nicht alle bedingungslos nach seiner Pfeife tanzen. Oder wie viele spüren Angst vor der Mutter und ihrem unfairen, Schuldgefühl machenden Zurückschlagen, wenn sie sich angegriffen, bedroht und kritisiert fühlt oder einfach nicht das bekommt was SIE will. À la, „wie kannst du nur an meinem Geburtstag bzw. Weihnachten in den Urlaub fahren, du weißt doch wie viel mir daran liegt, dass wir alle an diesem Tag zusammen sind.“
In vielen erwachsenen Kindern, so meine Beobachtung, steckt da eine Menge, Menge Angst vor ihren eigenen Eltern und besonders die Angst, sich ihnen gegenüber offen und ehrlich mitzuteilen, sie zu kritisieren, ihnen ihre Grenzen zu setzen und sich ihnen gegenüber zu behaupten. Das liegt für mich mitunter eben daran, weil die meisten Eltern und Älteren in einer Familie wegen ihren eigenen Kindheitswunden keinen Raum für Andersartigkeit, für Neues, für Befremdliches und andere Meinungen haben, sie stark kritikunfähig sind oder mit Kritik nicht konstruktiv umgehen können. Das führt dazu, dass Eltern nicht selten dann zu ungerechten, unfairen Methoden und Argumenten greifen. Unreflektiert, ohne nachzudenken und ohne zu überprüfen, ob das Gesagte vielleicht berechtigt ist, gehen sie in den Verteidigungsmodus und schlagen zurück.
Für mich ein klares Anzeichen dafür, dass hier die Eltern noch nicht wirklich im Erwachsensein angekommen sind.
Viel mehr, finde ich, reagieren nicht erwachsen gewordene Eltern auf ehrliche offene Worte, die durchaus nicht mal kritisch sein müssen, sondern aus ihrem inneren verletzten und sich angegriffen fühlenden Kind heraus, das dann gerne wie ein Rumpelstilzchen vollkommen unsachlich und auf niederen, primitiven Ebenen kommunizierend herum tobt. Das laute Herumbrüllen der Eltern soll dem Kind symbolisieren, wir als Eltern haben Recht und was du als Kind machst ist falsch.
Bei solchen Eltern und Familien hat das Kind immer die Verliererkarte in der Hand und das Kind hat absolut keine Chance auf eine menschenfreundliche, (kind)gerechte, faire, erwachsene und ihm seine Würde lassende Aussprache.

Wenn wir als Kinder so Derartiges erleben, wen wundert es dann, wenn wir als erwachsene Kinder bei unseren Eltern und innerhalb der Familie keine Lust mehr haben, uns wirklich mitzuteilen und etwas von uns preisgeben wollen.
Wenn wundert es dann, wenn wir als erwachsene Kinder keine Lust mehr auf unsere Eltern und unsere Herkunftsfamilie haben, wenn wir spüren und erleben, dass wir mit unserem Bedürfnis nach Ehrlichkeit und unser ehrliches sich mitteilen wollen nicht willkommen sind bzw. wir uns dort nicht respektiert, ernst genommen und gleichberechtigt behandelt fühlen.

Stattdessen sollen wir als Kinder uns weiter den elterlichen und familiären Regeln unterwerfen und nur über Dinge reden, die in ihrer Sache nur den Elten und Erwachsenen etwas zu geben scheint, z.B. in dem wir so tun, als wäre alles in Ordnung und unsere Familienwelt ist so schön harmonisch und heil.
Die Devise ist, Hauptsache es wird nichts angesprochen, was den wahren IST- Zustand zwischen unseren Eltern und uns als Kind zum Ausdruck bringt und der Scheinfrieden wird bewahrt.. Hauptsache alle ehrlichen, unschönen und kritischen Worte werden weiterhin von uns als Kind wortlos hinuntergeschluckt. Hauptsache unsere Eltern müssen sich mit nichts konfrontiert fühlen und sich mit etwas Unangenehmen auseinandersetzen.
Das erwachsene Kind, als Frau oder als Mann, soll weiterhin gefälligst den Mund halten und das kranke, unechte und unehrliche Familienspiel brav und nicht aufmuckend mitspielen.

Eine ehrliche, faire und erwachsene Aussprache mit unseren Eltern ist somit oft nicht möglich und wird meistens von unseren Eltern mit unfairen Vorwürfen, Schuldgefühlen und Androhungen von was auch immer quittiert.
Was also als erwachsenes Kind tun?
Was tun mit unserer Angst gegenüber unseren Eltern?
Was tun mit unserem Bedürfnis nach offener, ehrlicher Aussprache und nach menschenfreundlichem behandelt werden?
Was tun, wenn wir feststellen, dass wir uns bei unseren Eltern nicht wohlfühlen, uns eingeschränkt fühlen, uns ängstlich fühlen, uns blockiert fühlen, uns zurückhalten müssen und sie lieber meiden wollen?

Diese und andere Fragen sind Fragen, wo jeder für sich denke ich seine ganz eigenen, individuellen Antworten heraus finden muss.
Es gibt aus meiner Sicht keine allgemeingültigen Antworten auf diese Fragen.

Was uns beim Finden von Antworten vielleicht leichter macht ist, dass wir uns bewusst sind, wie auch immer wir uns für etwas entscheiden,
a) dass wir uns am Ende wirklich mit unserem inneren Kind damit wohl fühlen.
b) dass wir uns die Erlaubnis geben, nicht die perfekte Entscheidung gleich treffen zu müssen.
c) dass wir uns erlauben, unsere Entscheidung immer und immer wieder solange revidieren zu dürfen, bis unsere Entscheidung sich wirklich gut und stimmig für uns anfühlt, auch wenn das heißen sollte, ich will meine Eltern erst einmal nicht mehr sehen.
d) dass wir uns erlauben, mit unseren Entscheidungen experimentieren zu dürfen, auch wenn wir dabei unsere Eltern damit konfrontieren, dass wir uns heute so und morgen so entscheiden. In dem Wissen, wenn unsere Elten uns wirklich lieben würden, wäre das für sie völlig normal und Ok.
e) dass wir es uns wert sind, uns nicht mehr von unseren Eltern benutzen, missbrauchen, manipulieren und fertig machen zu lassen,
f) dass wir uns erlauben Grenzen zu setzen, STOP zu sagen, NEIN zu sagen und uns gegenüber unseren Eltern zu wehren, wenn sie meinen sie könnten weiterhin, wie einst als wir klein waren, verletzend und grenzüberschreitend mit uns umgehen.
g) dass wir erkennen, dass die Unreife unserer Eltern nicht unser sondern ihr Problem ist.
h) dass die Seelen unsere Eltern und unsere eigene Seele nichts davon haben, wenn wir das Spiel ihrer idealisierten Welt aus Angst und aus Konfliktscheu meiden.
i) dass wir wissen, Ehrlichkeit, Wahrheit ist nicht immer schön und schmerzfrei aber ist ungemein heilsam und befreiend, auch wenn es etwas Zeit in Anspruch nimmt, bis das in unserem Bewusstsein wirklich angekommen ist.
j) und dass wir erkennen, was für eine wunderbare und erwachsene Qualität es ist, wenn wir auf konstruktive, menschliche und taktvolle Weise ehrlich mit uns und Miteinander umgehen.
k)……

Erinnern wir uns daran, dass alles nur eine feige Lüge ist und nur Unheil bringt, wenn wir zu uns selbst, in unserem Miteinander und in unserem Zusammenleben nicht echt und ehrlich sind.
Darum wünsche ich mir, dass wir immer mehr miteinander ehrlich umgehen und kommunizieren lernen, dass wir uns alle, überall und zu jeder Zeit ganz natürlich und angstfrei mitteilen können.

Was wäre das wohl für jeden von uns ein Zugewinn an Lebensqualität?
Wie schön wäre es, wenn wir als Kinder so bei und mit unseren Eltern sein könnten?
Ich finde, es könnte so einfach und so wunderbar zwischen Eltern und Kind sein. So einfach, so echt, ehrlich und authentisch, dass Alles, ob freudig oder unangenehm auf ganz natürliche Weise immer da sein könnte.
Ist in Wahrheit nicht das eine Familienwelt, in der jeder von uns leben will, ob als Eltern, oder als Kind?
Ist in Wahrheit nicht das eine Menschenwelt in der wir alle leben wollen?
Eine Welt, wo niemand sein muss, was seinem Herzen und seinem Wesen nicht entspricht?

8 Gedanken zu “Ehrlichkeit und Kritik, oft eine herzlich unwillkomme Verhaltensweise für unsere Eltern und unsere Herkunftsfamilie

  1. ein wunderbarer text, der aber ein bisschen langatmig ist… und daher vielleicht nicht so wirkt, wie es ihm gebühren würde…der kern ist so wichtig für unseren frieden… danke und ein gutes jahr 2018

    • freut mich, dass er dir gefällt und Danke für dein ehrliches Feedback, dass er dir ein bisschen langatmig vor kommt. Vielleicht hast du Recht.
      Finde es interessant ob andere Leser ihn auch langatmig finden und die Wirkung dadurch nicht so zur Geltung kommt.?

      Wünsche dir auch ein gutes, erfülltes, gelungenes und geniales Jahr 2018.

  2. In einer „durch und durch“ kranken Gesellschaft kann es keine Lösung, keine wirklichen Erfolge, bringen, wenn man nur SYMPTOME zu behandeln versucht. Das ist ja leider genau das, was die Sub-Systeme dieser – „zivilisierten“ – Gesellschaft regelhaft zu tun versuchen; und logischerweise ohne regelhaften Erfolg.

    Wobei trotz des kranken Umfeldes die grundlegende, natürliche, Heilung in jedem Einzelfall möglich ist. Bei „Erwachsenen“ ist dazu die Erkenntnis der – vollen – Wahrheit erforderlich. Wie auch die Bibel sagt: „Die WAHRHEIT wird euch FREI machen“. Frei WOVON bzw. WOZU?

    Frei von Angst / Unsicherheit und deren Ursache, der NEUROSE, bei der es sich m.E. in den meisten Fällen um den Zustand zwischen Traumatisierung / seelischer Verletzung und grundlegender, natürlicher, Heilung handelt.
    Frei für das WAHRE Leben / Sein, erwachsen zum vollen Potenzial.

    Wer seine Kinder zu wahren Menschen erziehen will, muß selbst zunächst GANZER, HEILER, WAHRER, Mensch werden.

    Die „Krankheit der Gesellschaft“ (W. Kütemeyer) ist eine „kollektive Neurose“, wie in der Soziologie bekannt. Ich nenne die kollektive Neurose der „Zivilisation“ / „zivilisierten Gesellschaft“ die „Kollektive Zivilisations-Neurose“ (KZN) und habe meinen Weg der Heilung ab 1992 bis ca. 2012 beschritten. Meine wichtigsten Erfahrungen / Erkenntnisse habe ich auf meiner HP http://www.Seelen-Oeffner.de veröffentlicht.

    Herzlichen Gruß!

    • Liebe Sonja,
      herzlichen Dank für deine Rückmeldung. Das freut mich sehr zu lesen.

      Alles Liebe, Gute und eine tolle Zeit für 2018.

      Liebe Grüße
      Norbert

  3. Wunderbar geschrieben – ich schreibe selbst auch immer sehr ausführlich und weitreichend 🙂
    Wichtige Themen wollen gut durchleuchtet und umso auch besser verstanden werden.
    Deshalb passt das sehr für meinen Geist 😉
    Danke dir, du hast alles für mich sehr stimmig auf den Punkt gebracht <3

  4. Toller Text! Fasst das zusammen, wie ich die Situation auch so sehe. Ich denke, das ist ein Thema von vielen Menschen, die in den 60ern geboren wurden: die Eltern haben das ja auch so von ihren Eltern gelernt und erfahren, was du beschreibst. Die Hierarchien beachten und dann als erwachsener Mensch bei Familienbegegnungen möglichst stumm da sitzen, während die Eltern einen beschallen. Das tun, was die Eltern wollen, sich angreifen und provozieren lassen – die Eltern dürfen alles, das erwachsene Kind nichts.

    Häufig stecken da narzisstische Problematiken dahinter, denn wenn jemand sich solcherart überlegen fühlt, sich nicht für den anderen (und es sei es die Kinder) interessiert, den anderen abwertet und entwertet (das ist in toxischen Systemen zu häufig) und so hochempfindlich ist, dann hat derjenige eine narzisstische Erlebenswelt, das heißt, diese Menschen sind per Se unreif und können ohnehin mit gleichberechtigten Beziehungen schlecht umgehen. Denn gute Beziehungen finden immer! auf Augenhöhe statt, sonst sind es keine guten Beziehungen. Und wo diese Augenhöhe fehlt, ist es eine Qual, eine solche Beziehung zu halten. Und natürlich sind solche Beziehungen toxisch. Oft hilft Abstand. Oder: Man ordnet sich nicht unter, lebt sein Leben in seiner Fülle, arbeitet alles auf, setzt Grenzen, wo man sie setzen möchte, sagt auch seine Meinung, ohne lange herum zu diskutieren – dann wird man feststellen, dass diese Eltern-Kind-Beziehung mindestens sehr abkühlt bzw. dass die Eltern sich zurück ziehen bzw. den Kontakt völlig abbrechen. Schuld haben natürlich die erwachsenen Kinder, die nicht so funktionieren, wie man es will. DAVOR haben die erwachsenen Kinder doch Angst! Kontaktbbruch seitens der Eltern und noch obendrein die Schuld zu tragen. Die Eltern sterben ja bald, und was sagt man sich dann bloß? Klar, Wutanfälle sind unangenehm und sollen das Kind wieder in seine Position zwingen. Aber wenn man erwachsen auf den Wutanfall reagiert und sagt, dass man das nicht möchte (wirklich so sagt) oder dies sagt und dann Grenze ziehend aus der Wohnung geht, dann hat es sich recht schnell mit der Beziehung, das heißt, die Eltern wollen es „ihren Nerven“ – nein ihrer kindlichen Seele nicht antun, diese Beziehung weiter zu führen. Deshalb läuft es ja immer weiter. Jeder soll sehen, ob er eine enge toxische Beziehung zu den Eltern führen möchte. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, klarzubekommen, wie sieht die Beziehung zu meinen Eltern endgültig aus? Man ist ihnen nichts schuldig und darf sein Leben leben. Und wenn Eltern eben so unreif sind und meinen, immer weiter erziehen zu können statt eine Beziehung aufzubauen, dürfen sie sich nicht wundern, dass eben eine solche gute Beziehung nicht existiert. Für gute Beziehungen sind immer zwei verantwortlich. Denn niemand wird allen Ernstes behaupten, dass solch ein Unterordnungsverhältnis eine Beziehung ist. Daraus resultieren dann die sog. verlassenen Eltern, die aber, sollte man es wagen, zu ihnen zurück zu kommen, den erwachsenen Kindern Vorwürfe und Schuldgefühle machen und alles läuft wieder so wie es war. Ohne Selbstreflexion. Ja, das geht eben nicht. Ohne eine ausreichende Reife oder wenigstens Reifung ist es dann eben vorbei. Selbstschutz geht vor. Traurig, aber Realität und immer sichtbarer.

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